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- Was eine Bürgermeisterkandidatur heute bedeutet
- Der Aufwand wird häufig unterschätzt
- Rechtliche Voraussetzungen und Fristen
- Bayern verlangt präzise Vorbereitung
- Länder unterscheiden sich deutlich
- Die eigene Ausgangslage realistisch einschätzen
- Der ehrliche Fragenkatalog
- Das Kampagnenteam gezielt aufbauen
- Vier Rollen, vier Verantwortungen
- Auswahl nach Fähigkeit, nicht nach Freundschaft
- Zeitplan und Meilensteine bis zur Stichwahl
- Die Phasen der Vorbereitung
- Die Stichwahl beginnt vor dem ersten Wahlgang
- Botschaften und Themenführung schärfen
- Sachbotschaft und Wertebotschaft trennen
- Für die Stichwahl anschlussfähig bleiben
- Budget, Kennzahlen und Erfolgskontrolle
- Frühindikatoren statt Bauchgefühl
Sie überlegen, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Vielleicht sprechen Sie bereits mit Freunden, einer Partei oder einer Bürgerliste. Vielleicht haben Sie auch nur den Eindruck, dass es in Ihrer Gemeinde besser laufen könnte. Beides reicht als Ausgangspunkt, aber noch nicht für eine tragfähige Kandidatur. Ein Bürgermeisterwahlkampf verlangt Zeit, belastbare Unterstützung, rechtliche Sorgfalt und eine Botschaft, die Menschen im Alltag verstehen.
Die Direktwahl von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern ist in Deutschland ein vergleichsweise junges Element der Kommunalverfassung. Heute werden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in allen Bundesländern in der Regel direkt gewählt. Die Amtsdauer beträgt je nach Land meist fünf bis acht Jahre, das Wahlverfahren folgt grundsätzlich dem Mehrheitsprinzip. Die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert die Grundlagen der Kommunalwahlen. Wer im ersten Wahlgang keine Mehrheit erreicht, muss in vielen Ländern mit einer Stichwahl rechnen.
Was eine Bürgermeisterkandidatur heute bedeutet
Am Tag nach der öffentlichen Ankündigung verändert sich Ihr Alltag. Beruf, Familie und privates Umfeld bleiben bestehen, zugleich werden Ihre Entscheidungen, Kontakte und Aussagen öffentlich bewertet. Die Bürgerinnen und Bürger prüfen, ob Sie zuhören, entscheiden, Konflikte aushalten und eine Verwaltung führen können. Ihr Programm ist nur ein Teil dieser Prüfung.
Die Beteiligung fällt bei Bürgermeisterwahlen häufig geringer aus als bei bundesweiten Wahlen. Baden-Württemberg zeigt die Größenordnung: Bei den Bürgermeisterwahlen 2025 lag die durchschnittliche Beteiligung bei den Hauptwahlen bei 50,6 Prozent, bei den Stichwahlen bei 51,7 Prozent. Eine Auswertung zur strategischen Vorbereitung der Bürgermeisterwahl ordnet außerdem die Wettbewerbssituation ein. In 69 Gemeinden kandidierte nur eine Person. Wo wenige Bewerber antreten, entscheidet deshalb nicht automatisch ein vermeintlicher Vorteil. Vertrauen und die tatsächliche Mobilisierung der Unterstützer bleiben ausschlaggebend.
Der Aufwand wird häufig unterschätzt
In einer typischen Mittelstadt führen Sie weiterhin Ihren Beruf und Ihr Familienleben. Nach dem öffentlichen Start kommen Gespräche, Termine, Medienanfragen, Vereinsbesuche, Haustürgespräche, Sitzungen und interne Abstimmungen hinzu. Gestaltung, Druck, digitale Kommunikation, rechtliche Prüfung und Teamorganisation laufen parallel. Die Formalien folgen festen Fristen, die Kampagne braucht täglich Entscheidungen.
Die Ausgangslage ist selten allein der Grund für eine Niederlage. Häufig startet die Kerncrew zu spät, die Botschaft bleibt unklar oder die private Belastung wird falsch eingeschätzt. Prüfen Sie daher früh und offen: Welche Chance besteht, welcher Preis ist dafür zu zahlen und wer trägt den Aufwand mit?
Praktische Regel: Entscheiden Sie nicht aus Empörung oder Euphorie. Entscheiden Sie erst, wenn Team, Zeit, Formalien und persönliche Belastbarkeit geprüft sind.
Beginnen Sie mit einer strukturierten Analyse der Gemeinde, der Bewerberlage und Ihrer eigenen Bekanntheit. Die Vorbereitung verbindet rechtliche Anforderungen mit der strategischen Realität einer Personenkampagne. Je früher Sie diese Arbeit erledigen, desto größer bleibt Ihr Spielraum bei Themen, Team und Mobilisierung.
Rechtliche Voraussetzungen und Fristen
Die Formalien sind kein Verwaltungsdetail, das man am Ende nebenbei erledigt. Eine verspätete Einreichung, eine fehlende Unterschrift oder ein Formfehler kann die gesamte Kandidatur gefährden. Lassen Sie deshalb früh klären, welches Landesrecht gilt und wer in der Gemeinde für die Wahlleitung zuständig ist.
Für die Wählbarkeit gelten je nach Land konkrete kommunalrechtliche Voraussetzungen. In den hier betrachteten Regelungen zählen dazu grundsätzlich die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates, ein Mindestalter von 18 Jahren sowie ein Hauptwohnsitz in der Gemeinde. Ein Richter- oder Berufsrichterstatus kann der Wählbarkeit entgegenstehen. Diese Punkte müssen Sie vor jeder öffentlichen Ankündigung mit der zuständigen Wahlleitung prüfen.
Bayern verlangt präzise Vorbereitung
In Bayern muss ein Wahlvorschlag für die Bürgermeisterwahl grundsätzlich von zehn wahlberechtigten Personen persönlich unterschrieben werden. Für neue Wahlvorschlagsträger kommen zusätzliche Unterstützungsunterschriften hinzu, wenn der Träger nicht bereits bis zum 90. Tag vor dem Wahltag mit einem eigenen Wahlvorschlag im Gemeinderat vertreten war. Das Bayerische Staatsministerium des Innern beschreibt die kommunalrechtlichen Anforderungen.
Die Unterstützungsliste darf frühestens mit der Einreichung des Wahlvorschlags beginnen und muss spätestens bis zum 48. Tag vor dem Wahltag um 12 Uhr abgeschlossen sein. Nach Art. 27 GLKrWG richtet sich die Zahl der zusätzlichen Unterschriften nach der Gemeindegröße. Unter bestimmten Voraussetzungen können gemeinsame Wahlvorschläge von weiteren Unterschriften befreit sein. Die gesetzliche Regelung zu den Unterstützungsunterschriften in Bayern muss deshalb im konkreten Fall geprüft werden.
Länder unterscheiden sich deutlich
Ein Wahlvorschlag eines unabhängigen Bewerbers, sofern es sich nicht um den Amtsinhaber handelt, muss von einer Mindestzahl wahlberechtigter Personen persönlich und handschriftlich unterzeichnet werden. Jede wahlberechtigte Person darf nur einen Wahlvorschlag unterstützen, zudem muss die Gemeinde das Wahlrecht bestätigen. Die Bundesverwaltung erklärt die Anforderungen für unabhängige Bewerber.
| Gemeindegröße | Bayern | Baden-Württemberg |
|---|---|---|
| Unterstützungsunterschriften | gesetzlich nach Gemeindegröße | in allen Gemeinden erforderlich |
| Besonderheit | zusätzliche Unterschriften für neue Träger | Reform erweiterte die Pflicht |
| Prüfung | Gemeinde und Wahlleitung | Gemeinde und Wahlleitung |
Baden-Württemberg hat das Mindestalter für die Wählbarkeit zum Bürgermeister von 25 auf 18 Jahre abgesenkt. Gleichzeitig müssen seit der Reform Unterstützungsunterschriften in allen Gemeinden gesammelt werden, nicht nur in Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern. Die Landesinformation zur Änderung des Kommunalwahlrechts zeigt, warum Kandidatinnen und Kandidaten nicht mit einer landesweit einheitlichen Praxis rechnen dürfen.
Prüfen Sie auch, ob Wahlvorschlag, Aufstellungsversammlung, Niederschriften und Unterstützungslisten vollständig sind. Vorgaben zur Wahlwerbung, insbesondere zur Anbieterkennzeichnung, sollten Sie ebenfalls früh berücksichtigen, etwa bei der Impressumspflicht für Wahlwerbung. In Brandenburg müssen Wahlvorschläge bis zum 66. Tag vor der Wahl um 12 Uhr bei der Wahlleitung eingereicht werden. Fehlende Unterstützungsunterschriften können nach Ablauf der Frist nicht nachgereicht werden. Die Hinweise für Bewerbende in Brandenburg machen die zentrale Konsequenz klar: Fristen gehören in den Kampagnenplan, nicht in den Kalender einer einzelnen Person.
Die eigene Ausgangslage realistisch einschätzen
Bevor Sie ein Logo entwickeln oder ein Programm schreiben, müssen Sie Ihre politische Ausgangslage kennen. Drei Profile treten bei Bürgermeisterwahlen besonders häufig auf, und jedes verlangt eine andere Kampagnenlogik.
Der Amtsinhaber verfügt meist über Verwaltungserfahrung, bekannte Projekte und regelmäßige öffentliche Kontakte. Seine Schwäche liegt in der Angriffsfläche des Amts. Bürgerinnen und Bürger bewerten konkrete Entscheidungen, Verzögerungen und ungelöste Probleme. Die richtige Strategie ist kein reiner Rückblick, sondern eine Verbindung aus Leistungsbilanz, Lernfähigkeit und einem glaubwürdigen Plan für die nächste Amtszeit.
Der externe Herausforderer aus der Wirtschaft bringt oft ein Wirtschaftsnetzwerk, Führungserfahrung und einen Blick von außen mit. Dafür fehlen ihm möglicherweise Kenntnisse der Verwaltung und gewachsene Kontakte in Vereinen, Ortsteilen oder Initiativen. Er muss beweisen, dass er nicht nur Probleme benennt, sondern kommunale Verfahren versteht und Verantwortung im öffentlichen Raum übernehmen kann.
Die parteilose Kandidatin mit Bürgerlisten-Hintergrund kann glaubwürdig für Unabhängigkeit und Nähe zu Bürgerinnen und Bürgern stehen. Ihre Herausforderung ist der Zugang zu Ressourcen. Ohne Parteiapparat müssen Unterstützer, Räume, Material, Pressearbeit und Mobilisierung selbst organisiert werden. Dafür kann eine Querschnittsstrategie funktionieren, die unterschiedliche Milieus über lokale Anliegen verbindet.
Der ehrliche Fragenkatalog
Bewerten Sie sich schriftlich, nicht im vertrauten Kreis, in dem niemand unangenehme Fragen stellt:
- Bekanntheit: In welchen Ortsteilen kennt man Sie persönlich, und wofür?
- Vertrauen: Welche Menschen würden öffentlich für Sie einstehen?
- Verwaltung: Können Sie Haushaltsfragen, Personalverantwortung und kommunale Verfahren überzeugend erklären?
- Konfliktfähigkeit: Wie reagieren Sie, wenn ein Verein, eine Initiative oder ein lokales Medium Sie scharf kritisiert?
- Ressourcen: Wer übernimmt Organisation, Fundraising, Termine und digitale Kommunikation?
- Privates Umfeld: Trägt Ihre Familie die öffentliche Belastung mit?
Wer diese Fragen nicht beantworten kann, kennt seine Ausgangslage nicht. Dann wird Geld häufig an die falsche Zielgruppe verteilt, während wichtige Kontakte unberührt bleiben. Besonders gefährlich ist die Annahme, der erste Wahlgang entscheide alles. Die Direktwahl folgt grundsätzlich dem Mehrheitsprinzip, und in vielen Ländern kommt es bei fehlender Mehrheit zur Stichwahl. Ihre Strategie muss deshalb von Beginn an zwischen Grundmobilisierung und späterer Anschlussfähigkeit unterscheiden.
Das Kampagnenteam gezielt aufbauen
Eine Bürgermeisterkampagne braucht keine möglichst große Gruppe, sondern eine klare Verantwortungsstruktur. Freunde und Verwandte können wertvolle Unterstützer sein. Sie ersetzen aber nicht automatisch professionelle Steuerung, Pressearbeit oder rechtliche Kontrolle.

Vier Rollen, vier Verantwortungen
Die Kampagnenleitung trifft strategische Grundsatzentscheidungen, kontrolliert das Budget und schützt die zentrale Botschaft. Diese Rolle sollte bei einer Person oder einem kleinen Kreis liegen, nicht bei einer offenen Runde ohne Entscheidungsbefugnis.
Der Wahlkampfmanager übersetzt die Strategie in Wochenpläne. Er organisiert Termine, koordiniert Material, hält Fristen nach und sorgt dafür, dass Haustüraktionen, Veranstaltungen und Unterstützerarbeit nicht nebeneinanderher laufen. Politische Erfahrung ist hilfreich, organisatorische Disziplin ist unverzichtbar.
Der Pressesprecher pflegt Kontakte zu Lokalmedien, schreibt Pressemitteilungen und bereitet die Kandidatin oder den Kandidaten auf Interviews und Krisensituationen vor. Wer digitale Kompetenz besitzt, kann zusätzlich Social Media koordinieren. Die Rolle darf trotzdem nicht zur Ablage für alle Kommunikationsaufgaben werden.
Ehrenamtliche Unterstützerteams übernehmen Mobilisierung vor Ort, Flyer-Verteilung, Veranstaltungsunterstützung und persönliche Kontakte. Sie brauchen klare Einsatzaufträge, kurze Briefings und eine Ansprechperson. Ein Team, das nicht weiss, was es sagen und weitergeben soll, produziert keine Nähe, sondern widersprüchliche Eindrücke.
Auswahl nach Fähigkeit, nicht nach Freundschaft
Besetzen Sie strategische und rechtlich sensible Aufgaben möglichst mit erfahrenen Kräften. Ehrenamtliche können viele operative Aufgaben übernehmen, wenn Briefings, Freigaben und Rückmeldeschleifen funktionieren. Bei engem Budget sollten Sie zuerst die Steuerung absichern und erst danach zusätzliche Gestaltung oder Reichweite finanzieren.
Die ersten Aufträge sind klar: Gemeinde und Wählergruppen analysieren, Themen priorisieren, Materialproduktion organisieren und einen Plan für Tür-zu-Tür-Gespräche erstellen. Vermeiden Sie drei Fehler:
- Zu später Start: Die Kerncrew muss vor der öffentlichen Kandidatur arbeitsfähig sein.
- Freundeskreis statt Struktur: Persönliche Loyalität ersetzt keine Zuständigkeit.
- Entscheidungsnebel: Jede Aufgabe braucht eine verantwortliche Person und einen festen Termin.
Für externe Unterstützung können Sie eine Agentur für politische Arbeit und Kampagnen einbinden. Entscheidend bleibt, dass Sie intern einen klaren Ansprechpartner benennen und nicht mehrere Personen parallel widersprüchliche Aufträge erteilen.
Zeitplan und Meilensteine bis zur Stichwahl
Planen Sie rückwärts vom Wahltag und behandeln Sie die Stichwahl als mögliches Szenario, nicht als Überraschung. Die Bundesländer unterscheiden sich bei Amtszeiten, Wahlterminen und Fristen erheblich. In Bayern setzt die Staatsregierung den Wahltermin für Gemeinde- und Landkreiswahlen spätestens sechs Monate vor dem Wahltag fest. Diese Vorgabe schafft Vorlauf, nimmt Ihnen aber nicht die Pflicht ab, früher mit der Vorbereitung zu beginnen.
Die Phasen der Vorbereitung
Zwölf bis neun Monate vor dem Wahltag prüfen Sie die Kandidatur. Klären Sie Wählbarkeit, private Belastbarkeit, Bewerberlage, Unterstützer und mögliche Konfliktfelder. Eine interne Seltsamkeitsprüfung gehört dazu: Gibt es formale Besonderheiten, alte Konflikte, unklare Aussagen oder berufliche Vorgänge, die später öffentlich werden könnten?
Neun bis sechs Monate vorher bauen Sie das Team auf, schärfen die Positionierung und entscheiden über Partei, Bürgerliste oder unabhängige Kandidatur. Die Aufstellungsversammlung muss sauber vorbereitet werden. Programm, Biografie und erste Gesprächsformate sollten jetzt entstehen, nicht erst nach der Nominierung.
Sechs bis drei Monate vor der Wahl beginnt die sichtbare Mobilisierung. Produzieren Sie die ersten Materialien, starten Sie persönliche Gespräche und testen Sie, welche Themen im Ort Resonanz auslösen. Der Wahlvorschlag und die Unterstützungsunterschriften gehören in diesen Abschnitt, wobei die konkrete Frist des jeweiligen Landesrechts maßgeblich bleibt.
Drei Monate bis zum Wahltag konzentrieren Sie sich auf Präsenz, Haustürgespräche, Debatten, lokale Medien und die Aktivierung der Unterstützer. Mindestens sechs Wochen vor dem Wahltag sollte eine Pufferzeit für Nachdrucke, Korrekturen, Ersatztermine und rechtliche Prüfungen eingeplant sein.

Die Stichwahl beginnt vor dem ersten Wahlgang
In vielen Bundesländern liegt die Stichwahl bereits kurze Zeit nach dem ersten Wahlgang. Dadurch bleibt kaum Raum für eine komplette Neupositionierung. Sie brauchen deshalb schon vorher Drehbücher für verschiedene Ergebnisse: Welche Themen werden zugespitzt, welche Unterstützergruppen werden angesprochen und wie reagieren Sie auf den ausgeschiedenen Bewerber?
Die Stichwahl verändert die Tonalität. Ein polarisierender Angriff kann im ersten Wahlgang mobilisieren und in der zweiten Runde neue Wähler abschrecken. Ein realistischer Zeitplan für die letzten zwölf Wochen sollte deshalb nicht nur Werbemittel, sondern auch Entscheidungsregeln enthalten. Wer entscheidet am Wahlabend, wer gibt Interviews und welche Botschaft gilt am nächsten Morgen?
Botschaften und Themenführung schärfen
Eine Bürgermeisterkandidatur gewinnt selten mit der längsten Themenliste. Sie gewinnt, wenn Menschen sofort verstehen, wofür die Kandidatin oder der Kandidat steht und welchen konkreten Nutzen die Amtsführung bringen soll. Die Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg 2025 zeigen, wie unterschiedlich Wettbewerb und Mobilisierung vor Ort ausfallen. Ihre Botschaft muss deshalb zur Gemeinde, zur Ausgangslage und zur eigenen Person passen.
Starten Sie mit drei Themenfeldern. Wirtschaftliche Entwicklung, Bildung und Betreuung sowie Stadtentwicklung und Infrastruktur bieten mögliche Säulen. Entscheidend ist die Übersetzung in lokale Entscheidungen. Sagen Sie nicht nur, dass Sie die Wirtschaft stärken wollen. Benennen Sie, welche Verfahren Sie schneller, verlässlicher oder transparenter machen möchten.
Sachbotschaft und Wertebotschaft trennen
Eine Sachbotschaft beantwortet die Frage: Was soll konkret geschehen? Eine Wertebotschaft beschreibt, wie die Gemeinde geführt werden soll. Beide Ebenen müssen zusammenpassen. „Wir schaffen verlässliche Betreuungsangebote“ ist eine Sachbotschaft. „Familien sollen sich auf ihre Gemeinde verlassen können“ benennt den Wert dahinter.
| Themenfeld | Beispielbotschaft | Zielgruppe | Hauptformat |
|---|---|---|---|
| Wirtschaftliche Entwicklung | Verlässliche Entscheidungen für lokale Betriebe | Gewerbe, Beschäftigte, Selbstständige | Unternehmensgespräche, Lokalpresse |
| Bildung und Betreuung | Gute Betreuung schafft Sicherheit im Alltag | Familien, pädagogische Fachkräfte | Haustürgespräche, Veranstaltungen |
| Stadtentwicklung und Infrastruktur | Investitionen werden nachvollziehbar priorisiert | Ortsteile, Pendler, Vereine | Bürgerrunden, Website |
Formulieren Sie eine Kernbotschaft, die in einem Satz funktioniert. Daraus entwickeln Sie drei Themenbotschaften, kurze Antworten auf kritische Fragen und konkrete Beispiele aus dem Gemeindealltag. Jede Aussage muss im Haustürgespräch, in sozialen Medien und in der Lokalpresse verständlich bleiben. Prüfen Sie außerdem früh, ob die Formulierungen zu den rechtlichen Vorgaben für Wahlwerbung und zu den verfügbaren Produktionszeiten passen. Eine gute Idee, die zu spät geprüft oder gedruckt wird, hilft im Wahlkampf nicht.
Für die Stichwahl anschlussfähig bleiben
Nach dem ersten Wahlgang verändern sich die Mehrheiten. Wählerinnen und Wähler ausgeschiedener Bewerber entscheiden nicht automatisch nach Parteizugehörigkeit. Sie prüfen Person, Stil und Themen. Entwickeln Sie deshalb keine neue Botschaft für jede denkbare Gruppe. Halten Sie den Kern stabil und passen Sie die Begründung an.
Eine gute Stichwahlbotschaft beantwortet, warum auch Menschen, die im ersten Wahlgang anders gewählt haben, Ihnen Verantwortung übertragen können. Respekt gegenüber ausgeschiedenen Kandidatinnen und Kandidaten, konkrete Gesprächsangebote und ein ruhiger Ton schaffen dafür mehr Anschlussfähigkeit als neue Nebenschauplätze. Legen Sie diese Linie vor dem ersten Wahlgang fest. Zwischen den Wahlgängen bleibt wenig Zeit für Abstimmung, rechtliche Prüfung und neue Materialien.
Budget, Kennzahlen und Erfolgskontrolle
Budgetplanung beginnt mit einer unangenehmen Wahrheit: Sichtbarkeit kostet Geld, persönliche Mobilisierung kostet Zeit und professionelle Steuerung kostet beides. Die häufig genannten Größenordnungen von 15.000 bis 30.000 Euro, 40.000 bis 80.000 Euro oder 120.000 Euro und mehr dürfen Sie nicht als allgemeingültige Preislisten behandeln. Ohne geprüfte Angebote und eine konkrete Gemeindeanalyse wären solche Summen keine belastbare Planung.
Ordnen Sie Ihr Budget stattdessen nach Aufgaben. Plakate, Social Media, Veranstaltungen, Personal und Datenmanagement konkurrieren um dieselben Mittel. Entscheiden Sie zuerst, welche Zielgruppen Sie erreichen müssen, und wählen Sie danach die passenden Formate.
| Posten / Kennzahl | Kleinstadt | Mittelstadt | Großstadt |
|---|---|---|---|
| Material | konzentriert auf Kernorte und zentrale Themen | mehrere Ortsteile und Zielgruppen | skalierbare Produktion mit Varianten |
| Social Media | persönliche Präsenz und lokale Aktualität | kontinuierlicher Redaktionsplan | differenzierte Zielgruppenansprache |
| Veranstaltungen | wenige, gut vorbereitete Formate | regelmäßige Bürgerrunden | mehrere Veranstaltungs- und Medienformate |
| Personal | zentrale Steuerung, Ehrenamt | feste operative Koordination | spezialisierte Rollen und externe Unterstützung |
| Datenmanagement | einfache Kontaktliste | strukturiertes Kampagnenboard | abgestimmtes Dashboard und Freigabeprozesse |
Frühindikatoren statt Bauchgefühl
Messen Sie ab dem Start wöchentlich, ob die Kampagne vorankommt. Unterstützerzahlen pro Woche, Kontakte bei Veranstaltungen, Website-Traffic, Newsletter-Wachstum und die Größe des aktiven Wahlkampfteams zeigen, ob aus Aufmerksamkeit tatsächliche Beteiligung wird. Eine Zahl allein entscheidet nichts. Der Trend und die Qualität der Kontakte sind wichtiger.
Ein einfaches Dashboard genügt. Legen Sie pro Woche Sollwerte für Budgetverbrauch, persönliche Gespräche, neue Unterstützer, Veranstaltungen und veröffentlichte Inhalte fest. Ergänzen Sie Istwerte, Abweichung, Ursache und nächste Entscheidung. Wenn der Budgetverbrauch steigt, die Mobilisierung aber stagniert, stoppen Sie nicht reflexartig die gesamte Kampagne. Prüfen Sie zuerst Botschaft, Zielgruppe und Ausführung.
Entscheidungsregel: Jede Kennzahl braucht eine Konsequenz. Bei anhaltender Abweichung ändern Sie das Format, erweitern Sie das Team oder öffnen Sie eine neue Spendenrunde. Dokumentieren Sie die Entscheidung und prüfen Sie sie in der folgenden Woche.
Für digitale Maßnahmen sollten Sie sauber erfassen, welche Inhalte Kontakte auslösen und welche nur Reichweite erzeugen. Conversion-Tracking im Wahlkampf kann dabei helfen, den Weg von der digitalen Aufmerksamkeit zur konkreten Unterstützung nachvollziehbar zu machen. Beachten Sie Datenschutz, Einwilligungen und die kommunalrechtlichen Vorgaben.
Ihre Abschlussprüfung sollte vier Fragen beantworten:
- Formalia: Sind Wählbarkeit, Aufstellungsversammlung, Wahlvorschlag und Unterstützungsunterschriften geprüft?
- Strategie: Ist klar, welche Personengruppen Sie mit welcher Kernbotschaft erreichen?
- Organisation: Gibt es für jede zentrale Aufgabe eine verantwortliche Person?
- Stichwahl: Liegen Kommunikations- und Mobilisierungsszenarien für den zweiten Wahlgang bereit?
Wenn Sie diese Fragen nicht überzeugend beantworten können, ist die Kandidatur noch nicht startklar. Wenn Sie sie beantworten können, beginnt die eigentliche Arbeit. creategy GmbH begleitet Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten von der strategischen Analyse über Team, Botschaft und Umsetzung bis zum Wahltag, als Full-Service oder modular. Besuchen Sie creategy GmbH, wenn Sie Ihre Kandidatur professionell prüfen und einen belastbaren Wahlkampf aufbauen möchten.

