Vierundzwanzig Stimmen. Das war der Abstand, der nach dem ersten Wahlgang der Bürgermeisterwahl in Werbach zwischen Georg Wyrwoll und seinem stärksten Mitbewerber lag: 727 zu 703 Stimmen, 37,4 zu 36,16 Prozent. Ein Patt, wie es kommunale Wahlkämpfe selten erleben, und der Auftakt zu einer Stichwahl, in der noch einmal alles auf Anfang gestellt wurde. Am Ende dieser Stichwahl, am 7. Mai 2023, stand Georg Wyrwoll mit 51,08 Prozent als neuer Bürgermeister von Werbach fest.
Wir haben Georg Wyrwoll in allen Bereichen seiner Kampagne begleitet: von der Strategie und der operativen Wahlkampfplanung über das Kampagnendesign und die Werbemittel bis zu Social Media und Website. Dieser Case erzählt die Geschichte eines Kandidaten, der ohne Verwaltungserfahrung gegen einen erfahrenen Mitbewerber antrat. Und er erzählt, wie eine Stichwahl gewonnen wird, wenn der erste Wahlgang keinen Sieger kennt.
51,08 %
Stichwahlergebnis
24
Stimmen Vorsprung im ersten Wahlgang
72,29 %
Wahlbeteiligung
Ohne Verwaltungserfahrung ins Rennen
Georg Wyrwoll trat mit einem Profil an, das in Baden-Württemberg als Handicap gilt. Er brachte keine Verwaltungserfahrung mit, und ausgerechnet dieses Kriterium wiegt bei Bürgermeisterwahlen im Südwesten traditionell schwer. Rund drei Viertel der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Land kommen aus der Verwaltung, viele Wählerinnen und Wähler halten den Stallgeruch des Rathauses fast für eine Einstellungsvoraussetzung. Mit Thomas König stand Georg Wyrwoll zudem ein Mitbewerber gegenüber, der genau diese Erfahrung in deutlich größerem Umfang vorweisen konnte.

Die strategische Ausgangsfrage der Kampagne lautete deshalb: Wie gewinnt ein Kandidat eine Wahl, deren wichtigstes ungeschriebenes Kriterium er nicht erfüllt? Die Antwort konnte nur lauten, das Spielfeld zu verschieben. Wenn der Lebenslauf das Duell nicht gewinnt, müssen es Präsenz, Persönlichkeit und die bessere Kampagne tun. Georg Wyrwoll musste in Werbach so sichtbar, so nahbar und so überzeugend sein, dass die Menschen ihre Entscheidung an ihm als Person festmachen, an seinem Einsatz und seinen Ideen für die Gemeinde.
Ein Wahlkampf mit Fahrplan
Der Schlüssel dazu lag in der operativen Planung, die wir im Rahmen der Kampagnenstrategie übernahmen. Welche Veranstaltungen finden wann statt? Wie schafft es der Kandidat, in allen Ortsteilen präsent zu sein, ohne sich zu verzetteln? Aus diesen Fragen entstand ein detaillierter Wahlkampffahrplan, der die verfügbare Zeit des Kandidaten in maximale Sichtbarkeit übersetzte.
Gerade die Ortsteile spielten dabei eine zentrale Rolle. Werbach ist eine Flächengemeinde, und wer nur im Kernort Wahlkampf macht, überlässt die Teilorte der Konkurrenz. Der Veranstaltungsplan sorgte dafür, dass Georg Wyrwoll überall dort stattfand, wo gewählt wird: mit Terminen und Formaten in jedem Ortsteil, verteilt über die gesamte Kampagne. Für einen Kandidaten ohne Verwaltungslaufbahn war diese flächendeckende Präsenz das wirksamste Argument. Verwaltungserfahrung kann man nicht nachreichen. Einsatz, Zuverlässigkeit und echtes Interesse an jedem Winkel der Gemeinde dagegen kann man zeigen, Woche für Woche.
Eine Marke für den Kandidaten
Sichtbarkeit braucht Wiedererkennbarkeit. Deshalb entwickelten wir für Georg Wyrwoll ein eigenes Kampagnendesign: eine kompakte Wortbildmarke mit passenden Farben und einer passenden Schrift, die seiner Kandidatur ein unverwechselbares Gesicht gab. Für einen parteilosen Bewerber ist diese eigene Marke besonders wertvoll, denn er tritt ohne das visuelle Kapital einer Partei an. Sein Auftritt muss allein tragen.
Auf dieser Grundlage produzierten wir die Werbemittel der Kampagne: Zweifalzflyer für die inhaltliche Tiefe, Plakate für die Präsenz im Straßenbild und Türhänger für einen Kontaktpunkt, der in kommunalen Wahlkämpfen oft unterschätzt wird. Ein Türhänger erreicht die Menschen buchstäblich an der eigenen Haustür und bleibt hängen, im doppelten Sinn, auch wenn niemand öffnet. In einer Flächengemeinde mit vielen Ortsteilen ergänzte er die persönliche Präsenz des Kandidaten dort, wo nicht jeder Haushalt einzeln besucht werden kann.



Präsent im Netz: Social Media und Website

Den Onlineauftritt der Kampagne verantworteten wir komplett. Für Social Media erstellten wir passende Vorlagen im Kampagnendesign und übernahmen darüber hinaus das operative Posting. Die Kanäle von Georg Wyrwoll wurden so kontinuierlich und professionell bespielt, mit Einblicken aus dem Wahlkampf, Terminen und inhaltlichen Botschaften, während sich der Kandidat auf seine Präsenz vor Ort konzentrieren konnte.
Dazu kam die Website, die wir für ihn umsetzten. Ihre wichtigste Aufgabe: gefunden werden. Wer in Werbach den Namen des Kandidaten oder die anstehende Wahl bei Google eingab, landete zuverlässig auf einer Seite, die alle Fragen beantwortete, zur Person, zu den Themen, zu den nächsten Terminen. Plakat, Türhänger und Social-Media-Beitrag erzeugten die Aufmerksamkeit, die Website lieferte die Substanz dahinter.
Der erste Wahlgang: ein Fotofinish
Dann kam der erste Wahlabend, und er brachte ein Ergebnis, das die Spannung dieser Wahl auf den Punkt brachte. Georg Wyrwoll: 37,4 Prozent, 727 Stimmen. Thomas König: 36,16 Prozent, 703 Stimmen. Vierundzwanzig Stimmen Vorsprung, kein Kandidat über 50 Prozent, die Entscheidung vertagt in die Stichwahl.
Ein solches Ergebnis lässt sich auf zwei Arten lesen. Die eine: Der Kandidat ohne Verwaltungserfahrung lag gegen den erfahrenen Mitbewerber vorn, ein Achtungserfolg, der die Strategie bestätigte. Die andere, wichtigere: Gewonnen war noch gar nichts. Stichwahlen folgen eigenen Gesetzen. Die Karten werden neu gemischt, die Lager sortieren sich, und häufig entscheidet eine einzige Frage über den Ausgang: Wessen Wählerinnen und Wähler gehen ein zweites Mal zur Urne?
Die Stichwahl: Mobilisierung entscheidet
„Eine Stichwahl gewinnt, wer seine Wähler ein zweites Mal an die Urne bringt."
Für die Wochen bis zur Stichwahl entwickelten wir eine eigene Strategie mit einem klaren Ziel: Georg Wyrwoll den entscheidenden zusätzlichen Schub zu geben und die Wählerinnen und Wähler erneut zur Wahl zu mobilisieren. Denn die größte Gefahr nach einem knappen ersten Wahlgang ist die Nachlässigkeit der eigenen Unterstützer. Wer seinen Kandidaten vorn wähnt, bleibt am Wahlsonntag schneller zu Hause, als jeder Kampagne lieb sein kann.
Das Rezept dagegen war dasselbe, das die Kampagne von Beginn an stark gemacht hatte, nur noch einmal verdichtet: Präsenz. Georg Wyrwoll suchte in der Stichwahlphase erneut den direkten Kontakt zu den Menschen, mit besonderem Augenmerk auf die Ortsteile, in denen jede Stimme den Unterschied machen konnte. Die Botschaft an die eigenen Unterstützer war unmissverständlich: Diese Wahl ist offen, und es kommt auf jede und jeden an.
Am 7. Mai 2023 ging Werbach ein zweites Mal an die Urnen, und die Mobilisierung trug. Bei einer Wahlbeteiligung von 72,29 Prozent entschied Georg Wyrwoll die Stichwahl mit 51,08 Prozent für sich und wurde zum neuen Bürgermeister von Werbach gewählt.
Was dieser Wahlkampf lehrt
Der Case Werbach räumt mit einer Gewissheit auf, die in Baden-Württemberg als eisern gilt: dass ohne Verwaltungserfahrung kein Bürgermeisteramt zu gewinnen ist. Georg Wyrwoll hat gezeigt, dass es geht, mit einer Kampagne, die konsequent auf seine Stärken setzte. Flächendeckende Präsenz nach Plan, eine eigene Marke mit Wiedererkennungswert, ein Onlineauftritt aus einer Hand und in der Stichwahl eine Mobilisierung, die den knappen Vorsprung in eine Mehrheit verwandelte.
Vierundzwanzig Stimmen trennten die Kandidaten nach dem ersten Wahlgang. Dass daraus am Ende ein Sieg wurde, war das Ergebnis von Arbeit, nicht von Glück. Genau dafür stehen wir: Wahlkämpfe, die bis zur letzten Stimme geführt werden.

