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- Warum Community Management über Sieg und Niederlage entscheidet
- Der kritische Moment
- Pressearbeit reicht nicht
- Was Community Management heute strategisch bedeutet
- Reichweite ist nur der Anfang
- Rollen, Teamstruktur und Verantwortlichkeiten
- Vier Kernrollen
- Zuständigkeit muss planbar sein
- Moderationsrichtlinien und Netiquette entwickeln
- Pflichtbausteine festlegen
- Konsequenzen staffeln
- Eskalationsprozesse und Rechtsrahmen
- Vier Stufen für den Alltag
- Eine belastbare Matrix
- Engagement messen mit den richtigen KPIs
- Aussagekraft vor Bequemlichkeit
- Ein Dashboard mit Kernwerten
- Vom Reagieren zum Dialog mit Mehrwert
- Vier Hebel für echte Beteiligung
- Community als politischer Seismograf
- Ihr Handlungsplan für die nächsten 30 Tage
- Woche eins ordnet Verantwortung
- Woche zwei schafft Regeln
- Woche drei testet den Ernstfall
- Woche vier wertet aus
Donnerstagabend, 21:30 Uhr. Das Wahlkampfteam sitzt vor dem Dashboard. Ein missverständlicher Beitrag zur Rentenpolitik hat in 90 Minuten 400 negative Kommentare ausgelöst. Drei reichweitenstarke Profile haben den Beitrag zitiert, erste Medienanfragen gehen ein und niemand weiß sicher, wer antworten, moderieren oder die Rechtsprüfung auslösen soll.
Genau in solchen Stunden entscheidet sich, ob eine politische Organisation Vertrauen gewinnt oder verliert. Social Media ist längst ein breiter Kommunikationsraum. 2025 nutzten in Deutschland 59 % der 16- bis 74-Jährigen soziale Netzwerke privat, wie Destatis ausweist. Für Parteien, Verbände und Kommunen geht's deshalb nicht mehr um die Frage, ob sie präsent sind. Entscheidend ist, ob sie Diskussionen professionell steuern.
Warum Community Management über Sieg und Niederlage entscheidet
Der erste Fehler liegt meist vor dem Shitstorm. Ein Team plant den Beitrag, prüft das Bild, stimmt die Formulierung ab und veröffentlicht. Danach beginnt die eigentliche politische Arbeit, doch dafür ist niemand eindeutig zuständig. Kommentare werden nur sporadisch gelesen, kritische Nachfragen bleiben unbeantwortet und sachliche Einwände landen im selben Topf wie persönliche Angriffe.

Der kritische Moment
Ein missverständlicher Satz zur Rente verbreitet sich nicht nur durch den ursprünglichen Beitrag. Andere Profile greifen ihn auf, verkürzen ihn weiter und geben der Debatte eine neue Richtung. Wer erst am nächsten Morgen reagiert, überlässt die Deutungshoheit anderen. Wer dagegen zu schnell und ungeprüft antwortet, kann den Fehler vergrößern.
Community Management entscheidet in diesem Moment über drei Dinge:
- Orientierung: Die Organisation erklärt, was gemeint war und was nicht.
- Grenzen: Das Team trennt berechtigte Kritik von Beleidigungen, Verleumdung oder strafbaren Inhalten.
- Anschlussfähigkeit: Interessierte Bürgerinnen und Bürger sehen, ob ihre Fragen ernst genommen werden.
Empirische Forschung zeigt, dass moderierte Online-Communities eine höhere Teilnahmeneigung auslösen. Interaktive Antworten steigern die Teilnahmeabsicht ebenfalls, besonders wenn Antworten nicht hektisch, sondern überlegt und kontingent erfolgen, wie die Forschung im Journal of Computer-Mediated Communication zeigt. Für politische Kommunikation folgt daraus eine klare Regel: Schnelligkeit und Sorgfalt gehören zusammen.
Praktische Regel: Eine erste sichtbare Reaktion muss nicht jedes Detail klären. Sie muss zeigen, dass das Team den Vorgang erkannt hat, zuständig ist und die nächste Prüfung organisiert.
Pressearbeit reicht nicht
Pressearbeit arbeitet häufig mit vorbereiteten Botschaften und klaren Ausspielwegen. Community Management arbeitet mit Fragen, Gegenargumenten, Missverständnissen und spontanen Dynamiken. Die Pressestelle formuliert die Position. Das Community-Team sorgt dafür, dass diese Position im tatsächlichen Gespräch verständlich, belastbar und respektvoll bleibt.
Wer Community Management nur als Verlängerung der Pressearbeit behandelt, verschenkt strategische Wirkung. Der Beitrag ist dann zwar veröffentlicht, aber die politische Beziehung zu den Menschen wird nicht gepflegt.
Was Community Management heute strategisch bedeutet
Wenn unter einem politischen Beitrag nachts eine kontroverse Diskussion entsteht, entscheidet nicht der Redaktionsplan über die Wirkung. Entscheidend ist, ob Zuständigkeit, Tonalität, Moderation und Eskalation bereits geklärt sind. Social Media Community Management ist die planvolle Steuerung von Dialog, Reputation und Mobilisierung in eigenen Kanälen und angrenzenden Plattformen. Recherche, Monitoring, Antworten, Moderation, Eskalation und Auswertung gehören zusammen. Veröffentlichen bildet nur den Ausgangspunkt.
Ein Redaktionsplan legt fest, was eine Organisation publiziert. Community Management klärt zusätzlich, wie Menschen reagieren, welche Fragen offenbleiben, welche Anliegen wiederkehren und wann daraus ein Rechts- oder Reputationsrisiko entsteht. Pressearbeit vermittelt Positionen über geplante Ausspielwege. Community Management macht diese Positionen im konkreten Gespräch verständlich, überprüft ihre Anschlussfähigkeit und gibt Hinweise zurück in Organisation und Kampagne.
Die strategische Einordnung von Social Media in der Politik unterstützt dabei, Community Management klar vom Kampagnenhandwerk zu trennen. Parteien, Verbände und Kommunen brauchen deshalb eine organisierte Antwortfähigkeit, nicht nur veröffentlichte Inhalte.
| Dimension | Community Management | Social-Media-Posten | Pressearbeit | Krisenreaktion |
|---|---|---|---|---|
| Hauptzweck | Dialog, Vertrauen und Beteiligung steuern | Inhalte veröffentlichen | Positionen und Nachrichten verbreiten | Schaden begrenzen und Orientierung geben |
| Arbeitsweise | Beobachten, antworten, moderieren, auswerten | Planen und publizieren | Themen setzen und Medien bedienen | Bewerten, freigeben, eskalieren |
| Zeithorizont | Laufend | Nach Redaktionsplan | Anlassbezogen und planbar | Akut und ereignisgetrieben |
| Erfolgssignal | Gesprächsqualität und Anschlussfähigkeit | Sichtbarkeit und Ausspielung | Medienresonanz | Stabilisierung der Lage |
Reichweite ist nur der Anfang
Soziale Netzwerke erreichen in Deutschland ein breites, altersübergreifendes Publikum. Zugleich entwickelt sich ihre Nutzung je nach Altersgruppe und Plattform unterschiedlich, wie Destatis mit Verweis auf die aktuelle deutsche Nutzungsdebatte beschreibt. Organisationen sollten deshalb nicht überall dieselbe Kommunikation ausspielen.
Ein kommunales Facebook-Profil braucht häufig konkrete Auskünfte und lokale Einordnung. Instagram verlangt verständliche, nahe Ansprache. Auf TikTok muss eine politische Aussage auch in kurzer Form anschlussfähig bleiben. Kanalregeln gehören daher in die Community-Strategie.
Community Management kann Beteiligung, Spenden, Newsletter-Anmeldungen oder Mitgliedergewinnung unterstützen. Dafür braucht jede Diskussion einen klaren Übergang zur Handlung, etwa eine verständliche Antwort mit weiterführender Information oder eine Einladung zu einer Veranstaltung.
Rollen, Teamstruktur und Verantwortlichkeiten
Ein belastbares Team verbindet Redaktion, Moderation, Datenanalyse und Community-Aufbau. Diese Funktionen können in kleinen Organisationen bei einer Person liegen. Die Verantwortung darf trotzdem nicht unklar bleiben.
Vier Kernrollen
Der Community Manager ist die Stimme im täglichen Dialog. Er oder sie beantwortet Fragen, erkennt wiederkehrende Anliegen und gibt Rückmeldungen an Redaktion und Kampagnenleitung. Der Moderator prüft Kommentare, setzt die Netiquette durch und entscheidet, ob ein Beitrag sichtbar bleibt, verborgen oder eskaliert wird.
Der Analyst beobachtet Stimmung, Reichweite, Interaktionsmuster und wiederkehrende Themen. Er liefert keine dekorativen Monatsberichte, sondern Hinweise für Entscheidungen. Der Eskalationskoordinator übernimmt Fälle mit rechtlichem, persönlichem oder reputativem Risiko und führt die Abstimmung mit Rechts-, Presse- und Leitungsteams.
| Organisation | Sinnvolle Grundstruktur | Kritische Schnittstelle |
|---|---|---|
| Partei mit Bundes- und Landesgeschäftsstelle | Kleine Stabsstelle mit klarer regionaler Zuständigkeit | Bundeskommunikation, Landesverbände und Rechtsprüfung |
| Verband | Thematisch fokussierte Person mit Stellvertretung | Fachreferate und Vorstand |
| Kommune | Querfunktion aus Hauptamt und Verwaltung | Bürgermeisterbüro, Pressestelle und Datenschutz |
| Direktkandidatur | Eine verantwortliche Person plus Volunteers | Kandidatin oder Kandidat und Wahlkampfleitung |

Zuständigkeit muss planbar sein
Legen Sie für jede Rolle eine Vertretung fest. Definieren Sie außerdem, wer außerhalb der Bürozeiten erreichbar ist, welche Fälle sofort weitergegeben werden und wer eine juristische Bewertung anfordern darf. Eine Person sollte nie gleichzeitig allein moderieren, rechtliche Risiken beurteilen und die politische Sprachregelung freigeben.
Die BVCM-Studie 2023 ist eine zentrale deutschsprachige Referenz für Aufgaben und Arbeitsbedingungen von Social-Media- und Community-Professionals. Die frühere D-A-CH-Erhebung beruhte auf der Befragung von 256 Professionals aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie der BVCM dokumentiert.
Moderationsrichtlinien und Netiquette entwickeln
Eine Netiquette ist kein höflicher Absatz am Ende des Impressums. Sie ist ein Arbeitsinstrument, das in angespannten Situationen Entscheidungen ermöglicht. Für politische Profile muss sie öffentlich zugänglich, verständlich und auf konkrete Fälle anwendbar sein.
Pflichtbausteine festlegen
Beginnen Sie mit dem Begrüßungston. Schreiben Sie fest, ob das Profil sachlich, nahbar, knapp oder ausführlich antwortet. Danach folgt der Themenfokus. Die Community muss erkennen, welche Beiträge zur Diskussion gehören und wo andere Anliegen besser aufgehoben sind.
Definieren Sie anschließend den Umgang mit Fakten. Sachliche Kritik bleibt zulässig, auch wenn sie der politischen Position widerspricht. Aussagen ohne Beleg können Sie zur Einordnung auffordern. Beleidigungen, Volksverhetzung, persönliche Angriffe auf Kandidatinnen und Kandidaten, Verleumdungen und gezielte Desinformation brauchen dagegen klare Regeln.
Die Destatis-Netiquette für Social Media nennt als Ziel einen sachlichen Debattenraum, in dem konträre Meinungen diskriminierungsfrei und unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte ausgetauscht werden können. Diese Leitlinie passt für politische Kommunikation: Moderation schützt den Debattenraum, sie schützt keine Partei vor Widerspruch.
Konsequenzen staffeln
Veröffentlichen Sie nicht nur Verbote, sondern auch Folgen. Ein abgestuftes Modell kann so aussehen:
- Verwarnung: Bei einem ersten Grenzfall erklären Sie knapp die Regel.
- Verbergen: Bei destruktiven Kommentaren schützen Sie die Diskussion, ohne unnötig zu dramatisieren.
- Löschen: Bei klaren Regelverstößen entfernen Sie den Beitrag und dokumentieren den Grund.
- Sperren: Wiederholte oder schwere Verstöße führen zur Einschränkung der weiteren Teilnahme.
- Melden: Bei strafrechtlich relevanten Inhalten prüft das zuständige Team eine Meldung.
Der Bundesrechnungshof empfiehlt für interaktive Social-Media-Präsenzen von Bundesbehörden eine veröffentlichte Netiquette. Sie soll mindestens Nutzungsrechte, Verbotsregeln, Folgen bei Verstößen und einen Disclaimer enthalten. Übertragen Sie diese Logik auf Parteien, Verbände und Kommunen. Ergänzen Sie Zuständigkeiten, Antwortzeiten, Standardantworten und eine kurze Checkliste für die Moderation.
Eskalationsprozesse und Rechtsrahmen
Eskalation beginnt nicht erst beim großen Shitstorm. Sie beginnt bei der ersten Markierung eines Kommentars. Das Team braucht einen Prozess, der Risiko, Zuständigkeit und Zeitfenster miteinander verbindet.
Vier Stufen für den Alltag
Stufe eins erfasst den Vorgang. Das Monitoring-Tool speichert Kommentar, Profil, Zeitpunkt, Plattform und Kategorie. Das Team unterscheidet beispielsweise zwischen sachlicher Kritik, Spam, persönlichem Angriff und möglichem Straftatbestand.
Stufe zwei prüft und reagiert. Der Community Manager antwortet innerhalb von zwei Stunden mit einer sachlichen Einordnung, einer Rückfrage oder einer Verwarnung. Bei Unsicherheit wird nicht improvisiert, sondern der Fall an die definierte Schnittstelle weitergegeben.
Stufe drei bringt die juristische Fachkraft hinzu. Das gilt, wenn ein Inhalt strafrechtlich relevant erscheinen kann, Persönlichkeitsrechte berührt oder eine Meldung an die Plattform erforderlich macht.
Stufe vier dokumentiert die Entscheidung. Meldung, Löschung oder Sperrung werden mit Begründung, Freigabe und Zeitpunkt festgehalten. Für Bereitschaftsdienste muss der Ablauf auch außerhalb der Bürozeiten funktionieren.
Für Deutschland ist die Reaktionslogik im Community Management durch das NetzDG geprägt. Plattformen müssen offensichtlich rechtswidrige Inhalte innerhalb von 24 Stunden entfernen oder sperren. Außerdem müssen sie einen inländischen Ansprechpartner benennen, der Auskunftsersuchen von Strafverfolgungsbehörden innerhalb von 48 Stunden beantwortet, wie die Analyse zum deutschen NetzDG beschreibt.
Entscheidend ist die Trennung: First Response, Moderation und Rechtsprüfung sind unterschiedliche Arbeitsschritte. Wer sie vermischt, reagiert entweder zu langsam oder zu riskant.
Eine belastbare Matrix
| Risiko | Erste Zuständigkeit | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Sachliche Kritik | Community Manager | Antworten und dokumentieren |
| Regelverstoß ohne erkennbare Strafbarkeit | Moderator | Verwarnen, verbergen oder löschen |
| Möglicherweise strafbarer Inhalt | Eskalationskoordinator | Juristische Prüfung |
| Breite öffentliche Dynamik | Kommunikationsleitung | Sprachregelung und Krisenprozess |
Das NetzDG und die Krisenkommunikation in sozialen Medien dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Ergänzend prüfen Sie Medienstaatsvertrag, Persönlichkeitsrecht und wahlrechtliche Anforderungen. Eine veröffentlichte Eskalationsmatrix macht aus rechtlichen Pflichten einen operativen Bereitschaftsplan.
Engagement messen mit den richtigen KPIs
Politische Profile brauchen weniger Kennzahlen, dafür bessere. Reichweite und Impressionen zeigen Aufmerksamkeit, sagen aber wenig darüber aus, ob Menschen die Position verstanden haben oder sich an einer Diskussion beteiligen. Algorithmen können Sichtbarkeit erhöhen, ohne dass daraus ein tragfähiger Dialog entsteht.
Aussagekraft vor Bequemlichkeit
| KPI | Aussagekraft | Messaufwand | Typischer Fallstrick |
|---|---|---|---|
| Reichweite und Impressionen | Sichtbarkeit eines Beitrags | Niedrig | Algorithmische Verzerrung |
| Interaktionsrate | Reaktion im Verhältnis zur Sichtbarkeit | Mittel | Viele oberflächliche Interaktionen |
| Kommentarqualität | Inhaltliche Resonanz und Fragen | Hoch | Manuelle Bewertung erforderlich |
| Gespeicherte und geteilte Beiträge | Wahrgenommener Nutzwert | Mittel | Motiv der Weitergabe bleibt unklar |
| Sentiment | Tonalität der Diskussion | Mittel bis hoch | Ironie und politische Mehrdeutigkeit |
| Follower-Wachstum | Aufbau der sichtbaren Community | Niedrig | Bots und kurzfristige Kampagnenkonten |
| Spenden, Newsletter und RSVPs | Verbindung zum Kampagnenziel | Mittel | Attribution über mehrere Kanäle |
| Reply-Rate und Diskussionstiefe | Qualität des Dialogs | Hoch | Hoher Auswertungsaufwand |
Sentiment-Analyse kann Trends sichtbar machen, ersetzt aber keine menschliche Prüfung. Gerade politische Sprache arbeitet mit Ironie, Zuspitzung und Kontext. Ein automatisches System erkennt nicht zuverlässig, ob ein Kommentar eine Partei kritisiert, zitiert oder sich über eine gegnerische Aussage lustig macht.
Ein Dashboard mit Kernwerten
Richten Sie ein monatliches Dashboard mit drei Kernwerten ein: qualifizierte Kommentarresonanz, Dialogqualität und eine conversion-nahe Handlung. Ergänzende Detailberichte liefern Reichweite, Plattformvergleich, häufige Themen und auffällige Profile. So bleibt die Leitung entscheidungsfähig, ohne sich in Einzelzahlen zu verlieren.
Vermeiden Sie Vanity Metrics. Eine hohe Zahl an Kommentaren kann durch Trolling, Reply-Bait oder einen einzigen Konflikt entstehen. Dark Posts erschweren zusätzlich die öffentliche Einordnung, weil relevante Inhalte nur einem begrenzten Publikum ausgespielt werden.
Für die Verbindung zwischen Interaktion und politischem Ziel ist ein sauberes Conversion-Tracking im Wahlkampf sinnvoll. Entscheidend bleibt die Frage: Welche Reaktion hilft der Kampagne weiter?
Vom Reagieren zum Dialog mit Mehrwert
Community Management entscheidet mit, ob eine Organisation nur Kritik abarbeitet oder politische Gespräche prägt. Parteien, Verbände und Kommunen sollten deshalb Themen früh aufnehmen, lokale Erfahrungen sichtbar machen und wiederkehrende Formate anbieten. So wird aus einzelnen Antworten ein strategischer Dialog.
Vier Hebel für echte Beteiligung
Stellen Sie offene Fragen, die politische Erfahrungen abfragen, statt bloß Zustimmung zu sammeln. Greifen Sie Hinweise aus Kommentaren später in Beiträgen auf. Ordnen Sie einen Beschluss, eine Verkehrssituation oder eine Vereinsfrage konkret ein. Eine Themenstunde oder ein AMA eignet sich, wenn Fachwissen und Betreuung gesichert sind.
Sichtbare Moderation erhöht die Bereitschaft zur Teilnahme. Antworten wirken besonders glaubwürdig, wenn sie den konkreten Beitrag aufgreifen und nicht wie automatische Sofortreaktionen formuliert sind, wie die empirische Untersuchung zur Teilnahme in Online-Communities zeigt. Diese Erkenntnis sollte in die Antwortpraxis einfließen.
Erstellen Sie für häufige Themen Dialogskripte mit offenen Anschlussfragen. Sie geben dem Team Orientierung, dürfen aber keine starre Antwortmaschine werden. Ziel ist der Wechsel vom allgemeinen Statement zur konkreten Nachfrage.
Community als politischer Seismograf
Kommentare weisen auf Unverständnis, Sorgen und lokale Konflikte hin. Binden Sie geeignete Beiträge nur mit Zustimmung ein. Aktivieren Sie Botschafterprofile aus Kreisverbänden, Ortsvereinen oder Arbeitsgemeinschaften. Eine künstliche Kommentarkulisse beschädigt dagegen die Glaubwürdigkeit.
Gekaufte Interaktionen lösen kein Beteiligungsproblem. Wer sich mit dem Angebot Kommentare kaufen auseinandersetzt, erkennt schnell den Unterschied zwischen sichtbarer Aktivität und echtem Austausch. Für politische Kommunikation gilt: Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Antworten, nicht durch simulierte Zustimmung.
Ein geordneter Instagram-Kanal für politische Themen braucht deshalb mehr als regelmäßige Gestaltung. Zuständige Personen müssen zuhören, einordnen, widersprechen und Hinweise in politische Arbeit übersetzen. Precis vermerkte Fragen und lokale Konflikte liefern dafür Ansatzpunkte.
Ihr Handlungsplan für die nächsten 30 Tage
Ein gutes Konzept scheitert selten an fehlenden Ideen. Es scheitert daran, dass niemand die Einführung verantwortet. Arbeiten Sie deshalb mit einem festen Monatsplan, klaren Ergebnissen und einer Person, die Fortschritt einfordert.
Woche eins ordnet Verantwortung
Benennen Sie Community Manager, Moderator, Analyst und Eskalationskoordinator. Die Wahlkampfleitung legt fest, wer außerhalb der Bürozeiten erreichbar ist. Die Rechts- oder Verwaltungsstelle prüft, wer Fälle mit möglichem Rechtsrisiko bewertet.
Erfolgskriterium: Jede Plattform und jede Risikokategorie hat eine zuständige Person und eine Vertretung.
Skizzieren Sie außerdem den Eskalationspfad vom Monitoring bis zur dokumentierten Entscheidung. Legen Sie fest, welche Informationen ein Fall enthalten muss. Ohne diese Mindestdaten verliert das Team später Zeit mit Rückfragen.
Woche zwei schafft Regeln
Entwerfen Sie die Netiquette, stimmen Sie sie politisch und rechtlich ab und veröffentlichen Sie sie gut auffindbar. Definieren Sie Antwortzeiten für normale Fragen, kritische Beiträge und mögliche Rechtsfälle. Erstellen Sie Vorlagen für Begrüßung, Rückfragen, Faktenprüfung, Verwarnung und Weiterleitung.
Setzen Sie das KPI-Dashboard auf. Beginnen Sie mit drei Kernwerten, die direkt zu den Kampagnenzielen passen, und ergänzen Sie Detailwerte nur dort, wo sie Entscheidungen ermöglichen.
Erfolgskriterium: Das Team kann einen typischen Kommentar ohne Rückfrage kategorisieren und bearbeiten.
Woche drei testet den Ernstfall
Führen Sie eine Krisensimulation mit einem Troll-Szenario und einem koordinierten Shitstorm-Szenario durch. Prüfen Sie, ob Benachrichtigungen ankommen, Freigaben funktionieren und die juristische Ansprechperson erreichbar ist. Lassen Sie anschließend das Team erklären, warum ein Kommentar verborgen, gelöscht oder stehen gelassen wurde.
Veröffentlichen Sie die Netiquette und informieren Sie Botschafterinnen und Botschafter aus Kreisverbänden, Ortsvereinen oder Partnerorganisationen über ihre Rolle. Sie sollen keine vorgefertigte Zustimmung verbreiten, sondern fachlich und eigenständig beitragen.
Erfolgskriterium: Jede beteiligte Person kennt den nächsten Schritt und kann ihn im Prozess dokumentieren.
Woche vier wertet aus
Prüfen Sie Daten, Antwortqualität und wiederkehrende Fragen. Dokumentieren Sie, welche Themen zusätzliche Inhalte brauchen und an welchen Stellen das Team zu langsam oder zu vorsichtig war. Bewerten Sie anschließend Tooling, Bereitschaftsmodell und Personalbudget.
Ein Videokurs für Social Media für Politikerinnen und Politiker kann Teams dabei unterstützen, Grundlagen zu vereinheitlichen. Für größere Strukturen reicht Schulung allein nicht aus. Dort brauchen Sie klare Rollen, verlässliche Vertretung und eine Leitung, die Community Management als laufende politische Aufgabe behandelt.
Nach Wahl- oder Parteitagen skalieren Sie nicht blind. Sichern Sie zunächst Monitoring, Moderation und Rechtsprüfung. Reduzieren Sie Formate, die viel Aufmerksamkeit binden und wenig Dialog erzeugen. Behalten Sie dagegen Themen, bei denen Menschen konkrete Fragen stellen und die Organisation sichtbar Orientierung gibt.
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