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Politisch kommunizieren 17 Min. Lesezeit04. Oktober 2026

Instagram wie bekommt man mehr Follower: 10 Tipps

Instagram wie bekommt man mehr Follower? Zehn konkrete Tipps für Parteien, Kandidatinnen, Kandidaten und Kommunen mit organischen und bezahlten Strategien.

Simon Mai

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Simon Mai

Instagram wie bekommt man mehr Follower: 10 Tipps
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Mehr Instagram-Follower entstehen vor allem durch ein klares politisches Profil, regelmässige relevante Inhalte, echten Dialog und gezielt geprüfte Reichweite. Bei 40 Prozent wöchentlicher Instagram-Nutzung in Deutschland entscheidet nicht beliebige Masse, sondern ob Menschen in wenigen Sekunden erkennen, wofür ein Account steht und warum sich das Folgen lohnt.

Warum gewinnen Parteien, Kandidatinnen und Kandidaten sowie kommunale Institutionen trotz regelmässiger Beiträge kaum neue Follower? Häufig fehlt nicht der Einsatz, sondern die Verbindung zwischen Profil, Inhalt und Beziehungspflege. Ein einzelner Beitrag kann kurzfristig Reichweite erzielen, aber dauerhaftes Vertrauen entsteht erst, wenn Menschen wiederholt nützliche Informationen bekommen, eine erkennbare Haltung erleben und Antworten auf ihre Fragen erhalten.

Instagram ist in Deutschland ein grosser, aber stark umkämpfter Kommunikationsraum. Die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 weist für soziale Netzwerke eine wöchentliche Nutzung von 63 Prozent der Menschen ab 14 Jahren aus, rund 44,15 Millionen regelmässige Nutzerinnen und Nutzer. Instagram lag mit 40 Prozent Wochenreichweite vor Facebook mit 31 Prozent und TikTok mit 20 Prozent, wie die Auswertung zur Instagram-Nutzung in Deutschland zusammenfasst.

Für politische Kommunikation folgt daraus ein klarer Auftrag. Ihr Account muss lokal relevant, persönlich ansprechbar und redaktionell verlässlich sein. Die folgenden zehn Schritte verbinden Profilaufbau, Formate, Dialog, Kooperationen, Messung und bezahlte Reichweite zu einem System, das auch im kommunalen Alltag funktionieren kann.

1. Authentische Persönlichkeitsdarstellung

Menschen folgen politischen Accounts nicht nur wegen eines Parteiprogramms. Sie wollen erkennen, wer Entscheidungen vorbereitet, welche Werte diese Person leiten und wie sie im Alltag handelt. Ein professionelles Bild allein schafft noch keine Nähe. Dafür brauchen Sie wiederkehrende Einblicke, klare Positionen und Momente, die nicht wie eine fertig produzierte Kampagne aussehen.

Legen Sie zwei oder drei Erzählmuster fest, die Sie über längere Zeit verfolgen. Das kann die Arbeit vor Ort, eine bestimmte politische Haltung oder der persönliche Weg zu einem Thema sein. Zeigen Sie eine Sitzungsvorbereitung, einen Besuch im Verein, die Diskussion am Infostand oder den Weg zu einem Termin. Unvollkommene Situationen wirken glaubwürdig, solange sie respektvoll und nachvollziehbar dokumentiert sind.

Eine lächelnde Frau in einem blauen Hemd sitzt vor einem Schreibtisch mit Notizbuch und Kaffeetasse.

Haltung braucht Wiederholung

Persönlichkeit bedeutet nicht, Privates grenzenlos zu veröffentlichen. Definieren Sie vorher, welche Bereiche sichtbar werden und welche geschützt bleiben. Für einen kommunalen Account kann es sinnvoller sein, die eigene Arbeitsweise und die Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen, statt private Familienmomente auszubreiten.

Stories mit Fragen und Abstimmungen machen aus der Darstellung einen Dialog. Prüfen Sie anschliessend in den Insights, welche persönlichen Inhalte besonders viele Antworten, Profilbesuche oder gespeicherte Beiträge auslösen. Eine Anleitung zum Aufbau eines Instagram-Kanals hilft dabei, diese Entscheidungen in eine tragfähige Kanalstruktur zu übersetzen.

Praktische Regel: Zeigen Sie nicht alles, sondern zeigen Sie regelmässig dasselbe politische Versprechen aus unterschiedlichen Alltagssituationen.

2. Regelmässige Posting Strategie

Ein Account, der wochenlang schweigt und dann an einem Tag mehrere Beiträge veröffentlicht, wirkt organisatorisch unsicher. Regelmässigkeit schafft dagegen Erwartbarkeit. Ihre Zielgruppe weiss, wann neue Einordnungen, Termine oder Einblicke erscheinen, und Ihr Team kann Inhalte mit weniger Stress vorbereiten.

Planen Sie mindestens zwei Wochen im Voraus. Lassen Sie dabei bewusst Platz für aktuelle Ereignisse, dringende Entscheidungen und lokale Nachrichten. Ein Redaktionsplan sollte nicht jeden Beitrag unveränderlich festlegen. Er soll sichtbar machen, welche Themen bereits abgedeckt sind, wer verantwortlich ist und welche Inhalte kurzfristig angepasst werden können.

Ein System für kleine Teams

Nutzen Sie Instagram Insights, um zu prüfen, wann Ihre Zielgruppe aktiv ist. Allgemeine Empfehlungen können erste Orientierung geben, ersetzen aber keine eigenen Daten. Vereinbaren Sie verbindliche Zuständigkeiten und legen Sie fest, wer Inhalte freigibt, veröffentlicht und bei kurzfristigen Änderungen entscheidet.

Für die Planung eignen sich etwa die Meta Business Suite oder Later. Entscheidend ist nicht das Tool, sondern ein belastbarer Ablauf. Eine strukturierte Content Planung für Social Media sollte deshalb Themen, Format, Bildmaterial, Freigabe und Verantwortlichkeit gemeinsam abbilden.

Wer in einer Gemeindeverwaltung für Social Media zuständig ist, hat diese Aufgabe selten gelernt. Der Videokurs Social Media für Gemeinden richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gemeinden, Städten und Landkreisen, die Kanäle ohne entsprechende Ausbildung betreuen oder neu aufbauen sollen. Der Kurs behandelt kommunale Besonderheiten wie Neutralität, Datenschutz, Bürgerfragen, Redaktionsplanung und Auswertung. Er umfasst rund 130 Minuten Videomaterial in sechs Kapiteln.

3. Video und Reels

Reels sind für politische Accounts besonders nützlich, wenn sie einen komplizierten Sachverhalt schnell zugänglich machen. Dafür brauchen Sie kein Studio. Ein Smartphone, ein ruhiger Aufnahmeort, verständliche Sprache und ein klarer Gedanke reichen oft aus. Entscheidend ist, dass die ersten Sekunden die Frage beantworten, warum jemand weitersehen sollte.

Arbeiten Sie mit wiederholbaren Formaten. Eine Kandidatin erklärt eine Entscheidung in drei Sätzen. Ein Fraktionsmitglied beantwortet eine Bürgerfrage. Ein kommunales Team zeigt vor Ort, was sich an einem Spielplatz, einer Baustelle oder einer Buslinie verändert. Beginnen Sie direkt mit dem Thema, erklären Sie einen Aspekt und schliessen Sie mit einer konkreten Information oder Frage.

Einfach produzieren

Filmen Sie vertikal im Format 9:16 und setzen Sie Untertitel ein. Viele Menschen sehen Videos ohne Ton, ausserdem erhöhen Untertitel die Verständlichkeit bei Fachbegriffen und Eigennamen. Text Overlays und kurze Szenenwechsel können Struktur schaffen, ohne die Produktion unnötig zu verkomplizieren.

Trends können Reichweite bringen, aber eine politische Organisation darf den eigenen Bezug nicht verlieren. Verwenden Sie Musik aus der Instagram Bibliothek, wenn Musik eingesetzt wird, und prüfen Sie bei jeder Vorlage, ob sie zu Ihrer Rolle und zum Thema passt. Weitere praktische Hinweise für politische Reels auf Instagram helfen bei Aufbau und Umsetzung.

Ein Reel sollte nicht nur unterhalten. Es muss einen Grund liefern, den Account wieder aufzusuchen. Das kann eine angekündigte Fortsetzung, eine verständliche Erklärung oder die Einladung zu einer lokalen Veranstaltung sein.

4. Stories für Kontinuität

Feed Beiträge brauchen Vorbereitung. Stories können dagegen den politischen Alltag begleiten. Sie eignen sich für kurze Einordnungen, Termine, Eindrücke aus Gesprächen und Fragen aus der Bürgerschaft. So bleibt Ihr Account zwischen grösseren Veröffentlichungen präsent, ohne dass jeder Kontakt wie eine fertige Kampagne aussehen muss.

Verteilen Sie täglich drei bis fünf Stories über den Tag, wenn Ihr Arbeitsablauf das erlaubt. Zeigen Sie morgens einen Termin, später eine Beobachtung vor Ort und am Abend eine kurze Einordnung. Die einzelnen Sequenzen sollten zusammenpassen. Eine lose Sammlung beliebiger Fotos erzeugt noch keinen wiedererkennbaren Tagesablauf.

Orientierung im Profil

Story Highlights verlängern die Lebensdauer wichtiger Informationen. Legen Sie verständliche Kategorien wie Positionen, Veranstaltungen, Presse oder Fragen an. Prüfen Sie regelmässig, ob die Inhalte noch stimmen. Eine veraltete Information in einem Highlight kann gerade bei politischen Accounts Vertrauen beschädigen.

Planen Sie mindestens eine interaktive Story pro Woche. Eine Umfrage kann zeigen, welche Frage Bürgerinnen und Bürger beschäftigt. Ein Fragensticker kann Themen für kommende Reels liefern. Die Ergebnisse sind keine repräsentative Meinungsforschung, aber sie helfen bei der redaktionellen Priorisierung.

Nutzen Sie Sticker und Text Overlays sparsam. Die Gestaltung soll den Inhalt unterstützen und nicht überdecken. Wie Sie ein Reel sinnvoll in einer Story teilen und einordnen, gehört deshalb zur täglichen Redaktionsroutine und nicht nur zur Kampagnenphase.

5. Community Management

Followergewinnung endet nicht mit der Veröffentlichung. Kommentare, Direktnachrichten, Erwähnungen und kritische Fragen zeigen, ob ein Account als ansprechbar wahrgenommen wird. Ein politisches Profil, das regelmässig sendet, aber selten antwortet, bleibt ein Schaukasten.

Legen Sie die Betreuung auf mindestens zwei Personen. So bleibt der Kanal auch bei Urlaub, Krankheit oder Termindruck handlungsfähig. Vereinbaren Sie, welche Fragen direkt beantwortet werden können, wann eine fachliche Rücksprache nötig ist und welche Fälle an die zuständige Stelle weitergegeben werden.

Sachlich bleiben

Kritik verdient eine Antwort, aber nicht jeder Angriff verdient eine lange Debatte. Antworten Sie konkret auf die Frage, korrigieren Sie falsche Angaben ohne persönliche Abwertung und benennen Sie Grenzen, wenn Kommentare beleidigend oder diskriminierend werden. Guidelines für Trolle und Hass Kommentare schaffen Sicherheit, besonders wenn mehrere Personen den Account betreuen.

Q&A Stories können den Dialog bewusst eröffnen. Pinnen Sie wiederkehrende Fragen oder zentrale Botschaften in den Kommentaren, damit neue Besucherinnen und Besucher schnell Orientierung bekommen. Vermeiden Sie vorgefertigte Antworten, die auf jede Situation gleich wirken. Bürgerinnen und Bürger erkennen, ob jemand ihren konkreten Punkt gelesen hat.

Eine junge Frau nimmt mit ihrem Smartphone auf einem Stativ ein Video für soziale Medien auf.

Ein klarer Prozess für Community Management schützt nicht nur den Tonfall. Er verhindert auch, dass wichtige Anliegen zwischen Likes und Nebendiskussionen verloren gehen.

6. Hashtags und Recherche

Hashtags können lokale und thematische Suchwege öffnen. Sie funktionieren aber nur, wenn sie den tatsächlichen Inhalt beschreiben und in der Kommunikation Ihrer Zielgruppe vorkommen. Eine beliebige Sammlung populärer Begriffe bringt selten die richtige Öffentlichkeit. Für politische Accounts kann sie sogar unpassend wirken, wenn der Ortsbezug fehlt.

Recherchieren Sie Hashtags bei lokalen Medien, Vereinen, Institutionen und anderen politischen Accounts. Bauen Sie eine eigene Liste mit 50 bis 80 geprüften Begriffen auf. Darin können Ortsnamen, Stadtteile, Sachthemen, Veranstaltungsformate und eine eigene Kampagnenmarke vorkommen. Prüfen Sie regelmässig, ob Begriffe noch genutzt werden und welche Inhalte darunter erscheinen.

Relevanz vor Menge

Verwenden Sie 20 bis 30 relevante Hashtags pro Beitrag, wenn diese Menge zu Ihrem Inhalt passt. Platzieren Sie sie im ersten Kommentar, damit die Caption lesbar bleibt. Die Zahl ist eine Arbeitsregel, kein Qualitätsbeweis. Ein Beitrag mit wenigen passenden Begriffen kann sinnvoller sein als ein Beitrag mit einer langen Liste ohne Bezug.

Testen Sie in der ersten Woche drei unterschiedliche Mischungen. Eine kann stärker lokal, eine thematisch und eine auf die konkrete Veranstaltung ausgerichtet sein. Vergleichen Sie die erreichte Reichweite und die Qualität der Profilbesuche. Entscheidend ist, ob neue Menschen den politischen Zusammenhang verstehen und nicht nur zufällig auf den Beitrag stossen.

Reichweite ist nur dann wertvoll, wenn die erreichten Menschen einen nachvollziehbaren Grund haben, bei Ihnen zu bleiben.

7. Thematische Kampagnen

Einzelne Beiträge verschwinden schnell aus dem Feed. Eine thematische Kampagne gibt ihnen einen Zusammenhang und schafft Wiedererkennung. Für eine Kommune kann der Bogen bei einer Bürgerfrage beginnen, über Gespräche und Erklärungen führen und mit einer Entscheidung oder dem nächsten Verfahrensschritt enden.

Planen Sie für jede Kampagne einen Beginn, einen Höhepunkt und eine Auflösung. Definieren Sie vor dem Start drei bis fünf zentrale Botschaften. Formulieren Sie sie so, dass sie in einem Reel, einer Story, einem Carousel und einem persönlichen Beitrag verständlich bleiben. Eine wiederkehrende Schrift Hierarchie und eine einheitliche Bildbearbeitung helfen, die Reihe als zusammengehörig erkennbar zu machen.

Ein Thema in mehreren Formaten

Ein Carousel kann den Sachverhalt Schritt für Schritt erklären. Ein Reel zeigt eine Person vor Ort. Stories sammeln Fragen und machen den nächsten Beitrag daraus. Ein persönlicher Feed Beitrag ordnet die politische Entscheidung ein. So hat jedes Format eine eigene Aufgabe, statt dieselbe Aussage nur mehrfach zu wiederholen.

Planen Sie Pausen für die Auswertung ein. Prüfen Sie, welche Beiträge gespeichert, geteilt oder kommentiert werden und welche Fragen offenbleiben. Verändern Sie danach nicht die gesamte Kampagne auf einmal. Passen Sie eine Botschaft, ein Format oder den Einstieg an, damit Sie erkennen können, was die Veränderung bewirkt hat.

Eine Hand hält ein Smartphone mit der Instagram-App, die eine Story-Übersicht und persönliche Beiträge anzeigt.

Der politische Nutzen liegt nicht nur in neuen Followern. Eine gute Kampagne macht sichtbar, wie ein Thema bearbeitet wird, und schafft mehrere nachvollziehbare Anlässe für Kontakt.

8. Lokale Multiplikatoren

Lokale Vereine, Institutionen, Medien, Verbände und thematisch passende Accounts erreichen Menschen, die Ihrem Profil bisher nicht folgen. Eine Kooperation funktioniert aber nicht allein deshalb, weil zwei Accounts gemeinsam posten. Beide Seiten brauchen einen erkennbaren Nutzen und müssen ihre Rollen vorher klären.

Identifizieren Sie 10 bis 15 lokale Accounts mit ähnlicher Zielgruppe. Die Grösse des Accounts ist weniger entscheidend als die tatsächliche Nähe zum Thema und zum Ort. Ein Verein mit engagierter Community kann für eine kommunale Frage relevanter sein als ein grosser, aber themenferner Account.

Gemeinsam produzieren

Geeignete Formate sind ein Gespräch vor Ort, eine gemeinsame Story, ein kurzer Rundgang oder eine Erklärung aus zwei Perspektiven. Vereinbaren Sie schriftlich, wann veröffentlicht wird, wer filmt, welche Aussagen geprüft werden und wie die Beiträge gegenseitig geteilt werden. Das klingt formal, verhindert aber Missverständnisse bei politischen Themen.

Danken Sie Partnern öffentlich und pflegen Sie die Beziehung über einzelne Aktionen hinaus. Eine Zusammenarbeit kann sich aus einem konkreten Anlass entwickeln und später zu regelmässigen Gesprächen oder gemeinsamen Informationsformaten führen. Eine Übersicht zu passenden Synonymen für Zusammenarbeit zeigt sprachliche Varianten, wichtiger bleibt jedoch die inhaltliche Vereinbarung.

Vermeiden Sie Kooperationen, bei denen ein Partner nur als Reichweitenquelle dient. Bürgerinnen und Bürger merken, wenn ein gemeinsamer Beitrag keinen eigenen Informationswert hat.

9. Lokale Creator

Lokale Creator, Blogger, Kulturschaffende, Journalistinnen und Journalisten sowie Community Organisatoren können Zugang zu bestimmten Gruppen eröffnen. Entscheidend ist die Passung. Ein Creator muss nicht politisch auftreten, sollte aber das Thema verständlich und eigenständig behandeln können.

Suchen Sie nach Accounts mit etwa 1000 bis 10000 Followern in Bereichen wie Lokaljournalismus, Kultur oder Politik. Diese Zahlen sind eine Auswahlhilfe, keine Garantie für Wirkung. Prüfen Sie Kommentare, bisherige Kooperationen und die Qualität der Diskussion. Ein Account mit hoher Followerzahl, aber wenig glaubwürdigem Bezug zu Ihrer Region kann ungeeignet sein.

Co Kreation statt Werbebotschaft

Starten Sie mit einem kleinen Format. Das kann ein gemeinsamer Besuch, ein Interview oder eine Story Serie sein. Lassen Sie den Creator eine eigene Perspektive einbringen, statt ein fertiges politisches Skript zu übergeben. Gleichzeitig müssen Rollen, Transparenz, Kennzeichnung und politische Grenzen eindeutig bleiben.

Bei bezahlten Kooperationen gelten die Regeln für kommerzielle Kommunikation. Auch ohne Bezahlung sollten Sie offenlegen, wie das Format zustande gekommen ist, wenn sonst ein falscher Eindruck entstehen könnte. Dokumentieren Sie die Veröffentlichung, teilen Sie Inhalte gegenseitig und besprechen Sie danach, was für beide Seiten funktioniert hat.

Eine längerfristige Partnerschaft ist belastbarer als eine einmalige Kampagne. Sie entwickelt Vertrauen, schafft Routine und kann unterschiedliche Themen aus der Perspektive der jeweiligen Community erklären. Beliebige Influencer Werbung dagegen bringt vielleicht Aufmerksamkeit, aber selten nachhaltige politische Bindung.

10. Daten und gezielte Verstärkung

Instagram Insights liefern Hinweise zu Reichweite, Interaktionen, Profilbesuchen und Followerentwicklung. Diese Werte sind erst dann nützlich, wenn Sie daraus eine konkrete redaktionelle Entscheidung ableiten. Fragen Sie nicht nur, welcher Beitrag die meisten Likes hatte. Prüfen Sie, welcher Inhalt Menschen zum Profil geführt, eine Frage ausgelöst oder zum Speichern und Teilen eingeladen hat.

Reservieren Sie wöchentlich 30 Minuten für ein kurzes Auswertungsprotokoll. Testen Sie pro Woche nur eine Variable, entweder die Veröffentlichungszeit, den Hashtag Mix oder den Stil der Caption. Halten Sie die Beobachtung in einem einfachen Tracking Sheet fest und teilen Sie die Erkenntnis mit dem gesamten Team.

Aufforderungen mit Augenmass

Setzen Sie eine Follow Aufforderung in etwa 30 bis 40 Prozent Ihrer Beiträge ein. Das ist eine redaktionelle Orientierung, kein festes Gesetz. Formulieren Sie sie passend zum Inhalt. „Folgen Sie uns, um zu erfahren, wie wir die nächsten Schritte erklären“ ist konkreter als ein isoliertes „Folgen“.

Testen Sie, ob die Aufforderung am Anfang, in der Mitte oder am Ende besser zum Beitrag passt. Achten Sie darauf, dass der Satz nicht den Informationswert überlagert. Menschen folgen eher, wenn sie wissen, welchen wiederkehrenden Nutzen sie erwarten dürfen.

Instagram Ads können organisch geprüfte Botschaften gezielt verstärken. Bewerben Sie nicht automatisch jeden Beitrag. Wählen Sie Inhalte, die bereits verständlich sind, zur Zielgruppe passen und ein klares Ziel haben. Bezahlte Reichweite ersetzt weder ein politisches Profil noch Community Management. Sie kann ein funktionierendes Format unterstützen, aber kein unklarer Inhalt wird durch Budget automatisch vertrauenswürdig.

Vergleich: 10 Strategien für mehr Instagram-Follower

AnsatzImplementierungskomplexitätRessourcenbedarfErwartete ErgebnisseIdeale EinsatzfälleHauptvorteile
Authentische PersönlichkeitsdarstellungMittel, kontinuierliche Pflege nötigZeitintensiv für regelmäßige Posts; Smartphone/GrundausrüstungHöheres Vertrauen, stärkeres Engagement, organisches WachstumPersönliche Kandidatinnen/Kandidaten, lokale MandateGlaubwürdigkeit, emotionale Bindung, Differenzierung
Regelmäßige Posting‑Strategie mit konsistenten ZeitenGering–Mittel, Planungsrahmen notwendigRedaktionskalender, Scheduling‑Tools, TeamkoordinationBessere Sichtbarkeit durch Algorithmus; konstantes EngagementTeams mit klarer Arbeitsorganisation, DauerkommunikationPlanbarkeit, Algorithmus‑Vorteil, reduzierte Last‑Minute‑Arbeit
Video‑ und Reel‑Inhalte als KernformatMittel–Hoch, Produktionsskills erforderlichAufnahme‑ und Schnittaufwand; evtl. externe UnterstützungDeutlich höhere Reichweite und Engagement; Follower‑ZuwachsReichweitensteigerung, junge Zielgruppen, ErklärformateBreite Verteilung, schnelle Themenvermittlung, hohe Sichtbarkeit
Einsatz von Instagram Stories für KontinuitätGering, schnell produzierbarKontinuierliche Content‑Erstellung; Monitoring von AntwortenHohe kurzfristige Sichtbarkeit; bessere RetentionTagesaktuelle Updates, Behind‑the‑Scenes, EventberichterstattungNiedriger Perfektionsdruck, Interaktion, Highlights für Dauerinhalte
Community‑Management und aktive Engagement‑KulturMittel–Hoch, Regelwerke und Schulung nötigDediziertes Personal (1–2 Personen), ModerationsrichtlinienHöheres Engagement, Vertrauen und schnellere ReaktionsfähigkeitPolitisch kontroverse Profile, BürgerdialogeDirekter Dialog, User‑Feedback, Abgrenzung von Automatisierung
Zielgerichtete Hashtag‑Nutzung und Community‑RechercheGering, systematische Recherche erforderlichZeit für Analyse; Liste/Monitoring‑ToolsGezielte Reichweite; qualifizierte neue FollowerLokale Ansprache, themenspezifische PostsKosten‑effiziente organische Sichtbarkeit, zielgerichtete Discovery
Thematische Kampagnen und narrative BögenHoch, langfristige Planung und KreativarbeitDesign, cross‑format Produktion, Koordination über WochenStärkere Aufmerksamkeit, konsistentes Messaging, höhere Kampagnen‑KPIsPolitische Kampagnen, Themen‑Sprints (4–8 Wochen)Narrativstärke, Wiedererkennung, professionelle Außenwirkung
Zusammenarbeit mit lokalen Multiplikatoren und AccountsMittel, Abstimmung und BeziehungspflegeOutreach‑Zeit, Abstimmungsmeetings, ggf. gemeinsame FormateSchnelleres Wachstum durch Audience‑Sharing; lokale LegitimitätLokale Netzwerke, VeranstaltungskooperationenCredibility‑Transfer, Reichweitenhebel, Netzwerkausbau
Kooperationen mit lokalen Creatoren und InfluencernMittel–Hoch, Auswahl und VertragsfragenMögliche Kosten, Briefings, Co‑Creation‑ZeitAuthentische Ansprache neuer Communities; kreativer ContentZielgruppenspezifische Kampagnen, kreative FormateVertrauensübertragung, kreative Vielfalt, Reichweitenerweiterung
Datengestützte Optimierung, A/B‑Testing und CTAsMittel, systematisches Testen nötigAnalytics‑Tools (Meta), wöchentliches Reporting, analytische KapazitätenMessbare Performance‑Steigerung; bessere Ressourcennutzung; mehr FollowerTeams, die kontinuierlich optimieren wollen; Ads‑IntegrationEntfall von Vermutungen, schnellere Optimierung, nachweisbare Effekte

Aus zehn Tipps wird ein tragfähiger Redaktionsplan

Die zehn Ansätze wirken zusammen, nicht als Sammlung isolierter Tricks. Beginnen Sie mit dem Profil. Klären Sie, welche politische Haltung sichtbar werden soll, für welche Menschen der Account relevant ist und welche Themen Sie dauerhaft besetzen können. Parteien, Fraktionen, Kandidatinnen und Kandidaten sowie kommunale Einrichtungen brauchen dabei unterschiedliche Grenzen, aber alle benötigen eine erkennbare Antwort auf die Frage, warum jemand folgen sollte.

Legen Sie danach wiederholbare Formate fest. Ein Reel für eine kurze Erklärung, ein Carousel für Zusammenhänge, Stories für laufende Einblicke und ein persönlicher Beitrag für Haltung können ein überschaubares Grundsystem bilden. Wählen Sie nur Formate, die Ihr Team regelmässig produzieren kann. Ein aufwendiges Konzept, das nach wenigen Wochen aus Zeitgründen ausfällt, ist schlechter als ein einfacherer Plan, der zuverlässig funktioniert.

Organisieren Sie den Dialog, bevor die Reichweite wächst. Bestimmen Sie mindestens zwei verantwortliche Personen, definieren Sie Eskalationswege und legen Sie einen sachlichen Umgang mit Kritik fest. Gerade politische Accounts dürfen Kommentare nicht nur als Kennzahl betrachten. Sie sind ein Teil der öffentlichen Kommunikation und müssen mit Datenschutz, Neutralität, Zuständigkeiten und möglichen Konflikten umgehen.

Erschliessen Sie anschliessend lokale Reichweite. Kooperieren Sie mit passenden Vereinen, Institutionen, Medien und Creatorn, wenn ein gemeinsamer Inhalt echten Mehrwert bietet. Prüfen Sie jede Zusammenarbeit auf politische Passung, Transparenz und konkreten Nutzen. Eine reine Reichweitenlogik führt leicht zu unglaubwürdigen Formaten.

Für den Start reicht ein klarer zweiwöchiger Content Kalender. Ergänzen Sie ihn um eine geprüfte Hashtag Liste, feste Zuständigkeiten im Community Management und ein einfaches Auswertungsblatt. Nach jeder Woche sollten Sie eine Entscheidung treffen, etwa ein Format fortzuführen, einen Einstieg zu ändern oder eine Zielgruppe genauer anzusprechen.

Die deutsche Nutzerstruktur spricht dabei für eine breitere Ansprache als die oft pauschal beschworene junge Instagram Community. Anfang 2026 wurde die grösste Altersgruppe in Deutschland bei den 25 bis 34 Jährigen ausgewiesen, mit 11,5 Millionen Personen. Frauen stellten 52,3 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer, wie die Daten zu Alter und Geschlecht der Instagram Nutzung in Deutschland zeigen. Ältere Zielgruppen sollten Sie deshalb nicht ausblenden. Themen, Sprache und Bildwelt müssen zum jeweiligen Anliegen passen.

Die Reichweite bleibt gross, aber sie ist kein Selbstzweck. Je nach Messmethode lagen die Schätzungen für Deutschland zwischen 31,3 Millionen und 35,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzern, wie DataReportal für Deutschland und NapoleonCat für Januar 2026 ausweisen. Solche Unterschiede zeigen, dass Messmethoden und Zeitpunkte eine Rolle spielen. Für Ihre Arbeit zählt vor allem, ob die richtigen Menschen wiederkommen, Fragen stellen und Ihre Inhalte im lokalen Kontext weitergeben.

Ads setzen Sie erst ein, wenn organisch sichtbar ist, welche Botschaft funktioniert. Prüfen Sie Zielgruppe, Anlass und Erwartung vor jeder Kampagne. So bleibt bezahlte Reichweite ein Verstärker und wird nicht zum Ersatz für Strategie, Regelmässigkeit und glaubwürdige politische Kommunikation.


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Simon Mai

Über die Autorin / den Autor

Simon Mai

Simon Mai ist Geschäftsführer der Spezialagentur creategy. Zuvor war er im Bundestag und EU-Parlament tätig. Er hat bereits über 100 Wahlkämpfe begleitet.

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