Zum Inhalt springen
Blog 13 Min. Lesezeit22. August 2026

Wahlkampf Kosten: Budgetplanung

Wahlkampf Kosten im Überblick: Von Bürgermeisterwahlen bis Direktkandidaturen. Budgetbeispiele, Finanzierungsquellen und Kalkulationshilfen für Ihre Kampagne.

Simon Mai

Von

Simon Mai

Wahlkampf Kosten: Budgetplanung
Inhalt anzeigen

Sie sitzen abends am Küchentisch, vor Ihnen liegen Angebote für Flyer, Plakate, eine Website und vielleicht ein professionelles Kampagnenfoto. Die Partei hat Unterstützung zugesagt, aber niemand nennt eine klare Summe. Gleichzeitig fragen Sie sich, wie viel Eigenkapital vertretbar ist und welche Ausgaben bis zum Wahltag tatsächlich anfallen.

Genau an diesem Punkt entstehen die teuersten Fehler. Kandidatinnen und Kandidaten rechnen mit einzelnen Rechnungen, statt einen vollständigen Finanzierungsplan aufzustellen. Wahlkampfkosten bestehen aber aus weit mehr als Drucksachen. Entscheidend ist, welche Zielgruppen Sie erreichen müssen, wie lange die Kampagne läuft, welche Infrastruktur bereits vorhanden ist und wie viel Arbeit das Team selbst übernehmen kann.

Eine belastbare Planung beginnt deshalb mit einer nüchternen Einordnung. Kommunale Kandidaturen und Direktwahlkämpfe erhalten keine automatische Erstattung ihres tatsächlichen Kampagnenaufwands. Wer nur auf staatliche Parteienfinanzierung oder einen möglichen Parteizuschuss vertraut, plant strukturell zu knapp.

Die Ausgangslage vor der Budgetplanung

Eine Kandidatin für das Bürgermeisteramt kommt häufig mit einer einfachen Vorstellung in die erste Budgetrunde: ein neues Porträt, einige Flyer, Plakate im Ort und Anzeigen in sozialen Netzwerken. Sobald das Team die Positionen aufschreibt, tauchen weitere Fragen auf. Wer koordiniert Pressearbeit und Termine? Wer pflegt die Website? Wer organisiert Infostände, Genehmigungen, Transport und Nachdrucke?

Die Unsicherheit ist verständlich. Die meisten Kandidatinnen und Kandidaten haben noch keinen Wahlkampf finanziert. Sie kennen ihre persönliche Belastungsgrenze, aber nicht den realistischen Gesamtbedarf. Die Partei spricht vielleicht von Unterstützung, meint damit aber Personal, Räume oder Sachleistungen, während die Kandidatin von einem direkten Geldbetrag ausgeht.

Praktische Regel: Planen Sie zuerst den notwendigen Wahlkampf, danach die Finanzierung. Wer die Summe an vorhandene Zusagen anpasst, streicht meist genau die Leistungen, die den Wahlkampf sichtbar und steuerbar machen.

Bei Direktkandidaturen gibt es immerhin einen wissenschaftlich dokumentierten Orientierungswert. Eine Arbeit zu Wahlkampf und Wahlkampffinanzierung nennt knapp 35.000 Euro durchschnittliche Kosten für Direktkandidaturen. Zugleich wird dort berichtet, dass nur etwa ein Drittel dieser Summe von der Partei getragen wird. Die übrige Mobilisierung erfolgt demnach über Eigenmittel, Drittmittel und Sachleistungen. Diese Größenordnung ist kein verbindlicher Preis für jeden Wahlkreis, sie zeigt aber, dass eine ernsthafte Direktkandidatur selten mit einem kleinen Druckbudget erledigt ist. Die wissenschaftliche Arbeit zu Wahlkampf und Wahlkampffinanzierung liefert dafür einen wichtigen Referenzpunkt.

Für die konkrete Vorbereitung sollten Sie den Ablauf rückwärts vom Wahltag planen. Ein realistischer Wahlkampfzeitplan für die zwölf Wochen vor der Wahl hilft, Kosten zeitlich zuzuordnen und Engpässe früh zu erkennen. Entscheidend ist nicht nur, was eine Leistung kostet, sondern wann sie beauftragt, bezahlt und eingesetzt werden muss.

Kostenarten im Wahlkampf verstehen

Ein vollständiges Budget trennt die Ausgaben nach ihrer Funktion. Dadurch sehen Sie, welche Kosten unvermeidbar sind, welche Leistungen strategisch wirken und wo Eigenleistung sinnvoll bleibt. Die wichtigsten Blöcke sind Personal, Material, Digital, Veranstaltungen sowie Logistik und Verwaltung.

Eine Infografik zeigt die drei Hauptkategorien für Wahlkampfkosten: Personalkosten, Materialkosten und Digitalkosten für einen Wahlkampf.

Personal entscheidet über die Steuerung

Kampagnenmanagement wird oft unterschätzt, weil es auf keiner sichtbaren Fläche erscheint. Eine verantwortliche Person hält Botschaften, Termine, Medienkontakte, Freiwillige und Dienstleister zusammen. Agenturleistungen können Strategie, Positionierung, Gestaltung, Text, Pressearbeit, digitale Kampagnenführung oder die Produktion von Inhalten umfassen.

Wer diese Aufgaben vollständig ehrenamtlich verteilt, spart zunächst Geld, erhöht aber das Risiko widersprüchlicher Botschaften und verspäteter Entscheidungen. Bei einer professionellen Planung sollten Sie deshalb zwischen strategischer Leitung, operativer Koordination und einzelnen Produktionsleistungen unterscheiden. Nicht jede Kampagne braucht ein dauerhaftes Agenturteam, aber jede Kampagne braucht klare Verantwortung.

Material ist sichtbar, aber nicht automatisch wirksam

Flyer, Plakate, Postkarten, Aufkleber und Give-aways bilden den klassischen Sachkostenblock. Die Rechnung endet nicht beim Druck. Gestaltung, Korrekturschleifen, Versand, Verteilung, Lagerung und mögliche Nachdrucke gehören in dieselbe Kalkulation.

Besonders bei Flyern lohnt eine saubere Entscheidung über Format, Inhalt und Verteilweg. Ein Leitfaden zum Wahlkampf-Flyer zeigt, warum Gestaltung und Botschaft gemeinsam geplant werden müssen. Ein schlecht verteilter Flyer bleibt trotz guter Gestaltung wirkungslos, während ein klarer, lokal relevanter Inhalt auch mit begrenzten Mitteln gezielt eingesetzt werden kann.

Digitale Ausgaben brauchen ein Ziel

Zur digitalen Infrastruktur gehören Website, Domain, technische Betreuung, Foto- und Videoproduktion, Social-Media-Redaktion sowie Online-Werbung. Der häufigste Fehler ist ein pauschales Budget für Anzeigen ohne Zielgruppendefinition, Botschaft und Auswertung.

Digitale Mittel sollten eine konkrete Aufgabe erfüllen. Sie können Bekanntheit aufbauen, Veranstaltungen bewerben, Positionen erklären oder Unterstützerinnen und Unterstützer zur Mitarbeit bewegen. Ohne Landingpages, klare Handlungsaufforderungen und laufende Kontrolle wird aus Online-Werbung schnell ein schwer messbarer Kostenblock.

Veranstaltungen und Logistik schließen die Lücke zwischen Planung und Umsetzung. Infostände benötigen Material, Transport und oft Helferkoordination. Bürgerversammlungen verursachen Ausgaben für Räume, Technik, Einladungen und Dokumentation. Porto, Lagerung, Fahrtkosten, Versicherungen und Verwaltungsaufwand werden ebenfalls gern vergessen.

Die Größenordnung politischer Kampagnen lässt sich am Bundeswahlkampf ablesen. Bei der Bundestagswahl 2017 gab die SPD rund 24 Millionen Euro, die CDU etwa 20 Millionen Euro und die CSU rund 9,5 Millionen Euro aus. FDP, Grüne, Linke und AfD lagen jeweils ungefähr zwischen 3 und 6,5 Millionen Euro, wie die Bundeszentrale für politische Bildung zu Wahlkampfkosten darstellt. Lokale Kampagnen sind damit nicht direkt vergleichbar, aber der Befund ist eindeutig: Wahlkämpfe bestehen aus vielen miteinander verbundenen Kostenarten und wachsen schnell über einzelne Druckaufträge hinaus.

Budgetvergleich nach Wahlkampfart

Eine Bürgermeisterwahl in einer kleinen Gemeinde braucht eine andere Finanzlogik als eine Oberbürgermeisterwahl in einer Grossstadt. Auch eine Direktkandidatur für den Landtag oder Bundestag lässt sich nicht mit einer Parteikampagne auf Kreis- oder Landesebene gleichsetzen. Reichweite, Medienumfeld, Zahl der relevanten Teilgebiete und Organisationsgrad bestimmen die Ausgaben stärker als ein pauschaler Preis pro Kandidat.

Die folgende Tabelle bietet eine qualitative Orientierung. Für kommunale Wahlkämpfe gibt es keine einheitlichen, amtlich festgelegten Budgetrahmen. Die Beträge in der Tabelle sind deshalb keine amtlichen Durchschnittswerte, sondern Planungsgrössen, die Sie anhand von Gemeinde, Konkurrenz, Laufzeit und vorhandenen Ressourcen konkretisieren müssen.

WahlkampfartTypisches BudgetHauptkostenblockParteianteil
Bürgermeisterwahl in kleiner GemeindeNiedrig bis mittelDrucksachen, persönliche Präsenz, VeranstaltungenHäufig begrenzt oder überwiegend Sachleistungen
Bürgermeisterwahl in MittelstadtMittelKampagnensteuerung, Sichtbarkeit, Veranstaltungen und DigitalAbhängig von Partei und lokaler Organisation
Oberbürgermeisterwahl in GrossstadtHochPersonal, Medienproduktion, Digital und lokale ReichweiteOft geteilt, aber nicht automatisch ausreichend
Direktkandidatur für Landtag oder BundestagMittel bis hochOrganisation im Wahlkreis, Material und persönliche KommunikationHäufig nur Teilfinanzierung
Parteikampagne auf Kreis- oder LandesebeneHoch bis sehr hochKoordination, Medien, Personal und flächige AusspielungParteibudget, Spenden und öffentliche Finanzierung

Bei einer kleinen Bürgermeisterwahl kann persönliche Präsenz einen grösseren Anteil der Wirkung erzeugen als eine breite Plakatierung. Das senkt den Bedarf an bestimmten Sachkosten, beseitigt aber nicht den Aufwand für Planung, Termine, Inhalte und Verteilung. Eine Kandidatin, die alles selbst erledigt, zahlt häufig mit Zeit und verliert die Möglichkeit, strategisch zu führen.

In einer Mittelstadt verschieben sich die Schwerpunkte. Mehr Ortsteile, mehr Medienkontakte und ein dichterer Terminplan verlangen eine belastbare Koordination. Sie sollten nicht nur eine Hauptproduktion kalkulieren, sondern auch Aktualisierungen und Nachdrucke berücksichtigen. Bei einer Oberbürgermeisterwahl in einer Grossstadt kommen stärker segmentierte Zielgruppen, umfangreichere Digitalarbeit und professionellere Medienproduktion hinzu.

Für Direktkandidaturen ist die dokumentierte Orientierung von knapp 35.000 Euro durchschnittlichen Kosten besonders relevant. Zugleich wird nur etwa ein Drittel als Parteiträgerschaft beschrieben. Das zeigt, warum Kandidatinnen und Kandidaten früh klären müssen, welche Sachleistungen, Räume, Helferstunden und direkten Zahlungen tatsächlich zugesagt sind. Eine vertiefte Einordnung der Rolle und Vorbereitung einer Bundestagswahl als Direktkandidat hilft, die persönliche Verantwortung im Wahlkreis realistisch zu bewerten.

Die klare Empfehlung lautet: Schreiben Sie für jede Wahlkampfart ein Mindestbudget, ein arbeitsfähiges Zielbudget und ein erweitertes Budget. Entscheiden Sie erst danach, welche Aktivitäten entfallen können. Kürzen Sie nicht blind an der Steuerung, denn unkoordinierte Kommunikation produziert Folgekosten.

Finanzierungsquellen und staatliche Erstattungen

Planen Sie die Finanzierung in fünf getrennten Kategorien: Eigenmittel, Parteizuschüsse, Spenden, Sponsoring und staatliche Erstattungen. Jede Quelle folgt eigenen Regeln für Zusage, Freigabe und Dokumentation. Diese Trennung zeigt früh, welche Mittel tatsächlich für den Wahlkampf verfügbar sind und wo die Budgetlücke bleibt.

Infografik über verschiedene Finanzierungsquellen und staatliche Erstattungen für Wahlkämpfe mit fünf nummerierten Schritten im Kreis angeordnet.

Eigenmittel und Parteizuschüsse klären

Eigenmittel schaffen Planungssicherheit, dürfen aber nicht unkontrolliert wachsen. Legen Sie eine persönliche Obergrenze fest und führen Sie diesen Betrag als festen Finanzierungsbaustein. So verhindern Sie, dass kurzfristige Rechnungen private Fehlentscheidungen auslösen.

Parteizuschüsse bestehen aus Geld oder Sachleistungen, etwa Personal, Räumen, Fahrzeugen und vorhandenen Kommunikationsmitteln. Lassen Sie jede Zusage schriftlich bestätigen und bewerten Sie Sachleistungen mit ihrem realistischen Gegenwert. Ein kostenloser Raum senkt die Kosten, schafft aber kein zusätzliches Budget für Druck oder digitale Werbung.

Spenden und Sponsoring sauber trennen

Spenden von privaten Unterstützerinnen und Unterstützern müssen nach den geltenden Regeln dokumentiert werden. Sponsoring beruht auf einer vereinbarten Gegenleistung oder einem geschäftlichen Bezug. Richten Sie für beide Modelle eine Prüfung und Freigabe ein, bevor Sie Geld, Leistungen oder öffentliche Zusagen annehmen.

Die staatliche Parteienfinanzierung stärkt die Partei, ersetzt jedoch kein lokales Kampagnenbudget. Nach § 18 Parteiengesetz erhalten Parteien derzeit 0,83 Euro je gültiger Stimme sowie 0,45 Euro je Euro anrechenbarer Zuwendungen. Für die ersten vier Millionen gültigen Stimmen gilt 1 Euro je Stimme, wie das Bundesministerium des Innern zur Parteienfinanzierung erläutert. Eine einzelne Bürgermeisterkandidatin kann daraus keinen automatischen Anspruch ableiten.

Für 2026 liegt die staatliche Obergrenze des Gesamtvolumens bei 232.370.659 Euro. Die Förderbeträge wurden für dieses Jahr auf 1,24 Euro für die ersten vier Millionen Wählerstimmen und 1,02 Euro für weitere Wählerstimmen angehoben. Diese Angaben veröffentlicht der Deutsche Bundestag zur Parteienfinanzierung 2026. Für kommunale und unabhängige Direktkandidaturen schließen sie die Finanzierungslücke nicht.

Erstattung richtig einordnen

Der Bund erstattet nach dem Bundeswahlrecht vor allem Organisationskosten von Ländern und Gemeinden. Individuelle Kampagnenbudgets kommunaler Kandidatinnen und Kandidaten werden dadurch nicht pauschal ausgeglichen. Für lokale Wahlkämpfe fehlt daher eine einheitliche Erstattung des tatsächlichen Aufwandes. Für Bürgermeisterkandidaturen liefert dieser Leitfaden zu den Kosten eines Bürgermeisterwahlkampfs zusätzliche Orientierung. Die Wahlkostenerstattung der Bundeswahlleiterin grenzt die Zuständigkeiten ab.

Bei Bundestags- und Europawahlen können Direktkandidatinnen und Direktkandidaten eine Erstattung beantragen, wenn sie mindestens 10 Prozent der gültigen Erststimmen erreichen. Der in der Bundestagsarchivdarstellung genannte Betrag liegt bei 2,80 Euro je gültiger Erststimme. Der Antrag musste innerhalb von zwei Monaten nach der Konstituierung des Bundestages gestellt werden. Die Archivdarstellung zur Wahlkampfkostenerstattung macht klar, dass Schwellen und Fristen bereits in der Finanzplanung berücksichtigt werden müssen.

Budgetkalkulation Schritt für Schritt

Eine gute Kalkulation beginnt nicht mit einem Angebot, sondern mit einer Entscheidung: Welche Wahl führen Sie, in welchem Gebiet, mit welcher Botschaft und mit welchem personellen Einsatz? Erst danach können Sie Mengen, Produktionsaufwand und Verteilung sinnvoll bestimmen.

Eine Infografik mit vier Schritten zur Budgetkalkulation für einen Wahlkampf, von der Bestimmung der Wahl bis zur Prüfung.

Das Kalkulationsschema aufbauen

Arbeiten Sie mit einer Tabelle, in der jede Position vier Angaben erhält: Zweck, Menge, Einzelpreis und Zahlungszeitpunkt. Ergänzen Sie eine Spalte für Finanzierung und eine weitere für den Status. Dadurch sehen Sie sofort, welche Rechnung beauftragt, zugesagt, bezahlt oder noch offen ist.

Für eine Bürgermeisterwahl in einer Mittelstadt könnte das Schema so beginnen:

  1. Wahlkampf festlegen: Gemeinde, Wahltermin, erwartete Laufzeit, relevante Ortsteile und Wettbewerber eintragen.
  2. Kernleistungen definieren: Strategie, Kampagnenleitung, Gestaltung, Fotografie, Website, Pressearbeit und digitale Betreuung getrennt aufführen.
  3. Material planen: Flyer, Plakate, Postkarten, Veranstaltungsunterlagen und Give-aways nach Einsatzort und Verteilweg erfassen.
  4. Aktivierung kalkulieren: Infostände, Bürgerversammlungen, Hausbesuche, Helferkommunikation und Transport berücksichtigen.
  5. Finanzierung zuordnen: Eigenmittel, Partei, Spenden, Sponsoring und Sachleistungen jeweils separat dokumentieren.
  6. Reserve bilden: Einen sachlich begründeten Puffer für Änderungen, zusätzliche Termine oder Nachdrucke vorsehen.

Die häufigsten Lücken liegen nicht bei den grossen Positionen, sondern bei vielen kleinen Rechnungen. Porto, Lagerkosten, Fahrtkosten, kurzfristige Anzeigen, technische Korrekturen, zusätzliche Fototermine und Nachdrucke summieren sich. Auch die Zeit der Person, die täglich Freigaben erteilt, Termine koordiniert und Dienstleister briefed, gehört in die operative Planung.

Ein Beispiel ohne Scheingenauigkeit

Nehmen Sie eine Mittelstadt, in der eine Kandidatin mit begrenztem Parteizuschuss antritt. Das Team entscheidet sich für eine klare Kernbotschaft, eine zentrale Website, wenige hochwertige Formate und eine regelmässige persönliche Präsenz. Statt beliebig viele Medien zu produzieren, ordnet es jede Ausgabe einer Aufgabe zu.

Die Website soll informieren und Termine bündeln. Flyer sollen Haushalte erreichen, die persönlich angesprochen werden müssen. Social Media dokumentiert den Wahlkampf und beantwortet Fragen. Veranstaltungen schaffen Gesprächsanlässe. Diese Zuordnung verhindert, dass das Budget aus isolierten Einzelaufträgen besteht.

Für digitale Reichweite sollten Sie nur Mittel freigeben, wenn Zielgruppe, Inhalt, Laufzeit und Auswertung feststehen. Hinweise zur Einrichtung von Google Ads für lokale Kandidaten können dabei als technische Orientierung dienen. Die strategische Entscheidung bleibt jedoch bei der Kampagnenleitung: Nicht jede sichtbare Anzeige ist eine sinnvolle Ausgabe.

Mein Rat: Geben Sie keinen Euro frei, wenn niemand sagen kann, welches Kampagnenziel damit unterstützt wird.

Prüfen Sie das Budget wöchentlich, sobald die Produktion beginnt. Verschieben Sie Mittel aus schwachen Massnahmen in Formate, die tatsächlich Gespräche, Termine oder Unterstützung erzeugen. Ein Budget ist kein Dokument für die Schublade, sondern ein Steuerungsinstrument bis zum Wahltag.

Transparenz und Reporting im Wahlkampf

Saubere Buchführung schützt nicht nur vor formalen Problemen. Sie zeigt Ihnen, ob der Wahlkampf seine Ressourcen nach Strategie oder nach Zufall verteilt. Ohne laufendes Reporting merkt ein Team oft erst spät, dass ein Kostenblock wächst, während für die entscheidende Schlussphase kaum Mittel übrig bleiben.

Die Transparenzpflichten bei grösseren Spenden sind deshalb unmittelbar relevant. Seit dem Elften Änderungsgesetz zum Parteiengesetz besteht die Anzeige- und Veröffentlichungspflicht bereits ab 35.000 Euro je Spende. Die Informationen des Deutschen Bundestages zu den Fundstellen der Parteienfinanzierung nennen diese Schwelle. Jede grössere Zuwendung muss daher frühzeitig geprüft und korrekt erfasst werden.

Ein Reporting, das Entscheidungen ermöglicht

Ein brauchbares System braucht keine komplizierte Software. Eine gemeinsam gepflegte Tabelle kann ausreichen, wenn Zuständigkeiten und Freigaben eindeutig sind. Erfassen Sie mindestens:

  • Budgetposition: Welche Leistung oder welches Material wird bezahlt?
  • Verantwortung: Wer darf beauftragen und wer prüft die Rechnung?
  • Status: Ist die Ausgabe geplant, zugesagt, beauftragt oder bezahlt?
  • Finanzierungsquelle: Kommt das Geld aus Eigenmitteln, Partei, Spenden oder einer anderen Quelle?
  • Wirkungsziel: Soll die Ausgabe informieren, mobilisieren, aktivieren oder organisatorische Arbeit ermöglichen?

Führen Sie regelmässige Budgetrunden mit der Kampagnenleitung durch. Besprechen Sie nicht nur den bisherigen Verbrauch, sondern auch offene Verpflichtungen. Eine noch nicht gestellte Rechnung ist trotzdem eine finanzielle Belastung, wenn die Leistung bereits beauftragt wurde.

Reporting verbessert ausserdem die politische Disziplin. Wenn jede Ausgabe einem Ziel zugeordnet wird, lassen sich Lieblingsprojekte, spontane Einzelideen und teure Doppelproduktionen leichter stoppen. Das ist besonders wichtig, wenn mehrere Personen mit unterschiedlichen Erwartungen auf das Budget zugreifen.

Finanzielle Transparenz schafft politische Handlungsfreiheit. Sie wissen früher, welche Entscheidung Sie sich noch leisten können, und müssen nicht kurz vor dem Wahltag auf wichtige Kommunikation verzichten.

Dokumentieren Sie Spenden, Sachleistungen und Parteizuschüsse mit derselben Sorgfalt wie Rechnungen. So bleibt sichtbar, welchen Anteil das Team selbst übernimmt und wo Abhängigkeiten entstehen. Diese Übersicht ist intern wertvoll, auch wenn eine Ausgabe keine direkte Zahlung aus dem Kampagnenkonto auslöst.

Handlungsempfehlungen für Ihre Kampagne

Erstkandidatinnen und Erstkandidaten ohne Parteibindung sollten zunächst ein belastbares Mindestbudget aufstellen und die eigene finanzielle Grenze festlegen. Priorität haben klare Positionierung, professionelle Koordination, verlässliche Basismaterialien und direkte Gespräche. Verzichten Sie auf teure Einzelaktionen, solange die Grundstruktur nicht funktioniert.

Herausforderer mit Parteirückhalt müssen Zusagen konkretisieren. Fragen Sie nach Geld, Personal, Räumen, Fahrzeugen, Gestaltung, Druck und digitaler Unterstützung. Lassen Sie jede Leistung mit Umfang und Zeitpunkt dokumentieren. Parteirückhalt ist politisch wertvoll, deckt aber nicht automatisch die Kosten Ihrer persönlichen Kandidatur.

Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber mit Wiederwahlabsicht sollten nicht einfach frühere Kommunikation wiederholen. Prüfen Sie, welche Zielgruppen sich verändert haben, welche Themen erklärungsbedürftig sind und welche vorhandenen Kanäle tatsächlich genutzt werden. Investieren Sie in eine präzise Erzählung, glaubwürdige Präsenz und einen Ablauf, der Verwaltungskommunikation und Wahlkampf sauber trennt.

Für alle drei Ausgangslagen gilt:

  • Budget zuerst: Schreiben Sie alle Kostenarten auf, bevor Sie Leistungen beauftragen.
  • Ziel vor Kanal: Jede Ausgabe braucht eine konkrete kommunikative Aufgabe.
  • Finanzierung schriftlich: Trennen Sie Geld, Sachleistungen und politische Unterstützung.
  • Reporting regelmässig: Prüfen Sie Verbrauch, offene Verpflichtungen und verbleibende Mittel.
  • Beratung gezielt einsetzen: Holen Sie Unterstützung dort hinzu, wo Strategie, Kreation oder Steuerung intern nicht zuverlässig abgedeckt sind.

creategy GmbH konzipiert und steuert politische Kampagnen für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Direktkandidatinnen und Direktkandidaten, Parteien, Fraktionen und Kommunen. Wenn Sie Ihr Budget, Ihre Prioritäten und den Weg bis zum Wahltag professionell ordnen möchten, können Sie dort eine modulare oder umfassende Begleitung anfragen.

Simon Mai

Über die Autorin / den Autor

Simon Mai

Simon Mai ist Geschäftsführer der Spezialagentur creategy. Zuvor war er im Bundestag und EU-Parlament tätig. Er hat bereits über 100 Wahlkämpfe begleitet.

Sie planen eine Kampagne oder möchten politisch wirksam kommunizieren?

Wir entwickeln mit Ihnen Strategie, Botschaft und Umsetzung — vom Konzept bis zur Wahl.

Erstgespräch vereinbaren