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Wahlen gewinnen 14 Min. Lesezeit30. September 2026

Wahlplakat gestalten: von der Botschaft zum Aushang

Wahlplakat gestalten mit klarem Konzept: Botschaft, Design, rechtliche Vorgaben, Druck und Verteilung kompakt erklärt.

Simon Mai

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Simon Mai

Wahlplakat gestalten: von der Botschaft zum Aushang
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Viele Kandidatinnen und Kandidaten starten mit einer groben Idee: ein gutes Foto, das Parteilogo, vielleicht ein Slogan und der Wunsch, im Ort sichtbar zu werden. Dann landet der Entwurf schnell im Layoutprogramm, obwohl die entscheidenden Fragen noch offen sind. Welche Botschaft soll im Vorbeifahren hängen bleiben? Darf das Plakat an den geplanten Standorten überhaupt stehen? Und hat das Team genug Zeit, die Plakate aufzuhängen, zu kontrollieren und später wieder abzunehmen?

Ein Wahlplakat funktioniert nur, wenn Strategie, Gestaltung und kommunale Praxis zusammenpassen. Wer allein auf ein auffälliges Motiv setzt, kann viel Geld in Druck und Logistik stecken, ohne eine klare Erinnerung zu erzeugen. Wer dagegen zuerst die Botschaft schärft, die örtlichen Regeln prüft und die Verteilung plant, gestaltet ein Plakat, das nicht nur gut aussieht, sondern tatsächlich an den Laternenpfahl kommt.

Wenn ein Wahlplakat mehr sein soll als nur ein Aushang

Das Wahlplakat hat in Deutschland eine lange politische Geschichte. Laut Bundeszentrale für politische Bildung dominierten von den Anfängen der Weimarer Republik bis in die 1950er Jahre grafische und zeichnerische Motive. Porträts der Spitzenkandidaten und reine Wortplakate setzten sich erst in der Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre stärker durch. Das zeigt, wie sich die visuelle Sprache verändert hat, während das Format selbst über mehr als ein Jahrhundert prägend geblieben ist.

Auch die Überlieferung macht die Bedeutung sichtbar. Das Plakatarchiv der Konrad-Adenauer-Stiftung umfasst über 23.000 vorwiegend politische Plakate verschiedener Parteien und Organisationen, besonders zu Bundestagswahlen seit 1949. Das Bundesarchiv führt zudem Wahlplakate zu den ersten Bundestagswahlen 1949 und 1953 als eigene historische Sammlung. Wer ein Wahlplakat gestalten will, arbeitet daher in einem gewachsenen Kommunikationskanal, in dem Wiedererkennbarkeit, Bildsymbolik und Personalisierung über viele Wahlzyklen hinweg erprobt wurden.

Drei Entscheidungen vor dem ersten Entwurf

Die erste Entscheidung betrifft die Kernbotschaft. Ein Plakat kann kein Parteiprogramm ersetzen. Es muss einen politischen Schwerpunkt so verdichten, dass Menschen ihn bei kurzer Wahrnehmung erfassen. Fragen Sie deshalb nicht zuerst, welche Farbe gut aussieht, sondern: Was soll jemand nach dem Vorbeifahren über unsere Kandidatin, unseren Kandidaten oder unsere Kampagne erinnern?

Die zweite Entscheidung betrifft die kommunale Zulässigkeit. Ein Motiv kann gestalterisch fertig sein und trotzdem nicht an den geplanten Ort dürfen. Gemeinden regeln unter anderem Standorte, Fristen, Abstände, Größen und die Zahl der Plakate. Diese Prüfung gehört an den Anfang, nicht in die letzte Woche vor dem Druck.

Die dritte Entscheidung betrifft die Umsetzbarkeit im Team. Ein Plakat entfaltet nur dort Wirkung, wo es hängt, gesehen wird und in einem einheitlichen Erscheinungsbild auftaucht. Klären Sie deshalb früh, wer Druckdaten freigibt, Genehmigungen beantragt, Routen plant, Befestigungsmaterial beschafft und den Rückbau übernimmt.

Infografik mit vier Tipps zur Gestaltung wirkungsvoller Wahlplakate für eine bessere Sichtbarkeit im öffentlichen Raum.

Was Plakate leisten können

Nach einer Studie der Universität Hohenheim erreichen Wahlplakate in Deutschland 80 bis 90 Prozent der Wahlberechtigten. Die besten Plakate kommen dabei auf etwa 30 bis 40 Prozent Reichweite. Die Studie der Universität Hohenheim leitet daraus eine klare praktische Anforderung ab: Das Motiv muss schnell wirken, der Slogan muss prägnant sein und die Blickführung sollte in wenigen Schritten funktionieren, etwa vom Motiv über die Schlagzeile zum Logo.

Eine Nachwahlstudie der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Bundestagswahl 2021 zeigte, dass 92 Prozent der Befragten mindestens ein Wahlplakat gesehen hatten. Zugleich deuten die dort zusammengefassten wissenschaftlichen Befunde darauf hin, dass Plakate Einstellungen kaum direkt verändern. Sie leisten vor allem Mobilisierung, Themenbetonung und Wiedererkennung. Die Einordnung des Saarländischen Rundfunks verweist außerdem darauf, dass Bildmotive etwa drei- bis viermal länger betrachtet werden als Textbestandteile, während der durchschnittliche Blickkontakt mit einem Plakat nur ungefähr zwei Sekunden beträgt.

Praktische Regel: Ein Plakat soll keinen Streit am Küchentisch gewinnen. Es soll dafür sorgen, dass eine Person Ihre Kandidatin, Ihren Kandidaten oder Ihre Botschaft im richtigen Moment wiedererkennt und zur Wahl geht.

Digitaler Wahlkampf ersetzt diese Funktion nicht automatisch. Das Plakat besetzt öffentlichen Raum, begegnet Menschen unabhängig davon, ob sie einem politischen Kanal folgen, und sorgt für eine sichtbare Präsenz der Kampagne. Die aktuelle KAS-Erhebung zu Plakat, Onlinewahlkampf und Haustürkontakt berichtet für die Bundestagswahl 2025, dass sich 93 Prozent der Wahlberechtigten an mindestens ein Wahlplakat erinnerten. Die strategische Frage lautet deshalb nicht, ob das Plakat sichtbar ist, sondern welche Botschaft aus dieser Sichtbarkeit entsteht und wie sie mit persönlichen Gesprächen und digitalen Angeboten verbunden wird.

Wer seine politische Geschichte und sein persönliches Profil in eine konsistente Kampagne übersetzen will, findet dazu einen vertiefenden Ansatz im Beitrag Storytelling im Wahlkampf.

Botschaft und Strategie als Fundament

Bevor Sie ein Foto auswählen, müssen Sie die Zielgruppe eingrenzen. „Alle im Wahlgebiet“ ist keine brauchbare Zielgruppe. Entscheiden Sie, ob das Plakat vor allem Erstwählerinnen und Erstwähler, Familien, ältere Menschen, Berufspendler oder Bewohner eines bestimmten Stadtteils ansprechen soll. Das Motiv und der Tonfall müssen zu den Menschen passen, die Sie an diesem Ort tatsächlich erreichen wollen.

Formulieren Sie danach eine Kernlinie in einem Satz. Sie sollte ohne Nebensatz auskommen und ein konkretes politisches Anliegen benennen. Abstrakte Begriffe wie „Zukunft“, „Verantwortung“ oder „Miteinander“ können dazugehören, tragen allein aber selten. Ein Slogan mit vier bis sechs Wörtern lässt sich in der Regel leichter erfassen als eine ausformulierte Forderung mit mehreren Themen.

Drei Bausteine haben auf einem Wahlplakat meist eine klare Aufgabe:

BausteinFunktionTypische Umsetzung
Name und ParteiIdentifikationGut sichtbarer Name, ergänzt um Parteiname oder Logo
KernbotschaftPolitische EinordnungEine kurze, konkrete Aussage mit eindeutigem Bezug zum Wahlgebiet
WahlaufrufMobilisierungAufforderung zur Wahl oder Hinweis auf eine konkrete Aktion

Die Reihenfolge ist entscheidend. Der Name darf nicht im Logo verschwinden, die Kernbotschaft darf nicht wie eine Bildunterschrift wirken und der Wahlaufruf sollte nicht mit dem Hauptslogan konkurrieren. Prüfen Sie den Entwurf in einer verkleinerten Ansicht. Wenn dann nur das Foto und ein Wort auffallen, fehlt meist die nötige Hierarchie.

Bei der Entwicklung wirksamer Wahlplakat-Slogans hilft ein einfacher Test: Lesen Sie den Entwurf laut vor und lassen Sie ihn danach von jemandem zusammenfassen, der nicht an der Kampagne beteiligt ist. Kommt die beabsichtigte Botschaft an, ist die Linie tragfähig. Wenn die Testperson nur das Motiv beschreibt, müssen Sie den Text oder die Bildidee überarbeiten.

Die politische Botschaft muss außerdem zum Auftritt der Kandidatin oder des Kandidaten passen. Vor Kamera und Pult entscheidet sich, ob Menschen Ihnen abnehmen, was Sie sagen. Im Mentoring für Rede- und Rhetoriktraining für Kandidaten arbeitet Michael Bußer, ehemaliger Staatssekretär und Regierungssprecher des Landes Hessen, mit Menschen vor konkreten Auftritten. Das Mentoring umfasst ein Vorgespräch, einen vollen Tag vor Ort und ein Nachgespräch. Dabei entstehen unter anderem eine mehrfach geübte Rede, eine Kernbotschaft mit drei Stützen sowie Strategien für Interviews, Fangfragen und kurze Podiumsbeiträge.

Design-Prinzipien für ein starkes Plakat

Ein Wahlplakat muss aus der Entfernung funktionieren, bevor es aus der Nähe vollständig gelesen wird. Dafür brauchen Sie keine möglichst dekorative Gestaltung, sondern eine kontrollierte Hierarchie. Prüfen Sie jeden Entwurf in Originalgröße, in einer verkleinerten Ansicht und unter Bedingungen, die dem späteren Standort ähneln.

Beginnen Sie mit der Typografie. Verwenden Sie eine gut lesbare Schrift, ausreichend Abstand zwischen den Zeilen und einen deutlichen Kontrast zum Hintergrund. Mehr als zwei Schriftfamilien erzeugen schnell den Eindruck eines Flyers, auf dem zu viele Botschaften gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen. Der Name, der Slogan und die ergänzenden Angaben müssen klar voneinander unterscheidbar sein.

Eine Infografik mit fünf Design-Prinzipien für die Gestaltung von wirkungsvollen Wahlplakaten inklusive Erläuterungen zur Lesbarkeit und Sichtweite.

Foto, Farbe und Blickführung

Ein Porträt sollte Vertrauen und Nähe vermitteln, ohne gestellt zu wirken. Achten Sie auf Blickrichtung, Gesichtsausdruck, Licht und Bildausschnitt. Wenn die Kandidatin oder der Kandidat aus dem Plakat herausblickt, sollte dieser Blick nicht in eine überfüllte Textzone führen. Lassen Sie dem Motiv Raum, statt das Foto mit Slogan, Symbolen und Zusatzinformationen zu überladen.

Farbe dient der Orientierung und Wiedererkennung. Eine begrenzte Farbwelt wirkt organisierter als ein Entwurf, der jede verfügbare Akzentfarbe nutzt. Helle, freundliche Farben können zugänglicher wirken, schrille Kontraste lenken dagegen schnell vom Gesicht oder vom Slogan ab. Entscheidend ist nicht, ob eine Farbe im Layoutprogramm auffällt, sondern ob sie am Standort bei Tageslicht, Schatten und künstlicher Beleuchtung lesbar bleibt.

Ein starkes Plakat beantwortet den Blick in der richtigen Reihenfolge: Wer kandidiert, wofür steht diese Person, und was soll ich tun?

Legen Sie die Blickführung vor dem Feinschliff fest. Das Foto zieht Aufmerksamkeit, der Name schafft Zuordnung, der Slogan liefert die politische Aussage und das Logo bestätigt die Absenderin oder den Absender. Alles, was nicht in diese Hierarchie passt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob es wirklich auf das Plakat gehört.

Ein gutes Kandidatenfoto im Wahlkampf ist deshalb keine Nebensache. Es muss nicht nur technisch sauber sein, sondern die gewünschte politische Rolle sichtbar machen. Ein seriöses Amt verlangt eine andere Bildsprache als ein ausdrücklich persönlicher Kommunalwahlkampf.

Die Wirkung lässt sich zusätzlich in einem kurzen Video prüfen:

Drucken Sie vor der Serienproduktion einen Probedruck auf dem vorgesehenen Material. Betrachten Sie ihn aus verschiedenen Entfernungen und bitten Sie mehrere Personen, Slogan, Name und Partei ohne Hilfe zu benennen. Was dabei nicht sofort funktioniert, wird am Laternenpfahl nicht besser.

Rechtliche Vorgaben und kommunale Genehmigung

Ein gestaltetes Wahlplakat darf nicht automatisch auf öffentlichem Grund stehen. Die Bundeswahlleiterin weist darauf hin, dass Wahlwerbung in Deutschland nicht allgemein gesetzlich geregelt ist und für die Nutzung öffentlicher Straßen und Plätze kommunale Genehmigungen erforderlich sein können. Städte und Gemeinden legen die konkrete Praxis fest.

In vielen Fällen wird das Aufstellen als Sondernutzung behandelt. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages ordnet diese Behandlung straßenrechtlich als zulässig ein. Prüfen Sie deshalb vor dem Druck, welche Sondernutzungserlaubnis nötig ist, welche Formulare gelten und ob eine Sammelgenehmigung für die Kampagne beantragt werden kann.

Die kommunale Checkliste

Fordern Sie bei der zuständigen Gemeinde oder Stadtverwaltung die aktuellen Vorgaben an. Klären Sie dabei:

  • Zeitraum: Wann darf aufgehängt werden, und wann müssen die Plakate wieder entfernt sein?
  • Standorte: Welche Straßen, Masten, Kreuzungen oder öffentlichen Bereiche sind ausgeschlossen?
  • Abstände: Gibt es örtliche Vorgaben zu Schulen, Sichtdreiecken, Denkmälern oder anderen sensiblen Bereichen?
  • Menge und Befestigung: Wie viele Plakate dürfen an einem Mast hängen, und welches Material ist zulässig?
  • Gebühren und Haftung: Werden Gebühren, eine Haftpflichtversicherung oder eine verantwortliche Person verlangt?
  • Pflichtangaben: Welche Angaben müssen auf dem Plakat oder im Impressum stehen?

Plakate dürfen den Verkehr nicht behindern, keine Verkehrsschilder oder Ampeln verdecken und die Sicht nicht einschränken. Tagesschau nennt außerdem kommunale Vorgaben zu Zahl, Ort und Startzeit der Plakatierung sowie mögliche Gebühren und Versicherungsnachweise. Für Berlin wird in einer juristischen Darstellung zur Parteienwerbung ein Zeitraum genannt, nach dem entsprechende Werbeanlagen ausschließlich sieben Wochen vor der Wahl oder Abstimmung erlaubt sind. Das ist eine Berliner Regelung und lässt sich nicht ohne Prüfung auf andere Kommunen übertragen.

Auch das Impressum bei Wahlwerbung muss vor der Druckfreigabe geklärt sein. Halten Sie Genehmigung, Standortliste und Rückbauplan schriftlich fest. So weiß das Team, wer für Schäden, Nachbesserungen und die Demontage verantwortlich ist.

Daten, Druck und Materialien in der Praxis

Die Druckerei braucht klare Angaben, keine ungefähre Beschreibung. Legen Sie Format, Stückzahl, Material, Ausführung, Lieferort und gewünschten Liefertermin gemeinsam fest. Fragen Sie vorab, welche Dateivorgaben der Betrieb akzeptiert, statt eine fertige Datei auf Verdacht zu exportieren.

Für die Druckdaten gehören Beschnitt, Farbprofil, Bildauflösung und Schriften in die technische Abstimmung. Ein geschlossenes PDF mit eingebetteten Schriften verhindert, dass sich das Layout beim Öffnen auf einem anderen System verschiebt. Das CMYK-Farbprofil sollte zur Druckerei passen, weil Bildschirmfarben und gedruckte Farben unterschiedlich wirken können. Bei grossformatigen Motiven prüfen Sie besonders Hauttöne, dunkle Flächen und feine Linien.

Material und Format entscheiden über den Einsatz

Affichenpapier eignet sich für klassische Plakatierung und lässt sich effizient in hoher Stückzahl produzieren. Blueback-Papier reduziert den Einfluss eines darunterliegenden Motivs und ist für Flächen sinnvoll, auf denen verschiedene Plakate oder ältere Schichten sichtbar werden könnten. PVC oder Wellplast bietet mehr Stabilität, kann aber bei Befestigung, Lagerung und Rückbau andere Anforderungen stellen.

Material oder FormatEigenschaftenTypischer Einsatz
AffichenpapierKlassische Papierlösung, gut für standardisierte PlakatierungLaternen, Anschlagflächen und zeitlich begrenzte Kampagnen
BluebackRückseitig stärker abdeckend, geeignet für wechselnde UntergründeÖffentliche Flächen mit möglicher Durchsicht oder Überklebung
PVC oder WellplastStabiler und formfester, mit höherem Augenmerk auf Befestigung und RückbauLänger sichtbare Standorte oder freistehende Lösungen
DIN A1Handliches Standardformat für viele kommunale StandorteLaternenmasten und kleinere Plakatflächen
18/1 oder GrossflächeHohe Fernwirkung, größere Anforderungen an Produktion und StandortOrtszufahrten, grosse Anschlagflächen und zentrale Präsentationsorte

Erstellen Sie für die Anfrage eine kleine Druckspezifikation. Sie sollte das geschlossene Dateiformat, den gewünschten Beschnitt, die Auflösung im Produktionsmassstab, das Farbprofil, die Schrifteinbettung, das Material und die Lieferadresse enthalten. Lieferzeiten hängen von Druckverfahren, Material, Korrekturschleifen und Versand ab. Planen Sie deshalb eine Freigabe ein, bevor die Kampagne unter Zeitdruck gerät.

Eine nüchterne Kalkulation der einzelnen Posten finden Sie im Beitrag zu Wahlkampfkosten. Entscheidend bleibt, Angebote auf derselben technischen Grundlage zu vergleichen. Ein niedriger Stückpreis hilft wenig, wenn Nachdruck, Expressversand oder unbrauchbare Farben die Planung später verteuern.

Qualitätskontrolle, Verteilung und Standortwahl

Qualitätskontrolle beginnt vor dem Druck. Ein Probedruck im gewählten Format und auf dem vorgesehenen Material zeigt, ob Kontrast, Farbstimmung und Schrift tatsächlich tragen. Prüfen Sie das Motiv nicht nur bei idealem Tageslicht, sondern auch bei Gegenlicht, Schatten und abendlicher Beleuchtung.

Für die Serienfreigabe genügt keine Betrachtung am Bildschirm. Hängen Sie das Probeexemplar auf einer Testfläche auf und lassen Sie Personen vorbeigehen, ohne sie vorher auf die Botschaft hinzuweisen. Fragen Sie anschließend nur, was sie gesehen und erinnert haben. Wenn das Ergebnis vom Kampagnenziel abweicht, ist eine Änderung vor dem Druck günstiger als eine Erklärung nach dem Aushang.

Die Verteilung als eigener Arbeitsplan

Organisieren Sie die Plakatierung wie einen Einsatz. Legen Sie Routen, Teams, Fahrzeuge, Befestigungsmaterial und Werkzeug fest. Eine einfache Standortliste mit Adresse, Foto, Datum und verantwortlicher Person hilft bei der Kontrolle und beim späteren Rückbau.

Praxisprüfung: Ein Standort ist erst dann wertvoll, wenn das Plakat dort sicher, regelkonform und über einen relevanten Zeitraum sichtbar bleibt.

Die beste Position ist nicht immer die mit dem grössten freien Platz. Entscheidend ist der wiederholte Sichtkontakt von Menschen, die warten, langsam vorbeifahren, zu Fuss gehen oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Gleichzeitig müssen Sichtdreiecke, Verkehrsschilder, Ampeln und örtliche Ausschlüsse berücksichtigt werden.

StandorttypReichweiteAufwandHinweis
KreisverkehrWiederholte Sichtkontakte durch langsamen VerkehrMittelNur auf zugelassenen Flächen und ohne Einschränkung der Sicht
OrtseingangFrühe Wahrnehmung durch einfahrende PersonenMittel bis hochGrössere Flächen und kommunale Vorgaben besonders sorgfältig prüfen
Platz vor einem SupermarktMischung aus Fussverkehr, wartenden Personen und kurzen AufenthaltenMittelBefestigung und Eigentumsverhältnisse vorab klären
SchuleHohe lokale Sichtbarkeit zu bestimmten TageszeitenHochAbstände, Neutralitätsfragen und örtliche Verbote prüfen
BushaltestelleLängere Betrachtungszeit durch wartende PersonenMittelNicht in Wartebereiche, Sichtachsen oder Verkehrsflächen hineinragen

Dokumentieren Sie beschädigte, verdrehte oder entfernte Plakate. Eine Kontrollrunde wenige Tage nach dem Aufhängen zeigt, ob Material und Befestigung funktionieren. Der Rückbau gehört in denselben Plan wie der Aufbau. Wer ihn vergisst, riskiert Ärger mit der Kommune und überlässt dem Team am Ende eine unnötige Sucharbeit.

Vom Konzept zum Aushang

Ein belastbarer Ablauf beginnt mit der Botschaft und nicht mit der Druckerei. Legen Sie Zielgruppe, Kernlinie, Slogan und die drei zentralen Botschaftsbausteine fest. Entwickeln Sie anschließend das Motiv, prüfen Sie Foto, Typografie, Farbe und Blickführung und testen Sie den Entwurf unter realistischen Bedingungen.

Danach folgt die technische und organisatorische Freigabe:

  1. Gestaltung prüfen: Name, Partei, Kernbotschaft und Wahlaufruf müssen klar geordnet sein.
  2. Kommunale Vorgaben klären: Genehmigung, Zeitraum, Standorte, Abstände, Pflichtangaben und Rückbau schriftlich festhalten.
  3. Druckdaten vorbereiten: Format, Material, Farbprofil, Beschnitt, Schriften und Lieferdetails mit der Druckerei abstimmen.
  4. Probedruck abnehmen: Originalmaterial verwenden und Lesbarkeit aus verschiedenen Distanzen testen.
  5. Verteilung organisieren: Routen, Teams, Werkzeug, Befestigung und Standortprotokoll vorbereiten.
  6. Kontrolle und Rückbau planen: Zuständigkeiten für Nachkontrolle, Schäden und Demontage benennen.

Externe Unterstützung lohnt sich dort, wo Fehler teuer oder schwer korrigierbar sind. Eine Layoutagentur kann Druckdaten und Typografie sauber aufbauen. Ein Druckdienstleister hilft bei Material, Farbprofil und Produktionsabwicklung. Eine Wahlkampfberatung bringt Erfahrung in Botschaftsdisziplin, Wirkungslogik und Standortstrategie ein.

Sie müssen nicht den gesamten Prozess abgeben. Oft ist es sinnvoll, zunächst den Designentwurf oder einen Probedruck auf dem Originalmaterial prüfen zu lassen. Die creategy GmbH begleitet politische Kommunikation von der strategischen Wahlkampfplanung bis zur Umsetzung und bietet neben Agenturleistungen auch Mentoring und Onlinekurse für Kandidatinnen, Kandidaten und ihre Teams an.

Ein Wahlplakat ist dann fertig, wenn es nicht nur als Datei existiert. Es muss genehmigt, produziert, sicher aufgehängt, wahrgenommen und später wieder entfernt werden. Wer diese Kette von Anfang an plant, vermeidet die typische Ernüchterung am Laternenpfahl und nutzt das Plakat als Teil einer abgestimmten Kampagne.


Wenn Sie Ihr Wahlplakat von der Kernbotschaft über den Entwurf bis zur kommunalen Umsetzung planen wollen, unterstützt creategy GmbH bei Strategie, Gestaltung und praktischer Wahlkampforganisation. Besuchen Sie creategy GmbH, um die passenden Leistungen oder ein Mentoring für Ihre Kampagne zu prüfen.

#Wahlkampfstrategie
Simon Mai

Über die Autorin / den Autor

Simon Mai

Simon Mai ist Geschäftsführer der Spezialagentur creategy. Zuvor war er im Bundestag und EU-Parlament tätig. Er hat bereits über 100 Wahlkämpfe begleitet.

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