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- Wahlkampf zwischen Haustür und Datenstrom
- Der doppelte Wählerkontakt
- Was Microtargeting im politischen Kontext bedeutet
- Drei Ebenen, drei Entscheidungen
- Wie deutsche Parteien Microtargeting tatsächlich nutzen
- Was die Zahlen praktisch bedeuten
- Datenquellen und Zielgruppen im politischen Alltag
- Von der Datenquelle zur Botschaft
- Wirkt Microtargeting überhaupt auf Wahlentscheidungen
- Wo Personalisierung plausibel hilft
- DSGVO und EU-Regeln als operative Spielregeln
- Zulässig planen
- Erfolg messen ohne in Metrics zu ertrinken
- Ein schlankes Messsystem
- Empfehlungen, Risiken und wann besser darauf verzichten
- Die wichtigsten Risiken
Morgens steht die Bürgermeisterkandidatin auf dem Marktplatz einer norddeutschen Kleinstadt und spricht mit Passanten über die angespannte Verkehrslage. Abends sieht dieselbe Stadt ihre Botschaften auf Instagram, Facebook oder anderen Plattformen, jeweils angepasst an unterschiedliche lokale Interessen. Der Kontakt findet längst gleichzeitig an der Haustür, auf dem Marktplatz und im Datenstrom statt.
Genau darin liegt die Herausforderung beim Microtargeting im Wahlkampf. Parteien und Kandidatinnen können Zielgruppen heute präziser ansprechen, müssen dabei aber Datenschutz, Plattformregeln und politische Transparenz zusammenbringen. Wer nur auf technische Möglichkeiten schaut, riskiert rechtliche Probleme. Wer ausschließlich auf Plakate und breite Botschaften setzt, verschenkt wertvolle Kontaktchancen.
Wahlkampf zwischen Haustür und Datenstrom
Die Kandidatin vom Marktplatz braucht beides. Das Gespräch vor Ort schafft Vertrauen, liefert ungefilterte Rückmeldungen und zeigt, welche Themen Menschen tatsächlich bewegen. Digitale Ansprache kann diesen Kontakt verlängern, indem sie dieselben Themen regional, zeitnah und in passenden Formaten aufgreift.
Ein Haustürgespräch mit Eltern über Schulwege führt beispielsweise zu einem kurzen Video über sichere Querungen. Für ältere Menschen kann dieselbe Kampagne eine verständliche Erklärung zur medizinischen Versorgung im Ort ausspielen. Die politische Position bleibt konsistent, aber die Verpackung passt zum jeweiligen Nutzungskontext.
Praktische Regel: Daten dürfen den persönlichen Kontakt vorbereiten, aber sie sollten ihn nicht ersetzen.
Klassische Instrumente verschwinden deshalb nicht. Plakate schaffen Sichtbarkeit im öffentlichen Raum, Großveranstaltungen erzeugen Gemeinschaft und Flyer bringen Informationen in Haushalte, die digitale Kanäle kaum nutzen. Der Haustürwahlkampf liefert zudem Rückmeldungen, die kein Dashboard zuverlässig abbildet.
Der doppelte Wählerkontakt
Reibung entsteht, wenn analoge und digitale Arbeit nicht zusammenpassen. Ein Team verspricht an der Haustür mehr Busverbindungen, während online ausschließlich über Sicherheit spricht. Ein Ortsverband sammelt Rückmeldungen, übergibt sie aber nicht an die Redaktion. Eine Anzeige erreicht eine kleine Zielgruppe, ohne dass geklärt ist, ob die Datengrundlage zulässig ist.
Die richtige Reihenfolge ist deshalb klar:
- Themen aus dem Wahlkreis erfassen: Gespräche, Veranstaltungen und lokale Debatten zeigen, welche Fragen relevant sind.
- Zielgruppen sinnvoll beschreiben: Nicht nur Alter oder Wohnort zählen, sondern auch Anliegen, Informationsbedarf und Mobilisierungshürde.
- Botschaften entwickeln: Jede Variante braucht einen konkreten Grund, warum sie für diese Menschen interessant ist.
- Recht und Plattform prüfen: Ein technisch auswählbares Segment ist nicht automatisch ein zulässiges Segment.
- Ergebnisse zurück in die Kampagne führen: Kommentare, Anmeldungen und Gespräche müssen die nächste Kommunikationsrunde beeinflussen.
Fragmentierte Mediennutzung macht datenbasierte Planung wichtig. Sie macht sie aber nicht automatisch zu einem Freibrief für immer feinere Personalisierung. In Deutschland entscheidet die Qualität der Kampagnenarchitektur darüber, ob digitale Ansprache nützt oder nur zusätzliche Komplexität erzeugt.
Was Microtargeting im politischen Kontext bedeutet
Microtargeting bezeichnet die datenbasierte Ausspielung politischer Werbung an eng definierte Zielgruppen. Die Logik beginnt meist mit Plattform-Targeting. Eine Kampagne wählt etwa einen Ort, eine Altersgruppe oder bestimmte Interessen aus. Das ist breiter als echtes Microtargeting, aber präziser als eine Anzeige an alle Nutzerinnen und Nutzer.
Die nächste Ebene bilden Custom Audiences. Dafür kann eine Kampagne beispielsweise eigene Newsletter-Abonnenten oder Unterstützerkontakte nutzen, sofern die Erhebung, Einwilligung und weitere Verarbeitung rechtlich sauber geregelt sind. Ein konkreter Anwendungsfall wäre die Reaktivierung von Personen, die bereits Informationen erhalten, aber noch keine Veranstaltung besucht haben.
Lookalike Audiences gehen noch einen Schritt weiter. Eine Plattform sucht Profile, die einer Ausgangsgruppe ähnlich sind. Politisch klingt das zunächst attraktiv, etwa wenn Erstwählerinnen in einer Stadt erreicht werden sollen. In Deutschland muss das Team jedoch sehr genau prüfen, welche Datenbasis verwendet wird und ob die Plattform diese Zielgruppenbildung für politische Werbung überhaupt zulässt.

Drei Ebenen, drei Entscheidungen
Beim Plattform-Targeting stehen geografische und allgemeine Merkmale im Vordergrund. Das eignet sich für eine kommunale Veranstaltung oder eine regionale Themenkampagne.
Bei Custom Audiences geht es um bereits bekannte Kontakte. Diese Gruppe kann für Einladungen, Spendenkommunikation oder die Mobilisierung von Wahlhelferinnen relevant sein. Sie ist oft kleiner, dafür näher an einer konkreten Handlung.
Lookalike Audiences sollen neue Personen mit ähnlichen Merkmalen erreichen. Diese Technik kann Reichweite schaffen, erhöht aber die Anforderungen an Kontrolle und Dokumentation.
Klassische Zielgruppenkommunikation arbeitet ebenfalls mit unterschiedlichen Botschaften. Der Unterschied liegt im automatisierten Abgleich zwischen Daten und Ausspielung. Eine Parteibroschüre für junge Menschen wird an eine grob definierte Leserschaft verteilt. Eine datenbasierte Kampagne lässt eine Plattform einzelne Anzeigenvarianten an ausgewählte Nutzergruppen ausspielen.
Broad Targeting bleibt sinnvoll, wenn die Kernbotschaft für viele Menschen gilt. Microtargeting lohnt sich vor allem dann, wenn ein spezifisches Thema erklärt, eine kleine Gruppe mobilisiert oder ein bestehender Kontakt weiterentwickelt werden soll. Eine praktische Einführung in die kanalbezogene Umsetzung bietet der Beitrag zu Social Ads im Wahlkampf.
Wie deutsche Parteien Microtargeting tatsächlich nutzen
Zur Europawahl 2019 setzten deutsche Parteien Microtargeting ein, allerdings deutlich zurückhaltender, als viele Debatten vermuten lassen. Bezahlte politische Werbung auf Facebook und Google blieb ein Teil der digitalen Kommunikation. Inhalte verbreiteten Parteien zugleich häufig organisch stärker, wie die Microtargeting-Studie der Landesmedienanstalten zeigt.
Die Studie nennt folgende Ausgaben für bezahlte politische Werbung:
| Partei | Gesamtbudget digitale Werbung | Anteil gezieltes Targeting | Hauptkanal |
|---|---|---|---|
| CDU | knapp 560.000 Euro | Microtargeting genutzt, Gesamtrolle weiterhin begrenzt | Facebook und Google |
| Grüne | rund 370.000 Euro | Microtargeting genutzt, Gesamtrolle weiterhin begrenzt | Facebook und Google |
| SPD | etwa 300.000 Euro | Microtargeting genutzt, Gesamtrolle weiterhin begrenzt | Facebook und Google |
| FDP | rund 171.000 Euro | Microtargeting genutzt, Gesamtrolle weiterhin begrenzt | Facebook und Google |
| CSU | etwa 61.000 Euro | Microtargeting genutzt, Gesamtrolle weiterhin begrenzt | Facebook und Google |
| AfD | rund 45.000 Euro | Microtargeting genutzt, Gesamtrolle weiterhin begrenzt | Facebook und Google |
| Linke | rund 45.000 Euro | Microtargeting genutzt, Gesamtrolle weiterhin begrenzt | Facebook und Google |
Die zugrunde liegende Analyse versteht Microtargeting als datenbasierte Ausspielung bezahlter Anzeigen an eng definierte Gruppen. Verfügbare Plattformfunktionen belegen jedoch keine flächendeckende politische Nutzung. Die wissenschaftliche Auswertung zur Europawahl 2019 bewertet den praktischen Einsatz in Deutschland als vergleichsweise zurückhaltend.
Was die Zahlen praktisch bedeuten
Die Budgets zeigen vor allem unterschiedliche organisatorische Möglichkeiten. Größere Parteien können Fachleute für Daten, Kreation, Recht und Plattformsteuerung einbinden. Kommunale Kampagnen und kleinere Landesverbände müssen dagegen enger priorisieren. Ihnen fehlen häufig Zeit und Personal für viele Varianten, Zielgruppen und laufende Prüfungen.
Für kommunale Wahlkämpfe reicht deshalb meist ein klar abgegrenztes geografisches Segment mit einer lokalen Botschaft. Landesparteien können Themeninteressen und Regionen verbinden, sofern Herkunft, Zweck und Aktualität der verwendeten Daten dokumentiert sind. Auf Bundesebene lassen sich mehrere Varianten testen, doch jede zusätzliche Segmentierung erhöht den Prüfaufwand.
Junge Wählergruppen, ländliches Geo-Targeting oder programmatische Werbung auf YouTube sind keine Standardlösung. Sie funktionieren nur, wenn Botschaft, Datenbasis, Kanal und Rechtsprüfung zusammenpassen. Nach den heute geltenden Plattformregeln und der DSGVO sollte eine Kampagne kleine, nachvollziehbare Segmente wählen, statt Präzision zu behaupten, die sie nicht kontrollieren kann.
Datenquellen und Zielgruppen im politischen Alltag
Der sauberste Ausgangspunkt sind Erstparteien-Daten, also Kontakte, die eine Partei oder Kampagne selbst erhebt. Dazu gehören Newsletter-Anmeldungen, Veranstaltungs-Check-ins, Tür-zu-Tür-Erfassungen und Wahlhelferinnen-Listen. Diese Quellen sind nicht automatisch rechtssicher, aber sie ermöglichen eine nachvollziehbare Prüfung von Zweck, Einwilligung und Aufbewahrung.

Eigene Daten bleiben oft begrenzt. Genau deshalb greifen Teams auf Plattformoptionen oder externe Datenquellen zurück. Dabei steigt das Risiko, dass Herkunft, Zweck und politische Aussagekraft einer Information nicht ausreichend nachvollziehbar sind. Datenbroker und ähnliche Profile mit politischen Affinitäten gehören in Deutschland nicht in eine improvisierte Kampagnenliste.
Von der Datenquelle zur Botschaft
Eine brauchbare Segmentierung verbindet mehrere Perspektiven, ohne Menschen auf ein einzelnes Merkmal zu reduzieren:
- Soziodemografie: Alter, Wohnort, Bildungsumfeld oder Haushaltsstruktur können den Kommunikationsrahmen bestimmen.
- Verhalten: Spenden, Petitionssignaturen oder Veranstaltungsanmeldungen zeigen, ob eine Person bereits aktiv geworden ist.
- Kontaktstatus: Newsletter-Abonnenten brauchen eine andere Ansprache als Menschen, die noch nie mit der Kampagne interagiert haben.
- Themenbindung: Ein konkretes Anliegen wie Verkehr, Wohnen oder Pflege ist für die Botschaft wichtiger als ein abstraktes Profil.
Typische Arbeitsgruppen können unentschlossene Erstwählerinnen in Großstädten, frustrierte ehemalige Wähler einer Volkspartei im ländlichen Raum, Eltern zwischen 35 und 50 mit Migrationsgeschichte oder Mitglieder sozialer Berufsgruppen mit hoher Themenbindung sein. Diese Beschreibungen sind zunächst Hypothesen. Sie werden erst nützlich, wenn die Kampagne für jede Gruppe ein klares Motiv formuliert.
Eine Audience ist kein fertiges Ziel. Sie ist eine Arbeitsannahme, die durch Gespräche, Reaktionen und zulässige Daten geprüft werden muss.
Dokumentieren Sie deshalb für jedes Segment den Zweck, die Datenquelle, die Ausschlusskriterien, die Botschaft und die geplante Handlung. Für die technische Einordnung komplexer Datenstrukturen kann eine Ressource wie Big Data für CTOs hilfreich sein. Politische Kampagnen brauchen daraus allerdings keine maximale Datensammlung, sondern eine kontrollierte und begründete Auswahl.
Wer die Inhalte und Kanäle zusammenführen will, findet im Beitrag zur Wahlkampfkommunikation auf Social Media eine passende Ergänzung. Entscheidend bleibt: Jeder Datensatz muss einem legitimen Zweck dienen, und jeder Zweck braucht eine klare Löschlogik.
Wirkt Microtargeting überhaupt auf Wahlentscheidungen
Eine kommunale Kampagne kann eine Anzeige exakt auf ein Viertel zuschneiden und trotzdem keine Stimme gewinnen. Microtargeting macht Inhalte sichtbarer oder verständlicher, ersetzt aber weder ein glaubwürdiges Angebot noch den direkten Kontakt. Der direkte Einfluss auf das tatsächliche Wahlverhalten bleibt in Deutschland begrenzt und umstritten.
Für die Europawahl 2019 zeichnet die deutsche Forschung ein nüchternes Bild. Parteien setzten Microtargeting ein, doch es blieb ein kleiner Teil der gesamten Kampagnenkommunikation. Viele Inhalte verbreiteten sich organisch stärker als über bezahlte Werbung. Die Forschung zu Microtargeting in Deutschland und Europa verweist zugleich auf eine große Forschungslücke.
Wo Personalisierung plausibel hilft
Der klarste praktische Nutzen liegt oft vor der Wahlentscheidung. Eine Kampagne kann Menschen zu einer Veranstaltung einladen, Unterstützer reaktivieren oder Wahlhelferinnen gewinnen. Eine konkrete Einladung mit lokalem Bezug hat dafür bessere Voraussetzungen als eine allgemeine Imagebotschaft, die an alle ausgespielt wird.
Auch bei mobilisierungsfernen Gruppen kann eine passende Ansprache sinnvoll sein. Unentschlossene Erstwählerinnen brauchen möglicherweise eine verständliche Erklärung zu einem Thema. Überzeugte Stammwähler sollen eher eine Aufgabe übernehmen. Entscheidend ist deshalb die erwartete Handlung, nicht nur eine sprachlich angepasste Anzeige.
Bei überzeugten Anhängern wird präzises Targeting schnell zur Budgetverschwendung. Die Kampagne bezahlt für Kontakte, die bereits vorhanden sind, statt neue oder schwer erreichbare Menschen anzusprechen. Für ein Thema, das den gesamten Wahlkreis betrifft, kann eine breite Botschaft effizienter sein.
Prüfen Sie jede Variante mit vier Fragen:
- Erreicht sie Menschen, die sonst kaum Kontakt zur Kampagne hätten?
- Verändert sie eine konkrete Handlung, etwa Anmeldung, Spende oder Gespräch?
- Liefert sie Erkenntnisse für die nächste Botschaft?
- Rechtfertigt der Zusatznutzen den Aufwand für Datenprüfung und Varianten?
Für kommunale, Landes- und Bundeskampagnen folgt daraus eine klare Empfehlung: Versprechen Sie keine Wahlergebnisse durch Personalisierung. Testen Sie begrenzte Ziele, dokumentieren Sie die Entscheidung und messen Sie Handlungen statt nur Reichweite. Die DSGVO und die Plattformregeln im Jahr 2026 setzen dabei die Grenzen, nicht die technische Verfügbarkeit einer Zielgruppe.
DSGVO und EU-Regeln als operative Spielregeln
Die DSGVO ist kein Freifahrtschein und kein pauschales Verbot. Sie zwingt Kampagnen dazu, Datenquellen, Zweck, Rechtsgrundlage, Zugriff und Löschung vor dem Start zu klären. Für politische Meinungen gelten besonders hohe Schutzanforderungen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte zu digitalen Diensten und sozialen Medien ordnet politische Meinungen als besonders geschützte Daten nach Artikel 9 DSGVO ein.
Die Konsequenz ist operativ. Ein Anbieter kann eine Zielgruppe technisch anbieten, ohne dass eine Partei sie rechtmäßig nutzen darf. Die Einordnung personalisierter politischer Online-Werbung beschreibt Targeting als zielgerichtete Ausspielung anhand vorausgewählter Kriterien und betont die engen Grenzen bei politischen Meinungen.
Zulässig planen
Nach der europäischen Regelung für politische Werbung ist gezieltes politisches Targeting nur zulässig, wenn die Daten von der betroffenen Person selbst stammen und eine ausdrückliche, gesonderte Einwilligung vorliegt. Profiling mit besonderen Kategorien personenbezogener Daten ist für politische Online-Werbung untersagt, wie die Datenschutzaufsicht Berlin zu politischer Werbung erläutert.
| Bereich | Erlaubt | Verboten |
|---|---|---|
| Eigene Kontakte | Zweckgebundene Nutzung mit sauberer Einwilligung und Dokumentation | Unbegrenzte Weiternutzung für neue Zwecke |
| Politische Daten | Verarbeitung nur unter den engen gesetzlichen Voraussetzungen | Nutzung politischer Meinungen ohne wirksame Grundlage |
| Zielgruppen | Allgemeine regionale oder demografische Kriterien, soweit Plattform und Recht es zulassen | Profiling mit besonderen Kategorien personenbezogener Daten |
| Datenhaltung | Begrenzte Speicherung und Löschung nach Zweckende | Dauerhafte Speicherung ohne legitimen Zweck |
| Werbung | Klare Kennzeichnung und Angaben zum Auftraggeber | Intransparente politische Werbung |
Die Analyse zu Deutschland beschreibt zudem Zweckbindung, Datensparsamkeit und enge Grenzen bei der Zusammenführung individueller Daten mit weiteren Datenbanken. Bei der Bundestagswahl 2021 konnten Forschende bei Facebook nur Geschlecht, Altersrange und Bundesland einsehen, obwohl Werbetreibenden technisch mehr Optionen zur Verfügung standen. Transparenz gegenüber Außenstehenden bleibt also begrenzt.
Kampagnen sollten Einwilligungen, Zielgruppenlogik und Anzeigenfreigaben in einem gemeinsamen Prozess dokumentieren. Für die Organisation von Teams und Einsätzen kann eine sichere Cloud für Workforce Management als Orientierung für datenschutzbewusste Arbeitsabläufe dienen. Ergänzend sollten Sie die TTPW-VO für politische Werbung in die Freigaberoutine aufnehmen.
Erfolg messen ohne in Metrics zu ertrinken
Viele Kampagnen sammeln Klicks, Impressionen und Videoaufrufe, ohne daraus eine Entscheidung abzuleiten. Das Problem ist nicht die Menge der Daten, sondern die fehlende Verbindung zwischen Kennzahl und Handlung. Jede Metrik muss beantworten, ob Budget, Botschaft oder Kanal verändert werden sollen.
Recall ist für politische Kommunikation wichtiger als eine beeindruckende Reichweite. Befragen Sie eine Zielgruppe vor und nach einer Kampagnenphase, um zu prüfen, ob Kandidatin, Partei oder Thema erinnert werden. Bei Kommentaren und Direktnachrichten zählt die Richtung des Sentiments, nicht nur die Zahl der Reaktionen.
Ein schlankes Messsystem
| Kennzahl | Messintervall | Operative Konsequenz |
|---|---|---|
| Kandidaten- und Markenrecall | Vor und nach einer Kampagnenphase | Botschaft beibehalten, schärfen oder neu erklären |
| Sentiment in Kommentaren und Direktnachrichten | Wöchentlich | Themen, Tonalität und Moderation anpassen |
| Spendenverhalten | Nach jeder relevanten Aktion | Ansprache, Spendenweg oder Anlass überarbeiten |
| Aktionskonversionen | Täglich bei laufenden Anmeldungen | Budget auf wirksame Formate und Zielgruppen verschieben |
| Anmeldungen zum Haustürbesuch | Wöchentlich | Mobilisierungsteam und lokale Schwerpunkte neu planen |
| Wahlbenachrichtigungs-Tools | In klar abgegrenzten Segmenten | Erinnerung und Unterstützungsangebote differenzieren |
| Wahlbeteiligungsmobilisierung | Nach dem Wahltermin | Erreichen die Segmente tatsächlich das gewünschte Verhalten? |
Tagesberichte dienen der Budgetsteuerung. Wöchentliche Auswertungen helfen bei inhaltlichen Anpassungen. Nach dem Wahltermin liefern Exit-Polls und Gespräche eine Validierung, allerdings nur, wenn die Kampagne vorher festgelegt hat, welche Hypothese sie prüfen wollte.
Die Segmentierung muss dabei überschaubar bleiben. Wenn jedes Format einer eigenen Mini-Zielgruppe gilt, verliert das Team den Überblick und produziert widersprüchliche Botschaften. Der Beitrag zum Conversion-Tracking im Wahlkampf zeigt, wie sich Handlungen sauberer als reine Plattformmetriken betrachten lassen.
Messregel: Eine Kennzahl ohne vorher definierte Konsequenz gehört nicht ins tägliche Kampagnenmeeting.
Besonders wichtig ist die Verbindung von digitaler und analoger Auswertung. Steigen Online-Anmeldungen für Haustürbesuche, muss das Organisationsteam darauf reagieren können. Bleibt die Resonanz trotz hoher Reichweite aus, braucht es nicht automatisch mehr Budget. Vielleicht ist die Botschaft unklar, der Aufruf zu schwach oder die Zielgruppe falsch beschrieben.
Empfehlungen, Risiken und wann besser darauf verzichten
Microtargeting ist kein Selbstzweck. Für eine kommunale Kandidatin, die in einem überschaubaren Wahlkreis um eine Stichwahl kämpft, können mehrere Tage Haustürgespräche näher an der Entscheidung liegen als eine präzise Plattformanzeige. Persönliche Gespräche schaffen Vertrauen, öffnen neue Kontakte und zeigen, ob die Kernbotschaft verstanden wird.
Für Landes- und Bundeskampagnen mit großen Werbebudgets und etablierter Dateninfrastruktur kann der Aufbau von Custom Audiences, Lookalike Audiences und programmatischer Display-Aussteuerung dagegen sinnvoll sein. Voraussetzung sind eine belastbare Rechtsprüfung, klare Zielgruppen und ein Team, das Varianten nicht nur produziert, sondern auch kontrolliert.
Die wichtigsten Risiken
Die Plattformen ordnen Personen nach eigenen Kriterien ein. Dadurch kann dieselbe Person in verschiedenen Systemen unterschiedlichen Segmenten zugeordnet werden. Zusätzlich ändern Anbieter ihre Regeln, Prüfprozesse und Werbemöglichkeiten, während eine Kampagne bereits läuft.
Eine weitere Gefahr ist die Filterblase. Wenn Anzeigen überwiegend bestehende Anhänger bestätigen, entsteht viel Zustimmung im eigenen Umfeld, aber wenig Bewegung bei Unentschiedenen. Lokale Kampagnen sollten deshalb breite geografische Mobilisierung einsetzen, wenn die Kernbotschaft für den gesamten Wahlkreis gilt.
Meine Empfehlung für 2026 ist eindeutig:
- Kommunale Kandidatinnen und Kandidaten: zuerst Haustür, Veranstaltungen, lokale Presse und GEO-basierte Kommunikation stärken. Microtargeting nur für klar begrenzte Themen oder konkrete Aktionen einsetzen.
- Landes- und Bundeskampagnen: eigene Daten sauber aufbauen, zulässige Plattformsegmente nutzen und jede Zielgruppe mit einem überprüfbaren Handlungsziel verbinden.
- Parteien und Verbände: keine sensiblen politischen Profile einkaufen und keine technische Funktion ohne dokumentierte Rechtsgrundlage aktivieren.
- NGOs und kommunale Akteure: organische Inhalte, Newsletter und eigene Communitys als unabhängige Kontaktwege ausbauen.
Wer die Rechtslage nicht sicher beherrscht, sollte auf feinste Personalisierung verzichten. Gute GEO-Ansprache, verständliche Inhalte und konsequente Community-Arbeit sind dann die bessere Wahl.
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