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Wahlen gewinnen 622. September 2026

Kommunalwahlkampf planen: Fahrplan über zwölf Monate

Kommunalwahlkampf planen: die fünf Phasen vom Kernteam bis zum Wahltag, mit Budget, Zeitplan und Checklisten. Kostenloser Fahrplan als PDF zum Download.

Simon Mai

Von

Simon Mai

Kommunalwahlkampf planen: Fahrplan über zwölf Monate
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Kommunalwahlkampf planen: der Fahrplan über zwölf Monate

Ein Kommunalwahlkampf wird fast immer ehrenamtlich geführt, von Menschen mit Hauptberuf und begrenzter Zeit. Genau daran scheitern die meisten. Es liegt an der Reihenfolge, selten am Willen. Wer sechs Wochen vor der Wahl mit dem Plakatmotiv beginnt, hat die Liste nicht besetzt, kein Programm und keinen Vorlauf beim Drucker.

Dieser Beitrag zeigt, wie sich ein Kommunalwahlkampf über zwölf Monate planen lässt, rückwärts gerechnet vom Wahltag. Er richtet sich an Ortsverbände, Kreisverbände und freie Wählergemeinschaften.

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Warum ein Kommunalwahlkampf eigenen Regeln folgt

Wer eine Bundestagswahl im Wahlkreis begleitet hat, bringt Erfahrung mit, die hier nur zur Hälfte trägt.

Gewählt wird eine Liste, wahrgenommen werden Personen. Auf dem Stimmzettel steht Ihre Gliederung, im Kopf der Wählerinnen und Wähler stehen einzelne Namen: die Übungsleiterin, der Handwerker aus der Nachbarschaft, die Lehrerin der eigenen Kinder.

Wo kumuliert und panaschiert wird, führt jede Person einen eigenen kleinen Wahlkampf. Das Ergebnis der Liste ist dann die Summe vieler persönlicher Netzwerke. Klären Sie als Erstes, welches Wahlrecht in Ihrem Bundesland gilt, denn davon hängt Ihre gesamte Materialplanung ab.

Häufig fällt die Ratswahl mit einer Bürgermeisterwahl zusammen. Das ist eine Chance und eine Gefahr zugleich. Planen Sie beide Kampagnen getrennt und stimmen Sie sie in einer Hand ab.

Das Ehrenamt ist die Rahmenbedingung. Ein Plan, der Wochenarbeitszeiten wie in einer Agentur voraussetzt, scheitert in Woche drei. Rechnen Sie realistisch und planen Sie Puffer für Ausfälle ein.

Wahlkampf planen heißt rückwärts rechnen

Der Ausgangspunkt jeder Planung ist der Wahltag. Von dort rechnen Sie zurück, weil sich die Aufgaben nach dem Termin richten und nicht nach Ihrem Kalender.

Die Fixpunkte setzen die gesetzlichen Fristen: Aufstellungsversammlung, Einreichung des Wahlvorschlags, gegebenenfalls Unterstützungsunterschriften. Diese Fristen unterscheiden sich je nach Bundesland und teilweise je nach Kommune erheblich. Holen Sie sich die Termine schriftlich vom Wahlamt Ihrer Kommune, bevor Sie irgendetwas anderes planen. Eine versäumte Frist beendet den Wahlkampf, bevor er begonnen hat.

Wenn Sie später als zwölf Monate vorher einsteigen, holen Sie die verlorene Zeit nicht durch Beschleunigung auf. Streichen Sie stattdessen Aufgaben. Nicht verzichtbar sind die Liste, das Material und der Haustürwahlkampf.

Die Ausgangslage bestimmen

Bevor Sie planen, sollten Sie wissen, wo Sie stehen. Die nötigen Daten liegen öffentlich vor und werden von Gliederungen fast nie genutzt.

Ihre Kommune veröffentlicht die Ergebnisse der letzten Kommunalwahl nach Stimmbezirken. Tragen Sie je Bezirk ein: Ihr Stimmenanteil, die Wahlbeteiligung, die Veränderung gegenüber der Wahl davor. Daraus ergibt sich die einzige Frage, die im Wahlkampf wirklich zählt: In welchen zwei oder drei Bezirken entscheidet sich Ihr nächster Sitz?

Ein Bezirk mit hohem Potenzial und schwacher Wahlbeteiligung ist wertvoller als eine gesicherte Hochburg, in der ohnehin alle wählen.

Die fünf Phasen der Wahlkampfplanung

Monate 12 bis 9: Aufstellen

In dieser Phase geht es um Menschen, nicht um Inhalte. Benennen Sie eine Wahlkampfleitung mit Namen und Mandat, kein Gremium. Bilden Sie ein Kernteam aus fünf bis sieben Personen mit klaren Rollen: Leitung, Kandidatensuche, Material und Druck, Social Media, Termine, Finanzen. Legen Sie das Budget fest und beginnen Sie mit der Kandidatensuche.

Die Liste entsteht jetzt, nicht bei der Aufstellungsversammlung. Definieren Sie zuerst das Anforderungsprofil: Welche Ortsteile müssen vertreten sein, welche Berufsgruppen, welche Altersgruppen. Entscheidend ist, wer im Ort tatsächlich viele Menschen kennt. Bekanntheit im Ort schlägt Bekanntheit in der Partei.

Monate 9 bis 6: Programm und Profil

Aus Ortskenntnis wird ein Programm, das die Menschen wiedererkennen. Wählen Sie drei bis fünf Kernthemen aus, nach drei Kriterien: Betroffenheit, Machbarkeit in einer Wahlperiode und Unterscheidbarkeit von den anderen Listen.

Formulieren Sie zu jedem Thema, was genau geschehen soll, für wen und in welchem Zeitraum. Konkretheit schlägt Vollständigkeit. Zu jedem Ortsteil gehört mindestens ein konkretes Vorhaben, weil Menschen zuerst nachschlagen, was für ihren eigenen Ortsteil vorgesehen ist.

Wie ein Wahlprogramm für die Kommunalwahl im Detail aufgebaut wird, behandeln wir in einem eigenen Beitrag.

Monate 6 bis 3: Material und Auftritt

Jetzt wird sichtbar, was seit zwölf Monaten vorbereitet wurde. Ihre Gliederung braucht ein eigenes Kampagnendesign mit Wort-Bild-Marke, Farbwelt und Vorlagen. Organisieren Sie ein oder zwei zentrale Shootingtage, an denen alle Kandidierenden nacheinander fotografiert werden. Das spart erheblich Geld gegenüber Einzelterminen und ergibt einen einheitlichen Auftritt.

Bei den Werbemitteln gilt: weniger und gut schlägt viel und billig. Der Kandidatenfolder mit allen Personen der Liste ist im Kommunalwahlkampf das wichtigste Printprodukt.

Unterschätzen Sie den Druckvorlauf nicht. Großflächenplakate hängen üblicherweise sechs bis acht Wochen vor der Wahl. Davor liegen mehrere Wochen für Gestaltung, Abstimmung, Korrekturschleifen, Druck und Verteilung, bei Großflächen zusätzlich die Buchung der Standorte. Rechnen Sie ab dem gewünschten Aushängetag mindestens acht Wochen rückwärts, bei Großflächen eher zwölf.

Monate 3 bis 1: In die Fläche gehen

Reichweite entsteht durch Wiederholung an vielen Orten gleichzeitig. Der Haustürwahlkampf ist das wirksamste Instrument und zugleich das unbeliebteste. Nutzen Sie die Zielbezirke aus Ihrer Analyse, planen Sie Touren zu zweit und rechnen Sie mit etwa dreißig Türen in zwei Stunden.

Dazu kommen Infostände an frequenzstarken Standorten, Veranstaltungsformate mit geringem Aufwand und eine Pressearbeit, die Nachrichtenwert erzeugt statt Meinung zu verbreiten.

Die letzten vier Wochen

Mobilisierung schlägt Überzeugung. Wer bis hierher nicht überzeugt ist, wird es nicht mehr. Ein wachsender Teil der Stimmen wird per Brief abgegeben, häufig zwei bis drei Wochen vor dem Wahltag. Das verschiebt Ihre heiße Phase nach vorn: Wer erst in der letzten Woche mobilisiert, erreicht einen erheblichen Teil der Wählerschaft nach deren Entscheidung.

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Das Wahlkampf-Budget realistisch planen

Klären Sie früh, wie viel Geld zur Verfügung steht und woher es kommt: Rücklagen der Gliederung, Mandatsträgerbeiträge, Spenden, Zuschüsse des Kreisverbands.

Ein Kommunalwahlkampf hat drei Pflichtposten: Kandidatenfotos, ein Kampagnendesign und Druckmaterial für Plakate und Flyer. Alles Weitere ist Abwägung. Verteilen Sie das Budget nach Wirkung statt gleichmäßig. Lieber gute Fotos und weniger Plakate als umgekehrt.

Planen Sie außerdem eine Reserve von mindestens zehn Prozent ein. In jedem Wahlkampf kommt etwas dazu, das niemand vorhergesehen hat.

Den Wahlkampf organisieren: Rollen und Zuständigkeiten

Jede Rolle im Kernteam bekommt eine benannte Person und eine Vertretung. Ein Team, in dem alle für alles zuständig sind, ist ein Team, in dem am Ende eine Person alles macht.

Zwei Regeln halten die Organisation zusammen. Erstens entscheidet eine Person über Freigaben, sonst dauert jede Materialfreigabe drei Wochen. Zweitens erfährt der Rat wichtige Dinge vor der Presse, weil kein Ratsmitglied es verzeiht, aus der Zeitung von einem Vorhaben zu lesen.

Rechnen Sie bei der Aktivierung realistisch: Von zwanzig Kandidierenden sind erfahrungsgemäß fünf sehr aktiv, zehn punktuell verfügbar und fünf stehen nur auf dem Stimmzettel. Planen Sie mit dieser Verteilung statt gegen sie.

Die häufigsten Fehler im Kommunalwahlkampf

Zu spät anfangen. Das teuerste Versäumnis, weil es sich nicht durch Geld ausgleichen lässt.

Mit dem Design beginnen, bevor die Liste steht. Ein Kampagnendesign ohne Kenntnis der Kandidierenden passt am Ende zu niemandem.

Ortsteile vergessen. Auffallen wird es am Wahlabend, wenn die Ergebnisse nach Stimmbezirken vorliegen.

Alles auf Plakate setzen. Plakate erzeugen Bekanntheit, Gespräche erzeugen Stimmen.

Kandidierende alleinlassen. Zwei Stunden Schulung verändern die Qualität aller Gespräche.

Nach der Wahl abtauchen. Wer die Kanäle abschaltet und den Themenspeicher verliert, beginnt in fünf Jahren wieder bei null.

Der Kampagnenfahrplan zum Download {#download}

Unser Fahrplan begleitet Sie durch alle fünf Phasen, von der Ausgangsanalyse bis zum Wahlabend. Enthalten sind ein Zwölf-Monats-Zeitstrahl zum Aushängen, Checklisten für jede Phase, eine Vorlage für die Rollenverteilung im Kernteam, ein Budgetraster mit den typischen Posten, ein Zielbezirksraster sowie ein Fristenblatt zum Ausfüllen.

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Wir arbeiten für Ortsverbände, Kreisverbände und freie Wählergemeinschaften über alle demokratischen Parteien hinweg: Strategie, Kampagnendesign, Werbemittel für die gesamte Liste, zentrale Shootingtage, Social Media und Schulungen vor Ort.

Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich. Sie schildern Ihre Ausgangslage, wir sagen Ihnen offen, was in Ihrem Zeitrahmen realistisch ist.

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Simon Mai

Über die Autorin / den Autor

Simon Mai

Simon Mai ist Geschäftsführer der Spezialagentur creategy. Zuvor war er im Bundestag und EU-Parlament tätig. Er hat bereits über 100 Wahlkämpfe begleitet.

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