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- Wenn die Krise schneller ist als die Antwort
- Wo die Vorbereitung fehlt
- Den gesamten Verlauf führen
- Was politische Krisenkommunikation von PR unterscheidet
- Unterschiedliche Aufgaben und Maßstäbe
- Welche Funktionen erfüllt werden müssen
- Warum Vertrauen in Krisen nicht linear verläuft
- Zustimmung braucht nachvollziehbare Entscheidungen
- Glaubwürdigkeit hängt auch vom Absender ab
- Vorbereitung als eigentlicher Hebel
- Vom Risiko zum eingeübten Ablauf
- Ein gemeinsames Krisenprotokoll
- Die ersten Stunden einer Krise
- Fragen systematisch zurückführen
- Bei Desinformation abgestuft reagieren
- Selbst vorbereiten, begleiten lassen oder beides verbinden
- Wege zur Krisenkommunikation im Vergleich
- Nach Fähigkeiten entscheiden
- Nachbereitung und der nächste praktische Schritt
- Vertrauen gezielt überprüfen
- Lernen verbindlich machen
Freitagnachmittag erreicht Ihre Pressestelle eine Anfrage zu einem umstrittenen Vergabeverfahren. Gleichzeitig kursiert ein Beitrag, der der Verwaltung Vertuschung vorwirft. Sie sollen Stellung nehmen, kennen aber weder den vollständigen Sachverhalt noch die Aussagen, die andere aus Ihrer Organisation bereits veröffentlicht haben.
Wenn die Krise schneller ist als die Antwort
Nehmen wir eine typische kommunale Situation als Beispiel: Die Lokalredaktion fragt nach Unterlagen, ein Ratsmitglied kommentiert den Vorwurf auf seinem privaten Profil, und aus der Verwaltung kommt eine knappe Zurückweisung. Die Bürgermeisterin möchte zunächst die Akten prüfen lassen. Niemand hat festgelegt, wer die bisherigen Aussagen zusammenführt.
Bis Montag diskutieren Bürgerinnen und Bürger längst über die vermeintlichen Motive der Beteiligten. Die ursprüngliche Sachfrage steht neben einer neuen: Warum erklärt die Kommune nicht nachvollziehbar, was passiert ist?
Wo die Vorbereitung fehlt
In diesem Beispiel entstehen mehrere Probleme gleichzeitig. Die Verantwortlichen prüfen den Vorwurf, beantworten Anfragen und versuchen, widersprüchliche Aussagen einzufangen. Ohne vereinbarte Abläufe müssen sie zusätzlich unter öffentlichem Druck ihre Zusammenarbeit organisieren.
Die Gefahren sozialer Medien gehören dabei zur Vorbereitung. Ein unbedachter Kommentar, eine verkürzte Darstellung oder ein geteilter Screenshot sollte intern einen bekannten Prüfweg auslösen. Wer zuständig ist, darf nicht davon abhängen, wer den Beitrag zufällig zuerst entdeckt.
Praxisregel: Bestimmen Sie vor einer Krise, wer Informationen prüft, wer Entscheidungen trifft und wer öffentlich spricht.
Den gesamten Verlauf führen
Für die politische Praxis empfiehlt sich eine klare Unterscheidung der Arbeitsphasen:
- Vorbereitung: Das Team klärt Rollen, übt schwierige Situationen und sorgt für erreichbare Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner.
- Akutkommunikation: Die Verantwortlichen informieren über den gesicherten Stand, erklären offene Fragen und halten die Öffentlichkeit auf dem Laufenden.
- Nachbereitung: Die Organisation überprüft Entscheidungen und Kommunikation und setzt erkennbare Verbesserungen um.
Diese Phasen hängen zusammen. Ein im Ernstfall bemerkter Fehler gehört später in die Überarbeitung der Abläufe. Eine öffentlich zugesagte Prüfung muss auch nach dem Ende der Schlagzeilen abgeschlossen werden.
Politische Krisenkommunikation ist eine Führungsaufgabe. Die Leitung muss entscheiden, welche Verantwortung sie übernimmt, welche Informationen belastbar sind und welche Konsequenzen aus dem Geschehen folgen. Die Pressestelle kann diese Entscheidungen verständlich vermitteln. Sie kann sie der Führung nicht abnehmen.
Was politische Krisenkommunikation von PR unterscheidet
Politische Krisenkommunikation soll Menschen in einer unsicheren Lage Orientierung geben und öffentliche Verantwortung nachvollziehbar machen. Dazu gehört, Gefahren zu erklären, Vorwürfe einzuordnen und Entscheidungen überprüfbar zu begründen. Ihr Gegenstand kann eine akute Schadenslage ebenso sein wie eine Krise politischer Glaubwürdigkeit.
Das Krisenmanagement umfasst die organisatorischen Entscheidungen und Maßnahmen zur Bewältigung des Ereignisses. Die Kommunikation begleitet diese Arbeit und führt Fragen aus der Öffentlichkeit zurück zu den Verantwortlichen. Diese Verbindung muss eng sein: Niemand sollte eine Maßnahme ankündigen, deren Umsetzung intern ungeklärt ist.
Die Übersicht ordnet die unterschiedlichen Aufgaben ein.

Unterschiedliche Aufgaben und Maßstäbe
Klassische Öffentlichkeitsarbeit informiert fortlaufend über Arbeit, Angebote und Positionen einer Organisation. Wahlkampfkommunikation wirbt um Zustimmung und ein Mandat. Im Krisenfall müssen politische Verantwortliche zusätzlich erklären, was Menschen wissen müssen, welche Entscheidung sie getroffen haben und wie sie mit möglichen Fehlern umgehen.
Dabei sollten Sie Amt, Person und Mandat sauber auseinanderhalten. Eine behördliche Information braucht eine erkennbare institutionelle Absenderin. Eine parteipolitische Bewertung muss als solche kenntlich sein. Auf einem persönlichen Profil sollte ebenfalls deutlich werden, in welcher Funktion sich eine Amtsträgerin oder ein Amtsträger äußert.
Diese Rollenklarheit gehört zur politischen Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Gerade bei Kritik sollte die sachliche Information zugänglich bleiben, unabhängig davon, ob jemand die handelnde Partei unterstützt.
Welche Funktionen erfüllt werden müssen
Für die praktische Arbeit lassen sich folgende Funktionen unterscheiden:
- Schnelle Erstinformation: Was ist gesichert, wer ist betroffen und wo erhalten Menschen weitere Auskünfte? Eine erste Mitteilung darf offene Fragen ausdrücklich benennen.
- Unabhängige Einordnung: Fachleute erläutern technische, wissenschaftliche oder rechtliche Zusammenhänge innerhalb ihrer jeweiligen Zuständigkeit.
- Sichtbare Rechenschaft: Die politisch Verantwortlichen erklären ihre Entscheidungen, benennen Versäumnisse und berichten über zugesagte Konsequenzen.
Eine Pressemitteilung kann einen Teil davon leisten. Für den gesamten Verlauf braucht es zusätzlich erreichbare Anlaufstellen, aktualisierte Informationen und die Bereitschaft, auf neue Erkenntnisse zu reagieren.
Die Sprecherwahl sollte deshalb nach Funktion erfolgen. Ein Fachgutachter kann einen technischen Befund erklären. Ob eine politische Entscheidung angemessen war, muss die verantwortliche Führung selbst vertreten. Externe Expertise sollte die politische Rechenschaft ergänzen, ohne sie zu ersetzen.
Warum Vertrauen in Krisen nicht linear verläuft
Zu Beginn einer Krise können politische Institutionen einen Vertrauensgewinn erleben. Bürgerinnen und Bürger suchen Orientierung und unterstützen möglicherweise zunächst das gemeinsame Handeln. Für die weitere Kommunikation ist entscheidend, diesen Zuspruch als zeitlich begrenzten Vertrauensvorschuss zu behandeln.
Eine Auswertung des Nationalen Bildungspanels zum politischen Vertrauen mit 7.008 Befragten und regionalen Daten aus 353 Landkreisen zeigt für das erste Pandemiejahr einen Anstieg von 2,37 auf 2,55 Punkte auf einer Skala von 1 bis 4. Im zweiten Pandemiejahr ging das Vertrauen wieder zurück.
Die folgende Grafik veranschaulicht allgemein mögliche Vertrauensschwankungen. Ihr anfänglicher Abfall bildet den beschriebenen Pandemieeffekt ausdrücklich nicht ab; sie ist keine Darstellung der genannten Messwerte.

Zustimmung braucht nachvollziehbare Entscheidungen
Eine ergänzende Darstellung der Universität Oldenburg zum Institutionenvertrauen weist für den Zeitraum zwischen September 2020 und März 2021 2,83 Punkte gegenüber 2,59 Punkten in vergleichbaren Zeiträumen vor der Pandemie aus. Im zweiten Pandemiejahr 2021/22 fiel dieses Vertrauen nahezu auf das Vorkrisenniveau zurück; 2022/23 stieg es nur leicht.
Die Werte zum allgemeinen politischen Vertrauen und zum Institutionenvertrauen dürfen nicht zu einer einzigen Zahlenreihe verbunden werden. Gemeinsam machen sie jedoch deutlich, warum anfängliche Zustimmung keine belastbare Prognose für den weiteren Verlauf ist.
Für die Praxis folgt daraus eine anspruchsvolle Aufgabe: Verantwortliche müssen auch dann verständlich erklären, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt und Maßnahmen anstrengend werden. Widersprüchliche Botschaften oder als falsch wahrgenommene Entscheidungen können den frühen Vertrauensgewinn aufzehren.
Wer einen Kurs ändert, sollte den Auslöser, den veränderten Erkenntnisstand und die erwarteten Folgen gemeinsam erklären.
Eine korrigierte Empfehlung muss deshalb nicht automatisch Unglaubwürdigkeit bedeuten. Problematisch wird sie, wenn die Verantwortlichen den früheren Stand verschweigen oder die Änderung ohne Begründung verkünden. Nachvollziehbarkeit über die Zeit sollte ein eigener Qualitätsmaßstab sein.
Glaubwürdigkeit hängt auch vom Absender ab
Die Darstellung des Deutschen Zentrums für Altersfragen zum politischen Vertrauen beschreibt eine Vertrauenshierarchie: Justiz, Wissenschaft und Polizei werden vergleichsweise stärker bewertet als Bundestag, Bundesregierung, Parteien und Medien. Daraus lässt sich keine pauschale Sprecherregel ableiten, wohl aber eine wichtige Prüffrage: Wer kann die konkrete Information fachlich und institutionell glaubwürdig vermitteln?
Bei einer technischen Gefahrenlage sollte beispielsweise die zuständige Fachperson die fachlichen Grenzen erklären. Die politische Leitung erläutert ihre Abwägung und übernimmt Verantwortung für die Entscheidung.
Mehr Veröffentlichungen auf eigenen Kanälen ersetzen diese Rollenklärung nicht. Für Ihre Strategie empfiehlt es sich, getrennt zu betrachten, ob Menschen eine Information gesehen, verstanden und ihrer Quelle vertraut haben. Reichweite und Vertrauen sind unterschiedliche Ziele.
Vorbereitung als eigentlicher Hebel
Das Bundesministerium des Innern zur Krisenkommunikation fordert vorbereitete Strategien, klare Strukturen und vorab abgestimmte Kommunikationsabläufe. Während einer Krise sollen die Verantwortlichen möglichst denselben Informationsstand haben und die Öffentlichkeit aktuell, umfassend, widerspruchsfrei und wahrheitsgemäß informieren.
Übersetzen Sie diese Anforderungen in einen Arbeitsablauf, den Ihr Team tatsächlich nutzen kann. Ein umfangreiches Handbuch hilft wenig, wenn niemand die aktuelle Fassung findet oder die dort genannte Vertretung nicht mehr zuständig ist.
Die Grafik bündelt die Handlungsfelder der Vorbereitung.

Vom Risiko zum eingeübten Ablauf
Beginnen Sie mit Situationen, die Ihre Organisation konkret betreffen könnten: ein Vorwurf gegen die Führung, ein Ausfall wichtiger kommunaler Leistungen oder die Veröffentlichung vertraulicher Unterlagen. Das vorbereitende Issue Management hilft, sensible Themen und mögliche Konflikte frühzeitig zu ordnen.
Legen Sie für diese Situationen die Zuständigkeiten fest:
- Lageprüfung: Eine benannte Person sammelt Informationen und kennzeichnet, was bestätigt, unbestätigt oder widerlegt ist.
- Entscheidung und Freigabe: Die zuständige Leitung entscheidet über Maßnahmen und Aussagen. Für Abwesenheiten braucht es eine erreichbare Vertretung.
- Veröffentlichung: Die Kommunikationsverantwortlichen pflegen den verbindlichen Informationsstand und stimmen die Ausspielung über die vorgesehenen Kanäle ab.
- Kontaktpflege: Eine zuständige Person hält die Kontaktdaten von Fachstellen, Leitung, Pressestellen und relevanten Partnerorganisationen aktuell.
Testen Sie diese Aufteilung mit einem realistischen Übungsszenario. Prüfen Sie dabei auch, ob jemand außerhalb der üblichen Bürozeiten Zugriff auf Unterlagen, Website und dienstliche Kontakte hat. Eine Übung sollte konkrete Lücken sichtbar machen, nicht bloß die Existenz eines Plans bestätigen.
Ein gemeinsames Krisenprotokoll
Als Arbeitsgrundlage empfiehlt sich ein fortlaufendes Protokoll. Es sollte knapp genug sein, um unter Zeitdruck geführt zu werden, und eindeutig genug, damit Vertretungen den Stand verstehen.
| Eintrag | Zweck |
|---|---|
| Entscheidung | Hält fest, was beschlossen wurde |
| Datenbasis | Verweist auf geprüfte Unterlagen und Erkenntnisse |
| Unsicherheit | Kennzeichnet offene Fragen und Annahmen |
| Verantwortlichkeit | Benennt die zuständige Stelle |
| Nächste Überprüfung | Bestimmt Anlass oder Termin der erneuten Bewertung |
Aus diesem gemeinsamen Stand entstehen Presseantworten, Websiteaktualisierungen und Beiträge für soziale Netzwerke. Änderungen sollten erkennbar dokumentiert werden, damit alte Fassungen nicht versehentlich weiterverwendet werden.
Im föderalen System gehört außerdem die Abstimmung mit anderen Ebenen zur Vorbereitung. Klären Sie, welche Bundesbehörde, Landesstelle, Kommune oder Einsatzorganisation fachlich zuständig ist und wer welche Information veröffentlicht.
Das betrifft besonders Warnungen. Die BBK-Leitlinien zum Warnkonzept von Bund und Ländern sehen drei Warnstufen vor; Warnstufe 3 kann bereits bei Informationsbedarf ohne unmittelbare Gefahr eingesetzt werden. Die Leitlinien empfehlen zudem, nach einer Warnung zeitnah ergänzende Informationen über weitere Kanäle bereitzustellen.
Die ersten Stunden einer Krise
Prüfen Sie zunächst das Warnsignal und seine möglichen Folgen. Was ist tatsächlich passiert, wer könnte betroffen sein und welche Information duldet keinen Aufschub? Trennen Sie dabei die notwendige Information über Gefahren von der späteren politischen Bewertung.
Eine erste Mitteilung sollte den bestätigten Sachstand, die zuständige Stelle und den nächsten Informationsweg nennen. Ist etwas ungeklärt, benennen Sie die offene Frage und den laufenden Prüfschritt. Verzichten Sie auf Entwarnungen, deren Grundlage noch fehlt.
Der Ablauf sollte von Beginn an Rückmeldungen aufnehmen.

Fragen systematisch zurückführen
Im MIRKKOMM-Teilprojekt der TU Ilmenau zur Behördenkommunikation wurden 2024 in 55 Leitfadengesprächen 71 Vertreterinnen und Vertreter öffentlicher Verwaltungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene befragt. Als Konsequenzen nennen die Forschenden klare Zuständigkeiten und stärkere bidirektionale Kommunikationskanäle für einen echten Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern.
Für den Akutfall lässt sich daraus ein verbindlicher Arbeitskreislauf entwickeln:
- Erfassen: Sammeln Sie Bürgerfragen, Medienanfragen und örtliche Hinweise an einer gemeinsamen Stelle.
- Ordnen: Kennzeichnen Sie wiederkehrende Missverständnisse nach Thema, Ort und Dringlichkeit. Fragen zu einer möglichen Gefährdung brauchen eine andere Behandlung als allgemeine politische Kritik.
- Beantworten: Überführen Sie geprüfte Antworten in häufige Fragen und Antworten, Pressebriefings und Maßnahmenbegründungen.
Eine praktikable Kennzahl ist die Zeit zwischen einer häufig auftretenden Frage und der veröffentlichten, überprüfbaren Antwort. Ergänzend sollten Sie Antwortquoten, Korrekturzeiten und Kanalreichweiten getrennt betrachten. Legen Sie für Dialogangebote auch Moderation, Eskalationswege und rechtssichere Dokumentation fest.
Die Aufgaben der Pressearbeit bleiben dabei wichtig: Redaktionen benötigen erreichbare Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie belastbare Informationen. Wiederkehrende Pressefragen können zugleich zeigen, welche Erklärung auf der eigenen Website fehlt.
Eine ergänzende Videoeinbindung steht hier zur Verfügung.
Bei Desinformation abgestuft reagieren
Nicht jede falsche Behauptung verlangt dieselbe öffentliche Antwort. Prüfen Sie zunächst Ursprung, Beleglage, Verbreitung und mögliches Schadenspotenzial. Kritik, Irrtum und gezielte Täuschung sollten intern unterschiedlich eingeordnet werden.
| Lage | Empfohlene Reaktion |
|---|---|
| Ungeprüfte Behauptung ohne erkennbare Verbreitung | Sichern, prüfen und beobachten |
| Wiederkehrendes sachliches Missverständnis | Eine auffindbare, belegte Erklärung veröffentlichen |
| Falschaussage mit erheblichem Schadenspotenzial | Koordiniert korrigieren und passende Fachstellen einbeziehen |
Eine kleine Krisenzelle sollte die Reaktion freigeben. Stellen Sie bei einer Korrektur den überprüften Sachverhalt in den Vordergrund, statt die Falschbehauptung unnötig zu wiederholen.
Zur späteren Rechenschaft gehört schließlich, öffentlich zugesagte Prüfungen aufzugreifen. Eine Korrektur sollte auf den eigenen Kanälen auffindbar bleiben, auch wenn die erste Aufregung vorüber ist.
Selbst vorbereiten, begleiten lassen oder beides verbinden
Welche Unterstützung Sie brauchen, hängt von den vorhandenen Fähigkeiten und der konkreten Lage ab. Eine erfahrene Pressestelle kann viel selbst organisieren. Fehlen Vertretungen, Sprechererfahrung oder Kapazitäten für längere Belastungsphasen, sollten Sie diese Lücken vorab berücksichtigen.
Externe Begleitung kann zusätzliche Arbeitskraft und einen Blick von außen bieten. Sie braucht jedoch Zugang zu den zuständigen Personen und geprüften Informationen. Politische Verantwortung und behördliche Entscheidungsbefugnisse bleiben bei den jeweiligen Verantwortlichen.
Wege zur Krisenkommunikation im Vergleich
| Weg | Zeitaufwand im Vorfeld | Erforderliche Vorkenntnisse | Passender Einsatzzeitpunkt |
|---|---|---|---|
| Vorbereitung in eigener Regie | Intern für Planung und Übungen einzuplanen | Kenntnisse der Organisation, Kommunikationserfahrung und klare Leitung | Wenn ein belastbares Team vorhanden ist |
| Externe Akutbegleitung | Vorabklärung von Zugang, Mandat und Zuständigkeiten | Interne Auskunftsfähigkeit bleibt erforderlich | Bei außergewöhnlicher Belastung oder fehlender Spezialerfahrung |
| Kombination aus Befähigung und Begleitung | Gemeinsame Vorbereitung, Training und vereinbarte Unterstützung | Aufbauende Vorkenntnisse genügen | Wenn das Team selbstständig arbeiten und Unterstützung abrufen soll |
Nach Fähigkeiten entscheiden
Prüfen Sie die Optionen anhand konkreter Fragen:
- Zeit: Kann Ihr Team neben der laufenden Arbeit Sachstände pflegen, Anfragen bearbeiten und Rückmeldungen auswerten?
- Sprechererfahrung: Können die vorgesehenen Personen Unsicherheit, Verantwortung und schwierige Entscheidungen im Interview verständlich erklären?
- Abstimmung: Ist geklärt, wie weitere Verwaltungsebenen, Fachstellen oder politische Gremien einbezogen werden?
- Lernbedarf: Brauchen Sie vor allem zusätzliche Kapazität oder fehlt Kommunikationshandwerk, das dauerhaft aufgebaut werden sollte?
Ein Medientraining für Führungskräfte ist besonders dann sinnvoll, wenn Fachkenntnis vorhanden ist, aber Interviews unter Druck schwerfallen. Geübt werden sollte mit kritischen Nachfragen und unvollständigen Erkenntnissen, nicht nur mit vorbereiteten Statements.
Als eine Option bietet die creategy GmbH Krisenprävention, Akutbegleitung, Kommunikation in Verfahren und Reputationsaufbau an. Ergänzend vermittelt sie Kommunikationshandwerk über Mentoring und Onlinekurse. Medientrainings, Rhetoriktrainings und die Krisenvorbereitung leitet Michael Bußer, Regierungssprecher und Staatssekretär a. D.
Für den eigenständigen Kanalbetrieb kommt der Videokurs: Social-Media für Politikerinnen und Politiker infrage. Er verbindet strategische Grundlagen mit praktischer Umsetzung und setzt keine inhaltlichen oder technischen Vorkenntnisse voraus. Als voraufgezeichnetes Angebot lässt er sich in den politischen Arbeitsalltag einpassen; einen organisationsspezifischen Krisenplan ersetzt er nicht.
Bei jeder Begleitung sollte feststehen, welche Unterlagen und Fähigkeiten anschließend im eigenen Team verbleiben. Ein brauchbares Ergebnis sind verständliche Abläufe, eingeübte Rollen und selbstständig nutzbare Arbeitsmittel.
Nachbereitung und der nächste praktische Schritt
Eine Krise ist kommunikativ nicht abgeschlossen, sobald weniger Anfragen eingehen. Offene Prüfungen, angekündigte Verbesserungen und unbeantwortete Fragen bleiben bestehen. Legen Sie deshalb fest, wer diese Zusagen verfolgt und wann die Öffentlichkeit einen abschließenden Stand erhält.
Die Nachbereitung sollte Entscheidungen und Kommunikation getrennt bewerten. Eine sachlich angemessene Maßnahme kann unverständlich erklärt worden sein. Umgekehrt macht eine überzeugende Darstellung eine fehlerhafte Entscheidung nicht richtig.
Vertrauen gezielt überprüfen
Bewerten Sie die Wirkung aus Sicht unterschiedlicher Gruppen. Fragen Sie Betroffene, Mitarbeitende und weitere relevante Zielgruppen, ob sie rechtzeitig informiert wurden, Handlungsempfehlungen verstanden und Verantwortlichkeit erkennen konnten.
Für wiederkehrende Vertrauensmessungen empfiehlt sich eine Unterscheidung nach:
- Zielgruppe: Welche Menschen fühlten sich ausreichend informiert, welche blieben mit Fragen zurück?
- Quelle: Wem wurde die fachliche Erklärung oder politische Einordnung zugetraut?
- Kanal: Wo waren aktuelle Informationen auffindbar und verständlich?
- Verantwortungsübernahme: Wurde erkennbar, wer Entscheidungen getroffen und Konsequenzen gezogen hat?
Für die Auswertung: Hohe Aufmerksamkeit belegt zunächst, dass Menschen eine Botschaft wahrgenommen haben. Ob sie ihr vertrauen, müssen Sie gesondert prüfen.
Vergleichen Sie diese Rückmeldungen mit dem dokumentierten Ablauf. Suchen Sie nach konkreten Abweichungen: Wo verzögerte eine Freigabe die Antwort? Welche Stelle hatte einen anderen Informationsstand? Welche häufige Frage wurde zu spät erkannt?
Lernen verbindlich machen
Überarbeiten Sie anschließend das Krisenprotokoll, die häufigen Fragen und Antworten sowie die Sprecherrollen. Weisen Sie jede Änderung einer verantwortlichen Person zu und vereinbaren Sie einen Überprüfungstermin. So lässt sich beim nächsten Ereignis feststellen, ob die angekündigten Verbesserungen umgesetzt wurden.
Für die gemeinsame Arbeit an Botschaften und Auftritten bietet das Mentoring Kommunikation und Rhetorik für Leitungsteams einen möglichen Ansatz. Es arbeitet an der eigenen Sache der Organisation und verbindet die Entwicklung einer Kernbotschaft mit praktischen Auftrittssituationen.
Beginnen Sie mit einer überschaubaren Aufgabe: Benennen Sie eine kleine Krisenzelle und dokumentieren Sie deren Freigabewege samt Vertretung. Prüfen Sie anschließend an einem plausiblen Szenario, ob diese Personen gemeinsam eine belastbare Erstinformation erarbeiten können. Damit schaffen Sie eine konkrete Grundlage für verlässliche Kommunikation im Ernstfall.
Die creategy GmbH unterstützt politische Organisationen und Kommunen bei Krisenprävention, Akutkommunikation und dem anschließenden Reputationsaufbau. Besprechen Sie mit creategy GmbH, ob Ihr nächster Schritt eine Überprüfung der Abläufe, ein Sprechertraining oder die begleitete Vorbereitung Ihres Teams sein sollte.

