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Politisch kommunizieren 13 Min. Lesezeit27. August 2026

Politische Beratung: Strategie, Prozess und Wirkung

Politische Beratung für Parteien, Kandidaten und Institutionen: Leistungen, Prozess von Strategie bis Umsetzung, Erfolgsmessung und Abgrenzung

Simon Mai

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Simon Mai

Politische Beratung: Strategie, Prozess und Wirkung
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Dienstagabend, sechs Wochen vor der Wahl. In einem Hinterzimmer liegen Entwürfe für Flyer, ein Social-Media-Plan und eine Umfrage auf dem Tisch. Die Werte stagnieren, die Reichweite sinkt, und der Gegenkandidat erscheint regelmäßig in der lokalen Presse. Niemand im Team arbeitet zu wenig. Trotzdem fehlt eine gemeinsame Entscheidung darüber, welche Botschaft jetzt Priorität hat, wen sie erreichen soll und welcher Kontakt tatsächlich Wirkung erzeugt.

Genau an solchen Punkten zeigt sich der Wert professioneller politischer Beratung. Sie ersetzt weder politische Substanz noch die Verantwortung des Kandidaten. Sie schafft jedoch eine belastbare Verbindung zwischen Analyse, Positionierung, Kommunikation und Umsetzung. Wer Beratung nur als Redenschreiben oder Betreuung sozialer Netzwerke versteht, verschenkt diesen strategischen Hebel.

Warum politische Beratung den Unterschied macht

Der Kandidat im Hinterzimmer hat meist kein Ideenproblem. Er hat ein Priorisierungsproblem. Das Team produziert Inhalte, reagiert auf Meldungen und organisiert Termine, doch jede Aktivität folgt einer anderen Vorstellung davon, was die Kampagne eigentlich erreichen soll. Eine Beratung beginnt deshalb nicht mit dem nächsten Post, sondern mit der Frage, welche Entscheidung am Ende beeinflusst werden muss.

Strategie statt Aktionismus

In der Praxis liegen die ersten Hebel oft in drei Bereichen:

  • Kernbotschaft: Wofür soll der Kandidat im Gedächtnis stehen, und welches konkrete Problem bearbeitet er?
  • Ressourcen: Welche Themen, Zielgruppen und Kontaktpunkte verdienen die begrenzte Zeit und Aufmerksamkeit des Teams?
  • Taktung: Welche Inhalte müssen früh Vertrauen aufbauen, welche später mobilisieren und welche gehören überhaupt nicht in die Kampagne?

Ohne diese Klärung entsteht leicht eine Aktivitätsspirale. Das Team misst Likes, diskutiert einzelne Formulierungen und produziert Material, ohne den Zusammenhang zwischen Sichtbarkeit und politischer Entscheidung zu prüfen. Beratung schafft dagegen eine gemeinsame Arbeitsgrundlage, in der auch ein begründetes Nein möglich wird.

Praktische Regel: Jede Maßnahme braucht eine erkennbare Funktion. Sie soll informieren, Vertrauen aufbauen, eine Gegenposition entkräften, einen Kontakt herstellen oder zur Beteiligung bewegen.

Politische Beratung ist dabei kein Erfolgsgarant. Sie kann keine Stimmungslage wegplanen und keinen Kandidaten glaubwürdig machen, der im persönlichen Kontakt nicht überzeugt. Sie kann aber blinde Flecken sichtbar machen, widersprüchliche Signale ordnen und den Abstand zwischen politischem Anspruch und wahrgenommener Wirkung verkleinern.

Der Unterschied in der Zusammenarbeit

Gute externe Berater bringen nicht einfach mehr Ideen in den Raum. Sie strukturieren Entscheidungen, definieren Prüfsteine und halten die strategische Linie auch dann fest, wenn der Nachrichtenzyklus hektisch wird. Besonders wertvoll ist die Außenperspektive dort, wo ein Team seine eigene Sprache längst nicht mehr hört oder interne Konflikte als Sachfragen tarnt.

Die empirische Forschung zur Politikberatung an deutschen Hochschulen zeigt, dass Beratung verbreitet, aber meist nicht täglicher oder wöchentlicher Bestandteil der Arbeit ist. 70 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen drei Jahren mindestens eine Form der Politikberatung geleistet zu haben; Workshops, Konferenzen und persönlicher Kontakt gehörten zu den dominierenden Formaten. Diese Befunde sind für Kampagnen relevant, weil sie die Bedeutung direkter, niedrigschwelliger Zusammenarbeit unterstreichen. Die Bertelsmann-Stiftung dokumentiert diese Ergebnisse zur Politikberatung.

Von der Gremienberatung zur modernen Kampagnenagentur

Politische Beratung in Deutschland ist älter als die moderne Wahlkampfagentur. Ihre Wurzeln reichen historisch bis ins 19. Jahrhundert zurück. Ab 1871 entstanden im Deutschen Reich und in Preußen systematische Beratungsgremien vor allem für Agrar-, Gesundheits- und Handelspolitik. Bis in die frühen 1960er Jahre prägten Gremien und einzelne Experten die Beratung, bevor mit dem Wissenschaftsrat 1957 und dem Sachverständigenrat 1963 stärker institutionalisierte Formen entstanden. Die historische Entwicklung der wissenschaftlichen Politikberatung in Deutschland wird hier nachgezeichnet.

Eine Infografik zur historischen Entwicklung von der traditionellen Gremienberatung hin zur modernen, datengestützten Kampagnenagentur im digitalen Zeitalter.

Wachstum und Ausdifferenzierung

Die Entwicklung lässt sich auch an der institutionellen Ausweitung ablesen. 1969 wurden in der Bundesrepublik 203 Gremien mit über 3000 Expertinnen und Experten dokumentiert. 1977 waren es 358 Gremien mit 5600 Beratern. Das entsprach einem Zuwachs um 155 Gremien, rund 76 Prozent, sowie um 2600 beratene Personen, rund 87 Prozent. Die dokumentierten Größenordnungen der Politikberatung in dieser Phase finden sich in der historischen Untersuchung zu Experten und Politik.

Damit veränderte sich nicht nur die Menge der Beratung. Auch ihre Logik wurde vielfältiger. Neben wissenschaftlichen Gutachten traten administrative Expertise, Verbandswissen, politische Prozessberatung, Medienarbeit und später digitale Analyse. Die klassische ministerielle Fachberatung blieb wichtig, wurde aber Teil eines größeren Ökosystems.

Vom Gutachten zur Kampagnenarchitektur

Heute müssen Berater unterschiedliche Systeme gleichzeitig verstehen. Ein Ministerium bewertet Umsetzbarkeit und rechtliche Belastbarkeit. Eine Fraktion braucht politische Anschlussfähigkeit. Ein Verband sucht Interessenvertretung und Agenda-Setting. Ein Wahlkampfteam muss zusätzlich Aufmerksamkeit, Vertrauen und Mobilisierung in einen begrenzten Zeitraum bringen.

Eine moderne Wahlkampfagentur für strategische Kampagnen arbeitet deshalb selten nur an einzelnen Werbemitteln. Sie verbindet Recherche, Botschaft, Gestaltung, Pressearbeit, digitale Formate, Terminplanung und interne Steuerung. Der Vorteil der Ausdifferenzierung liegt in der Spezialisierung. Ihr Risiko besteht darin, dass viele Fachleute aneinander vorbeiarbeiten. Eine starke Gesamtstrategie muss daher vor jedem einzelnen Gewerk stehen.

Drei Modi politischer Beratung im Überblick

Der Beratungsbedarf hängt zuerst vom Auftraggeber und vom Entscheidungsziel ab. Eine Bürgermeisterkandidatin in der heißen Wahlkampfphase braucht eine andere Arbeitsweise als ein Ministerium mit langfristigem Gesetzgebungsvorhaben oder eine Fraktion, die zwischen den Wahlterminen dauerhaft kommuniziert.

Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die deutsche Politikberatung als überwiegend etatistisch und verwaltungsbezogen. Zugleich unterscheidet sie Policy-Beratung, die Beratung politischer Prozesse, auch Political Consulting genannt, und Politikgestaltung auf Systemebene. Entscheidend ist deshalb die richtige Übersetzung für das jeweilige Zielsystem. Die institutionellen Beratungsmodi und ihre Adressaten werden in dieser Analyse erläutert.

Die drei Modi

BeratungsmodusAuftraggeberZeithorizontErfolgskriteriumTypische Deliverables
Strategische WahlkampfberatungKandidatinnen und Kandidaten, Parteien, WahlkampfteamsWahltermin als FixpunktWahlergebnis, Mobilisierung, strategische SichtbarkeitPositionierung, Kampagnenplan, Botschaften, Mediaplan, Content-System
Institutionelle PolitikberatungMinisterien, Verwaltungen, Fraktionen, VerbändeVon der Entscheidungsfrage bis zum GesetzgebungsprozessPolitische Durchsetzbarkeit, fachliche Qualität, AnschlussfähigkeitPolicy Briefs, Szenarien, Stakeholder-Analyse, Briefings, Gesprächsvorbereitung
Laufende KommunikationsberatungMandatsträger, Parteien, Fraktionen, KommunenKontinuierlich zwischen WahlzyklenVertrauen, Themenführerschaft, ReaktionsfähigkeitRedaktionsplanung, Pressearbeit, Social Media, Krisenroutine, Monitoring

In der Wahlkampfberatung zählt Konsequenz. Nicht jede Zielgruppe bekommt dieselbe Botschaft, und nicht jedes Thema verdient Sichtbarkeit. Institutionelle Beratung verlangt dagegen mehr Geduld und eine präzise Analyse von Zuständigkeiten, Verfahren und möglichen Koalitionen.

Die laufende Kommunikationsberatung sitzt dazwischen. Sie muss kurzfristig auf Ereignisse reagieren, ohne die langfristige politische Identität zu beschädigen. Der häufigste Fehler ist, alle drei Modi mit derselben Arbeitslogik zu behandeln. Ein Wahlkampf darf zugespitzt sein. Eine Verwaltungskommunikation muss zusätzlich dokumentierbar, nachvollziehbar und zuständigkeitsfest bleiben.

Leistungsbausteine einer politischen Beratung

Eine politische Beratung ist kein Einheitsprodukt. Sie besteht aus Bausteinen, die je nach Mandat kombiniert werden. Am Anfang steht häufig die strategische Positionierung. Sie klärt, welche politische Rolle der Auftraggeber einnehmen kann, welche Themen glaubwürdig zu ihm passen und welche Zielgruppen tatsächlich entscheidungsrelevant sind.

Darauf folgt die Botschaftsentwicklung. Narrative geben einzelnen Aussagen einen Zusammenhang, während konkrete Kernbotschaften den Einsatz in Rede, Pressemitteilung, Video, Brief und persönlichem Gespräch ermöglichen. Eine Kampagne braucht dabei keine maximal große Themenliste. Sie braucht ein begrenztes Set an Aussagen, die das Team sicher und konsistent beherrscht.

Die wichtigsten Gewerke

  • Analyse und Positionierung: Wettbewerber, Themen, Stärken, Schwächen und relevante Stakeholder werden geordnet.
  • Kampagnen- und Mediaplanung: Maßnahmen, Kanäle, Zeitpunkte und Zuständigkeiten werden zu einem realistischen Ablauf verbunden.
  • Content und Gestaltung: Aus der Strategie entstehen digitale Beiträge, Videos, Plakate, Flyer, Reden und Presseformate.
  • Issues-Management: Politische Konflikte werden früh erkannt, bewertet und mit Reaktionsoptionen versehen.
  • Krisenkommunikation: Rollen, Freigaben, Lagebilder und Dokumentation verhindern, dass im Ernstfall jede Entscheidung improvisiert wird.
  • Datenanalyse: Rückmeldungen aus Gesprächen, Medienbeobachtung und digitalen Kanälen werden für Priorisierungen genutzt.

Für öffentliche Stellen umfasst Krisenkommunikation mehr als eine veröffentlichte Stellungnahme. Der Leitfaden des Bundesinnenministeriums nennt unter anderem Lageerfassung, Maßnahmenplanung, Einsatzdokumentation und fachliche Aufgabenerfüllung als operative Aufgaben. Der Leitfaden des Bundesinnenministeriums beschreibt die Anforderungen an Krisenkommunikation im Behördenkontext.

Zwei Organisationsmodelle

KriteriumFull-Service-BeratungModulare Zusammenarbeit
SteuerungEine zentrale Leitung koordiniert Strategie, Kreation und UmsetzungDer Auftraggeber oder ein Lead koordiniert mehrere Spezialisten
Geeignet fürKomplexe Kampagnen mit engem ZeitplanKlare Einzelaufgaben und vorhandene interne Kompetenz
StärkeEinheitliche Linie und kurze AbstimmungswegeTiefe Spezialisierung und flexible Beauftragung
RisikoAbhängigkeit von einem DienstleisterReibungsverluste, widersprüchliche Botschaften und höherer Koordinationsaufwand
VoraussetzungKlare Entscheidungsrechte und verlässlicher AnsprechpartnerVerbindliches Briefing, gemeinsame Standards und ein zentraler Redaktionsplan

Full-Service ist sinnvoll, wenn intern wenig Kapazität vorhanden ist oder viele Gewerke eng ineinandergreifen. Modularität passt, wenn beispielsweise die Strategie intern steht und nur Medienproduktion oder Pressearbeit ausgelagert werden soll. Für die Abstimmung mehrerer Interessengruppen hilft ein sauberer Ansatz für Stakeholder-Management und Kommunikation. Entscheidend bleibt, wer im Konfliktfall entscheidet.

Digitale Algorithmen und klassische Kontaktpunkte

Eine Kampagne kann digital sichtbar und politisch trotzdem unbedeutend sein. Empfehlungsalgorithmen sortieren Inhalte nach Plattformlogiken, Interaktionen, Formatmerkmalen und erwarteter Aufmerksamkeit. Deshalb reicht es nicht, auf Meta, TikTok, YouTube oder X denselben Beitrag unverändert zu veröffentlichen.

Eine Analyse zur Bundestagswahl 2025 zeigte, dass politische Inhalte mit AfD-Bezug auf TikTok, X, Instagram und YouTube im Durchschnitt häufiger ausgespielt wurden als Inhalte der Mitte. Auf TikTok erschienen #afd-Videos nach der Profilanlage durchschnittlich nach 11 bis 12 Minuten, während #spd erst nach rund 70 Minuten folgte. Die Bertelsmann-Stiftung analysiert die algorithmische Sichtbarkeit politischer Inhalte und die Ansprache junger Menschen.

Grafik zur Kombination aus digitaler Reichweite durch Algorithmen und analoger Glaubwürdigkeit für wirkungsvolle politische Kampagnen.

Sichtbarkeit ist noch kein Vertrauen

Junge Zielgruppen nutzen soziale Medien intensiv als Ort politischer Ansprache. Die genannte Analyse berichtet, dass über 70 Prozent der Erstwählenden soziale Medien als zentralen Anspracheort sehen. Zugleich erzeugten emotionale Kurzvideos im Wahlkampf 2025 deutlich mehr Resonanz als sachlich-informative Formate. Das macht emotionale Gestaltung nicht automatisch richtig. Es zeigt vielmehr, dass Inhalt, Format und Plattform zusammen geplant werden müssen.

Offline-Kontakte erfüllen eine andere Funktion. Bei der Bundestagswahl 2025 erinnerten sich 93 Prozent der Wahlberechtigten an Plakatwerbung mindestens einer Partei, 58 Prozent an Wahlwerbung im Briefkasten und 54 Prozent an Werbestände auf der Straße. Werbung in sozialen Medien wurde von 42 Prozent erinnert. Rund jede siebte Person wurde im Wahlkampf persönlich angesprochen. Die repräsentative Nachwahlbefragung zu Plakat, Online, Haustür und weiteren Kontaktpunkten ist bei der Konrad-Adenauer-Stiftung dokumentiert.

Das integrierte Wirkungsmodell

Ein kurzer Clip aus einem echten Straßengespräch kann glaubwürdiger wirken als ein perfekt produzierter Imagefilm, wenn er eine konkrete Frage aufgreift und die Person dahinter sichtbar macht. Das Gespräch liefert den Inhalt. Das Video verlängert den Kontakt in den Feed. Der digitale Beitrag kann wiederum zu einer Bürgerversammlung oder einem Haustürtermin führen.

Für die Planung lassen sich Kontaktpunkte nach ihrer Funktion ordnen:

  • Orientierung: Plakate, lokale Presse und kurze digitale Beiträge machen Kandidatinnen und Kandidaten auffindbar.
  • Vertrauen: Haustürgespräche, Infostände und persönliche Veranstaltungen ermöglichen Rückfragen.
  • Vertiefung: Website, längere Videos, Programme und Pressegespräche liefern Argumente.
  • Mobilisierung: Direkte Einladungen, lokale Termine und klar getaktete digitale Erinnerungen führen zur Handlung.

Die ausführliche Einordnung von Social Media und Politik sollte deshalb immer mit einer Offline-Planung verbunden werden. Wer nur den Algorithmus optimiert, verwechselt Ausspielung mit Überzeugung. Wer nur auf Präsenz vor Ort setzt, verschenkt die Möglichkeit, persönliche Begegnungen digital weiterzuführen.

Der Beratungsprozess von der Analyse bis zur Umsetzung

Professionelle Beratung wird nachvollziehbar, wenn jede Phase ein klares Ergebnis hat. Der Auftraggeber sollte jederzeit wissen, welche Frage gerade beantwortet wird, welche Entscheidung als Nächstes ansteht und welche Informationen dafür noch fehlen.

Eine Infografik stellt den fünfstufigen Beratungsprozess von der ersten Situationsanalyse bis zur finalen Evaluation dar.

Fünf Phasen mit klaren Übergaben

Erstens, die Situationsanalyse. Das Team prüft Wettbewerbslandschaft, eigene Ressourcen, mediales Umfeld, Themen und Rückmeldungen aus relevanten Zielgruppen. Das Ergebnis ist kein ungeordnetes Dossier, sondern ein Lagebild mit priorisierten Problemen.

Zweitens, die Strategieentwicklung. Aus dem Lagebild entstehen Positionierung, Kernbotschaften, Zielgruppenlogik und Handlungsfelder. Eine Strategie ist brauchbar, wenn sie auch unter Zeitdruck Entscheidungen erleichtert.

Drittens, die Kampagnenplanung. Die strategischen Leitplanken werden in Formate und Maßnahmen übersetzt. Dazu gehören Social-Media-Inhalte, Pressearbeit, Veranstaltungen, Plakate, Flyer und interne Abläufe.

Viertens, die Umsetzung mit Monitoring. Das Team produziert, veröffentlicht, organisiert Termine und beobachtet Reaktionen. Budgetkontrolle und feste Freigabeprozesse verhindern, dass spontane Ereignisse die gesamte Linie verändern.

Fünftens, Evaluation und Anpassung. Reichweite, Engagement, Medienresonanz, Gesprächsrückmeldungen und politische Durchsetzungskraft werden anhand vorher definierter Kriterien bewertet. Das Wahlergebnis kann ein zentrales Kriterium sein, ist aber nicht die einzige Information über die Qualität einzelner Maßnahmen.

Bei vielen Projekten scheitert die Umsetzung nicht an der Idee, sondern an fehlenden Übergaben. Ein gemeinsames System für Inbound-Lead-Management kann helfen, eingehende Kontakte strukturiert zu erfassen und Zuständigkeiten nachvollziehbar zu machen. Für politische Organisationen muss dabei klar geregelt sein, welche Daten wofür genutzt werden und wer Zugriff erhält.

Ein passender Prozess für politische Agenturarbeit verbindet die Phasen, ohne sie zu vermischen. Die Analyse darf nicht zur Endlosschleife werden. Die Kreation darf nicht vor der Positionierung beginnen. Und Monitoring ist keine nachträgliche Rechtfertigung, sondern Teil der laufenden Steuerung.

Was politische Beratung von klassischer Werbung unterscheidet

Klassische Werbung beeinflusst Entscheidungen in einem Markt. Politische Beratung arbeitet unter Bedingungen demokratischer Legitimation, öffentlicher Rechenschaft und permanenter Gegenrede. Ein Produkt kann über eine attraktive Verpackung verkauft werden. Ein Mandatsträger muss seine Positionen auch im direkten Gespräch, in der Presse und unter kritischen Nachfragen vertreten können.

Unterschiedliche Verantwortung

Politische Kommunikation spricht heterogene Gruppen an, deren Erwartungen sich widersprechen können. Eine Botschaft, die bei einer Zielgruppe mobilisiert, kann bei einer anderen Vertrauen zerstören. Deshalb reicht es nicht, ein Image zu gestalten. Berater müssen prüfen, ob die kommunikative Zuspitzung mit der politischen Substanz, der Biografie und dem tatsächlichen Handeln übereinstimmt.

DimensionPolitische BeratungKlassische Werbung
EntscheidungsgegenstandMandat, politische Unterstützung, öffentliche AkzeptanzKauf oder Nutzung eines Angebots
ÖffentlichkeitDauerhafte Gegenrede und journalistische PrüfungWettbewerb um Aufmerksamkeit im Markt
GlaubwürdigkeitMuss mit Haltung, Verhalten und Entscheidungen übereinstimmenKann stärker über Marke und Gestaltung vermittelt werden
ErfolgWahlergebnis, Vertrauen, Durchsetzungskraft und MobilisierungAbsatz, Markenwirkung oder Nachfrage
VerantwortungDemokratische Legitimation, Transparenz und RechenschaftMarkt- und Kommunikationsrecht, Markenverantwortung

Krisen machen den Unterschied besonders deutlich. Ein Berater muss dann nicht nur eine überzeugende Formulierung liefern, sondern Zuständigkeiten, Faktenlage, Verfahren und mögliche Folgen prüfen. Reine Imagearbeit ohne belastbares Programm verliert an Glaubwürdigkeit, sobald Bürgerinnen und Bürger konkrete Antworten verlangen.

Auch Pressearbeit verlangt politische Urteilskraft. Eine gute moderne Pressearbeit entwickelt Themen, statt lediglich Termine zu versenden. Sie muss den Nachrichtenwert erkennen, Gegenargumente antizipieren und dennoch bei überprüfbaren Aussagen bleiben. Politische Beratung ist deshalb zugleich Analyse, Kommunikationshandwerk, Krisenmanagement und ethische Kontrolle.

Häufige Missverständnisse und woran Sie gute Berater erkennen

Politische Beratung wird häufig auf sichtbare Einzelaufgaben reduziert. Social-Media-Management, Redenschreiben und Wahltaktik können Bestandteile sein. Sie ersetzen jedoch keine strategische Führung.

Eine Infografik vergleicht häufige Missverständnisse in der politischen Beratung mit den Merkmalen guter und professioneller Berater.

Fünf Irrtümer

  • Beratung garantiert einen Wahlsieg: Seriöse Berater versprechen keine Ergebnisse, die sie nicht kontrollieren können.
  • Teure Kampagnen sind automatisch besser: Budget ersetzt keine klare Botschaft und keine verlässliche Umsetzung.
  • Kommunikation funktioniert ohne Strategie: Einzelne starke Beiträge bleiben wirkungslos, wenn sie keine erkennbare politische Linie bilden.
  • Berater verfolgen zwangsläufig eine eigene Agenda: Professionelle Zusammenarbeit braucht eine klare Rollendefinition, Transparenz und demokratische Grenzen.
  • Digitale Tools ersetzen Urteilskraft: Daten zeigen Muster. Menschen müssen Bedeutung, Risiko und politische Verantwortung bewerten.

Gute Berater legen ihre Methodik offen, erklären Annahmen und benennen Unsicherheiten. Sie unterscheiden zwischen Beobachtung, Interpretation und Empfehlung. Bei Honoraren sollten Leistungsumfang, Entscheidungsrechte, Produktionskosten und mögliche Zusatzleistungen verständlich dokumentiert sein.

Referenzen verdienen eine konkrete Prüfung. Fragen Sie nicht nur nach bekannten Namen, sondern nach der jeweiligen Rolle, dem Auftrag, den Ergebnissen und den Grenzen der Zusammenarbeit. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Wer jede Idee des Auftraggebers bestätigt, berät nicht, sondern verlängert dessen Selbstbild.

Vereinbaren Sie vor einer langfristigen Beauftragung eine strategische Probephase. In dieser Phase können beide Seiten prüfen, ob Analysequalität, Arbeitsgeschwindigkeit, Erreichbarkeit und politische Urteilskraft zusammenpassen. Für Parteien, Kandidatinnen und Kandidaten, Verbände oder Kommunen bietet die creategy GmbH politische Kommunikationsberatung, Wahlkampfplanung sowie laufende Kampagnenarbeit an, entweder als Full-Service-Modell oder modular mit klar abgegrenzten Leistungen.


Wenn Sie Ihre politische Positionierung schärfen, digitale und lokale Kontaktpunkte verbinden oder eine Kampagne von der Analyse bis zur Umsetzung strukturieren möchten, unterstützt die creategy GmbH Parteien, Kandidatinnen und Kandidaten, Verbände und Kommunen mit strategischer Beratung und konkreter Umsetzung. Besprechen Sie Ihren Bedarf direkt mit creategy GmbH und klären Sie, welcher Beratungsumfang zu Ihrem Mandat, Ihrem Zeitplan und Ihrem Team passt.

#Wahlkampfstrategie#Politische Kommunikation#Krisenkommunikation
Simon Mai

Über die Autorin / den Autor

Simon Mai

Simon Mai ist Geschäftsführer der Spezialagentur creategy. Zuvor war er im Bundestag und EU-Parlament tätig. Er hat bereits über 200 Wahlkämpfe begleitet.

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