Fünf Jahre zuvor hatte die CDU das Rathaus in Werdohl verloren, an die SPD und deren Kandidaten Andreas Späinghaus. Im Herbst 2025 tritt mit Dirk Middendorf ein Kandidat an, der das Amt zurückholen soll, ausgerechnet ein langjähriges Mitglied des Gemeinderats, in einer Zeit, in der viele Wählerinnen und Wähler etablierten Gesichtern eher müde geworden sind als zugewandt.
Am Wahltag zeigt sich, wie gut die Rechnung aufgeht. Middendorf gewinnt bereits im ersten Wahlgang mit 71,2 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden Bürgermeister, ein Ergebnis, das für eine Bürgermeisterwahl mit mehreren Kandidatinnen und Kandidaten außergewöhnlich deutlich ausfällt. Parallel dazu wird die CDU bei der Ratswahl klar stärkste Kraft und verbessert ihr Ergebnis gegenüber der vorangegangenen Kommunalwahl um mehr als fünf Prozentpunkte. creategy begleitet beide Kampagnen, die von Middendorf und die des CDU-Verbands Werdohl, von der ersten Analyse bis zum letzten Werbemittel.
71,2 %
Ergebnis im ersten Wahlgang
+5 Prozentpunkte
Zuwachs der CDU bei der Ratswahl
5 Jahre
Seit dem Verlust des Rathauses an die SPD
Ein Rathaus, das die CDU zurückerobern wollte
Werdohl liegt im Sauerland, dort, wo die Lenne in zwei großen Schleifen durch das Stadtgebiet fließt, wodurch der Fluss von oben betrachtet wie ein großes W aussieht, passend zum Namen der Stadt. Rund 17.000 Menschen leben in der Stadt, die zum Märkischen Kreis gehört und traditionell industriell geprägt ist. Von 2014 bis 2020 stellte die CDU mit Silvia Voßloh die Bürgermeisterin, bevor Andreas Späinghaus von der SPD das Amt übernahm. Fünf Jahre später soll Dirk Middendorf es zurückholen.

Ein Amtswechsel nach nur einer Wahlperiode ist selten ein Zufall. Meist drückt er eine Unzufriedenheit aus, die sich in der folgenden Wahl erneut zeigen kann, in die eine oder andere Richtung. Für die Kampagne bedeutet das: Es reicht nicht, die Fehler der Vorgängerin zu benennen. Middendorf muss zeigen, dass er es anders und zugleich besser macht als beide Amtsinhaber vor ihm.
Middendorf ist zum Zeitpunkt seiner Kandidatur kein unbeschriebenes Blatt. Als langjähriges Mitglied des Gemeinderats hat er die Kommunalpolitik der Stadt über Jahre mitgeprägt, ein Vorteil an Bekanntheit und Erfahrung, der sich zugleich in einen Nachteil verwandeln kann, wenn Wählerinnen und Wähler nach einem Neuanfang suchen. Hinzu kommt die doppelte Aufgabe: creategy betreut zugleich Middendorfs persönliche Kampagne und die Ratswahlkampagne des CDU-Verbands Werdohl. Beide Kampagnen müssen aufeinander abgestimmt sein, ohne sich gegenseitig zu verwässern.
Die Analyse: Daten als Kompass
Vor jeder Positionierung steht bei creategy eine Bestandsaufnahme. Für Werdohl fließen drei Datenebenen zusammen: demografische Kennzahlen, um die Zielgruppen der Stadt genau zu verorten, demoskopische Befunde zu lokalen Stimmungen und Streitthemen, und eine Einordnung nach Sinus-Milieus, um die Ansprache auf unterschiedliche Lebenswelten zuzuschneiden. Aus diesen drei Ebenen entsteht eine Landkarte, welche Wählergruppen in welchen Stadtteilen erreichbar sind und mit welchen Themen. :::
Diese Landkarte wird zur Grundlage für beide Kampagnen zugleich. Middendorfs persönliche Positionierung und die Themensetzung der Ratswahlkampagne greifen dieselben Erkenntnisse auf, sodass am Ende ein stimmiges Gesamtbild entsteht und nicht zwei Kampagnen, die zufällig nebeneinanderherlaufen.
Die Sinus-Milieus spielen dabei eine besondere Rolle. Sie übersetzen abstrakte demografische Kategorien in konkrete Lebenswelten: Wie lebt eine Familie im Werdohler Umland, welche Themen beschäftigen ältere Wählerinnen und Wähler in der Kernstadt, was treibt jüngere Berufstätige in den Ortsteilen um. Erst aus dieser Ebene lässt sich ableiten, mit welchem Thema welche Zielgruppe in welchem Stadtteil tatsächlich erreichbar ist, statt mit derselben Botschaft die gesamte Stadt gleichzeitig anzusprechen.
Vom alten Hasen zum frischen Wind
Die eigentliche strategische Herausforderung liegt in einem Widerspruch. Middendorf ist als langjähriger Kommunalpolitiker ein bekanntes Gesicht, ein „alter Hase", wie man in Werdohl sagt. Genau diese Erfahrung soll Vertrauen schaffen. Gleichzeitig muss seine Kandidatur als Wechsel wirken, als Abkehr von einer Verwaltung, die Teilen der Bevölkerung inzwischen träge vorkommt.

creategy löst diesen Widerspruch, indem Middendorfs Erfahrung offen ausgespielt wird, als Beleg dafür, dass er die Stadt und ihre Probleme im Detail kennt. Die neuen Ideen und die konkreten Vorhaben für die nächsten Jahre rücken daneben so in den Vordergrund, dass Erfahrung und Aufbruch sich gegenseitig verstärken, statt sich zu widersprechen.
„Erfahrung und Aufbruch schließen sich nur aus, wenn man sie getrennt erzählt."
Diese Doppelung zieht sich durch jedes Werbemittel der Kampagne. Middendorfs Erfahrung liefert die Substanz für konkrete Aussagen zu Verkehr, Wohnraum und lokaler Wirtschaft. Die Bildsprache und der Ton der Kampagne transportieren daneben bewusst Aufbruch, ohne dass die beiden Ebenen sich gegenseitig im Weg stehen.
Diese Gratwanderung ist auch deshalb heikel, weil sie sich nicht auf ein einzelnes Plakat oder einen einzelnen Satz reduzieren lässt. Sie muss über Monate hinweg in jedem Auftritt, jedem Interview und jedem Social-Media-Post konsequent durchgehalten werden. Ein einziger Moment, in dem Middendorf zu sehr wie ein Vertreter der alten Verwaltung wirkt, hätte die gesamte Erzählung infrage gestellt.
Zwei Kampagnen, ein Bild

Für die Umsetzung entwickelt creategy ein Kampagnendesign, das auf dem Corporate Design der CDU Deutschland aufbaut und sich konsequent durch alle Materialien zieht: Flyer, Plakate, Bauzaunbanner, Aufkleber und thematische Giveaways. Middendorfs persönliche Kampagne und der Auftritt des CDU-Verbands nutzen dieselbe Formensprache, unterscheidbar in den Details, aber auf den ersten Blick als zusammengehörig erkennbar.



Auffällig ist dabei eine vergleichsweise ungewöhnliche Maßnahme: mobile Werbeflächen an Fahrrädern, verteilt über alle Stadtteile Werdohls. Für eine Kleinstadt im Sauerland ist das eine Präsenz, die klassische Plakatständer allein nicht erreichen, gerade in den Ortsteilen abseits der Innenstadt.
Bauzaunbanner erfüllen einen ähnlichen Zweck an anderer Stelle: Sie nutzen Flächen, die in Werdohl ohnehin im Stadtbild stehen, Baustellen, Absperrungen, ungenutzte Fassaden, und verwandeln sie in zusätzliche Kontaktpunkte, ohne dass dafür eigens neue Standorte organisiert werden müssen. In der Summe entsteht so eine Präsenz, die trotz begrenzten Budgets über die gesamte Stadt hinweg spürbar ist.
Social Media als Multiplikator
Eine Kampagne mit ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützern braucht Werkzeuge, die ohne Agentur nutzbar sind. creategy erstellt deshalb fertige Vorlagen und Presets für Social Media, abgestimmt auf das einheitliche Kampagnendesign, mit denen die ehrenamtlichen Verantwortlichen vor Ort eigenständig Inhalte veröffentlichen können, ohne bei jedem Posting auf Abstimmung warten zu müssen.
Ergänzend analysiert creategy die bestehenden Social-Media-Kanäle von Middendorf und dem CDU-Verband, um Stärken und Schwächen zu identifizieren und die Kanäle gezielt weiterzuentwickeln. Für eine Kommunalwahl in einer Stadt von der Größe Werdohls ist digitale Reichweite kein Ersatz für den persönlichen Kontakt, aber ein Vervielfacher, der die Ergebnisse der eigentlichen Feldarbeit sichtbarer macht.
Für Middendorf persönlich kommt den Kanälen dabei eine zusätzliche Funktion zu. Wo ein Plakat nur eine Botschaft transportieren kann, lässt sich in einem kurzen Video zeigen, wie er über ein Thema spricht, wie er auf Nachfragen reagiert, wie nahbar er tatsächlich ist. Gerade für einen Kandidaten, der als bekanntes Gesicht startet, ist dieser direkte, ungefilterte Eindruck oft überzeugender als jede weitere Plakatzeile.
Zwei Siege an einem Wahltag
Am 14. September 2025 gewinnt Dirk Middendorf die Bürgermeisterwahl in Werdohl bereits im ersten Wahlgang mit 71,2 Prozent der Stimmen, ein Ergebnis, das den amtierenden SPD-Bürgermeister deutlich hinter sich lässt. Am selben Tag wird die CDU bei der Ratswahl klar stärkste Kraft und verbessert ihr Ergebnis gegenüber der vorangegangenen Kommunalwahl um mehr als fünf Prozentpunkte. Fünf Jahre nach dem Verlust des Rathauses hat die CDU es in Werdohl zurückgewonnen, mit einem Kandidaten, der zugleich für Kontinuität und für Wechsel steht.
Drei Erkenntnisse aus diesem Case lassen sich auf andere Kandidaturen etablierter Kommunalpolitiker übertragen. Erstens: Bekanntheit ist kein Nachteil, wenn sie gezielt mit einer glaubwürdigen Erneuerungsgeschichte verbunden wird. Zweitens: Eine Bürgermeisterkampagne und eine parallele Ratswahlkampagne profitieren voneinander, wenn sie auf derselben Datenanalyse aufbauen, statt getrennt voneinander entwickelt zu werden. Drittens: Werkzeuge für ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer, etwa fertige Social-Media-Vorlagen, entscheiden mit darüber, wie konsequent eine einheitliche Kampagne tatsächlich vor Ort ankommt.
Für creategy zeigt der Case, dass eine überzeugende Neupositionierung nicht bedeutet, jemanden zu einer anderen Person zu machen. Sie bedeutet, die vorhandene Geschichte eines Kandidaten so zu erzählen, dass sie zur Antwort auf die Frage der Wählerinnen und Wähler wird, warum gerade jetzt ein Wechsel nötig ist. In Werdohl war die Antwort am Ende so eindeutig, dass sie sich gleich in zwei Wahlergebnissen zeigte, dem persönlichen und dem der Partei.

