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Politisch kommunizieren 14 Min. Lesezeit04. November 2026

Social Media Handbuch: Kanäle, Team und Krisenplan

Social Media Handbuch für Parteien, Fraktionen und Kandidierende: Kanäle, Redaktionsplan, Krisenkommunikation und Erfolgsmessung im Überblick.

Simon Mai

Von

Simon Mai

Social Media Handbuch: Kanäle, Team und Krisenplan
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Nur 13 Prozent der erwachsenen Online-Bevölkerung in Deutschland vertrauen Nachrichten in sozialen Medien. Zugleich kommen 36 Prozent in einer gewöhnlichen Woche dort mit Nachrichten in Kontakt. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 60 Prozent. Diese Zahlen nennt der Reuters Institute Digital News Report 2026.

Für politische Kommunikation heißt das: Sichtbarkeit bringt eine Botschaft in Umlauf, aber nicht automatisch Zustimmung. Ein gutes Social-Media-Handbuch verknüpft deshalb jede Kennzahl mit einem konkreten Wirkungsziel und legt fest, wie das Team Aussagen begründet, Fehler korrigiert und Vertrauen stärkt.

Was ein Social-Media-Handbuch leisten muss

Ein Ortsverband veröffentlicht jeden Abend spontan einen Beitrag. Solange die zuständige Person verfügbar ist, funktioniert das. Fällt sie aus oder enthält ein Beitrag einen Fehler, muss trotzdem klar sein, wer die Aussage prüft, wer sie korrigiert und wer die Korrektur veröffentlicht. Ein Handbuch legt diese Zuständigkeiten fest, bevor sie im Alltag ungeklärt bleiben.

Es schafft außerdem eine gemeinsame Grundlage für die Kommunikation. Menschen nutzen soziale Medien unterschiedlich häufig: Laut der ARD/ZDF-Medienstudie 2024 verwendeten 60 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren Social-Media-Angebote mindestens wöchentlich, gegenüber 47 Prozent im Jahr 2021. Bei den 14- bis 29-Jährigen lag die wöchentliche Nutzung 2024 bei 92 Prozent, bei Menschen ab 70 Jahren bei 19 Prozent. Ein Handbuch hilft einer Organisation, ihre Kommunikation auf unterschiedliche Zielgruppen und Situationen auszurichten.

Ein praxistaugliches Social-Media-Handbuch hält sieben Bausteine fest:

  • Ziele und Zielgruppen: Wen soll die Kommunikation erreichen, und welche Wirkung soll sie unterstützen?
  • Kanäle: Welche Aufgabe übernimmt jeder Kanal?
  • Botschaften: Welche Aussagen vertritt die Organisation, und welche Belege stützen sie?
  • Zuständigkeiten und Redaktionsplan: Wer plant, erstellt, prüft und veröffentlicht Inhalte?
  • Verantwortungsprüfung und Moderation: Welche Regeln gelten vor dem Posten und im Umgang mit Kommentaren?
  • Krisenkommunikation: Wer reagiert, wenn sich ein Fehler oder ein Vorwurf ausbreitet?
  • Erfolgsmessung: Welche Kennzahl zeigt, ob die Kommunikation ihr Ziel unterstützt?

Das Handbuch sollte außerdem klären, wie Fehler berichtigt werden und wie das Team Korrekturen sichtbar macht. Sichtbarkeit allein belegt keine Zustimmung. Eine nachvollziehbare Begründung, eine klare Korrektur und verlässliche Zuständigkeiten geben dem Team eine konkrete Grundlage, um Vertrauen zu erhalten.

Wirkungsziele und Kanäle festlegen

Eine hohe Reichweite garantiert keine Zustimmung. In fragmentierten Informationsumgebungen sollte ein Social-Media-Handbuch deshalb festhalten, welche Wirkung ein Beitrag anstrebt: etwa eine Anmeldung, eine Rückfrage oder ein besser begründetes Urteil. Legen Sie für den Planungszeitraum ein Hauptziel und höchstens zwei Nebenziele fest. Bestimmen Sie außerdem eine konkrete Primärzielgruppe, zum Beispiel Anwohnerinnen und Anwohner eines Wahlkreises oder Mitglieder eines Verbands.

Eine Bürgermeisterkandidatin möchte Anmeldungen für ihre Bürgersprechstunde gewinnen. Dafür braucht der Beitrag eine klare Einladung und einen einfachen Weg zur Anmeldung. Das Team misst anschließend, ob Menschen sich anmelden, nicht nur, wie oft der Beitrag angezeigt oder weitergeleitet wurde.

Für politische Kommunikation in Deutschland konsumieren 66 Prozent der erwachsenen Online-Bevölkerung mindestens wöchentlich Nachrichten im Internet; 45 Prozent interessieren sich stark oder sehr stark für Politik, laut Reuters Institute Digital News Report 2025 für Deutschland. Im selben Bericht liegt die wöchentliche Nachrichtennutzung über Instagram bei 29 Prozent unter den 18- bis 24-Jährigen, verglichen mit 23 Prozent für YouTube und 20 Prozent für WhatsApp. Solche Unterschiede helfen, Zielgruppen und Formate abzugleichen.

Für die allgemeine wöchentliche Nutzung 2025 nennt die ARD/ZDF-Medienstudie Instagram mit 40 Prozent, Facebook mit 31 Prozent und TikTok mit 20 Prozent bei Menschen ab 14 Jahren. Bei den 14- bis 29-Jährigen nutzt etwa jede zweite Person TikTok regelmäßig. Die Werte beziehen sich auf unterschiedliche Nutzungsarten und Altersgruppen. Sie sind ein Ausgangspunkt für die Kanalwahl, kein Wirkungsnachweis für einen konkreten Beitrag.

KanalReichweite oder NutzungZielgruppe und RolleFormateLeitkennzahl
Instagram40 Prozent wöchentlich, 2025. Quelle: ARD/ZDF-MedienstudieBreite Reichweite, visuelle KurzformateReels, Karussells, StoriesQualifizierte Interaktionen je Beitrag
Facebook31 Prozent wöchentlich, 2025. Quelle: ARD/ZDF-MedienstudieÄltere und lokale Zielgruppen, VeranstaltungenBeiträge mit Link, Videos, EinladungenVeranstaltungsanmeldungen und Weiterleitungen
TikTok20 Prozent wöchentlich bei Menschen ab 14 Jahren; etwa jede zweite Person zwischen 14 und 29 nutzt TikTok regelmäßig. Quelle: ARD/ZDF-MedienstudieJunge Erwachsene, kurze visuelle InhalteKurze HochformatvideosWiedergabedauer und Abschlussquote
YouTube23 Prozent regelmäßige Nachrichtennutzung bei 18- bis 24-Jährigen. Quelle: Reuters Institute Digital News Report 2025Erklärende LangformateErklärvideos, Interviews, Fragen und AntwortenAbschlussquote und Wiedergabedauer
WhatsApp20 Prozent regelmäßige Nachrichtennutzung bei 18- bis 24-Jährigen. Quelle: Reuters Institute Digital News Report 2025Direkte, abonnentenbasierte UpdatesKanal-Updates, kurze TextnachrichtenAbmeldungen je Versand und Klickrate

Die Tabelle dient der Auswahl, nicht als Pflichtliste. Instagram unterstützt visuelle Kurzformate, YouTube ausführliche Erklärungen und WhatsApp abonnierte Updates. Facebook kann für lokale Gruppen und Veranstaltungen passen; TikTok kommt besonders für jüngere Zielgruppen infrage. Eine Übersicht der Social-Media-Plattformen erleichtert den Vergleich weiterer Kanäle.

Begrenzte Teamkapazität setzt eine praktische Grenze: Zwei Kanäle, die regelmäßig mit passenden Inhalten bespielt werden, sind oft sinnvoller als vier, die das Team kaum betreuen kann. Prüfen Sie, welche Kanäle die Primärzielgruppe nutzt und welche Formate das Team in gleichbleibender Qualität erstellen kann. Halten Sie für jeden Beitrag Kanalziel, Zielgruppe, Format, Handlungsaufforderung und eine dazu passende Kennzahl fest. Ein Redaktionskalender macht sichtbar, wo Inhalte angepasst werden müssen, statt denselben Text überall zu veröffentlichen.

Für Amtsträgerinnen und Amtsträger, Kandidatinnen und Kandidaten sowie politisch aktive Mandatsträger bietet creategy den Videokurs Social-Media für Politikerinnen und Politiker. Er behandelt strategische Grundlagen und praktisches Handwerk, darunter Seiteneinrichtung, Video- und Grafikproduktion sowie die Planung politischer Inhalte. Die Kapitel können im eigenen Tempo angesehen und gezielt wiederholt werden.

Verantwortung prüfen und Kommentare moderieren

Vor der Veröffentlichung braucht jeder Beitrag eine kurze Verantwortungsprüfung. Wahlwerbung ist in Deutschland nicht in einem eigenen, umfassenden Gesetz geregelt. Die Bundeswahlleiterin zu Wahlwerbung ordnet sie dem Schutzbereich mehrerer Grundrechte zu, darunter der Pressefreiheit nach Artikel 5 Absatz 1 Grundgesetz, der Kunstfreiheit nach Artikel 5 Absatz 3 und dem Parteienprivileg nach Artikel 21. Parteien tragen die Verantwortung für ihre Wahlwerbung selbst. Die allgemeinen Gesetze gelten weiter; Grenzen bestehen unter anderem bei strafbaren Äußerungen und Werbung verbotener Parteien. Die Bundeswahlleiterin beurteilt keine einzelnen Wahlwerbungen.

Stellen Sie vor jedem Post diese Fragen:

  • Absender: Ist klar, ob die Aussage von der Partei, einer Fraktion, einer Kandidatin oder einer anderen Stelle kommt?
  • Tatsachen: Welche konkreten Behauptungen enthält der Beitrag, und kann das Team sie mit einer belastbaren Quelle belegen?
  • Bild und Person: Sind Bildrechte und Persönlichkeitsrechte geklärt? Liegt eine Einwilligung vor, wenn Personen erkennbar sind?
  • Musik und Gestaltung: Sind die verwendeten Musikstücke, Bilder und Schriftarten für diesen Einsatz lizenziert?
  • Grenzen: Enthält der Beitrag eine Äußerung, die strafrechtliche Grenzen überschreiten könnte?

Die Prüfung ersetzt keine rechtliche Beratung, macht aber vor dem Posten Verantwortlichkeiten und offensichtliche Risiken sichtbar. Bei einer strittigen Rechtsfrage sollte die Organisation nicht allein auf eine Einschätzung aus dem Social-Media-Team vertrauen.

Für Kommentare braucht es ebenso klare Regeln wie für Beiträge. Die Netiquette der Bundeswahlleiterin schließt kommerzielle Beiträge und Parteiwerbung auf ihrem offiziellen Kanal aus. Diese Regel gilt für den Kanal der Bundeswahlleiterin und lässt sich nicht automatisch auf Parteikonten oder Wahlkampfseiten übertragen. Übertragbar ist das Prinzip, Moderationsregeln vorab zu veröffentlichen, gleichmäßig anzuwenden und Löschungen nachvollziehbar zu begründen. Wie sich solche Abläufe im Alltag organisieren lassen, erläutert der Leitfaden zu Social-Media-Community-Management.

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich. Ein Kandidierender veröffentlicht ein erkennbares Foto von Kindern auf einem Schulhof, ohne die erforderlichen Einwilligungen geklärt zu haben. Das Team entfernt den Beitrag, erklärt im Kommentar sachlich den Grund und gibt der zuständigen Person eine Checkliste für künftige Bildfreigaben. Ein stilles Löschen lässt dagegen offen, ob das Team einen Fehler erkannt hat oder Kritik unterdrücken wollte.

Zuständigkeiten und Freigabe im Team

Eine gute Zuständigkeitsregel verhindert zwei gegensätzliche Probleme: Jede Person veröffentlicht eigenständig, oder kein Beitrag geht ohne eine nicht verfügbare Sitzung online. Benennen Sie deshalb für jede Aufgabe eine verantwortliche Person und eine Frist. Die Tabelle ist als praktische Aufgabenliste gedacht. Sie hilft dem Team, auch bei Ausfällen zu erkennen, wer übernehmen darf.

AufgabeVerantwortlichFreigabe durchFrist
Redaktionsplan führenKoordinationKampagnen- oder GeschäftsleitungWöchentlich aktualisieren
Entwurf und Hook schreibenRedaktionKoordination24 Stunden vor Veröffentlichung
Aussagen fachlich prüfenFachverantwortlicheFreigabepersonVor Freigabe
Beiträge freigebenFreigabepersonEntfälltVor Veröffentlichung
Kommentare moderierenModerationsteamKoordination bei EskalationWerktäglich, mit Vertretung
Kandidatinnen und Kandidaten vor der KameraPerson selbstKoordinationNach Terminplan
Krisenstab einberufenBenannte LeitungVorstand oder KandidaturSofort bei Krisenstufe 2

Eine Infografik zur Strukturierung von Zuständigkeiten, Freigabeprozessen und Eingriffsregeln innerhalb eines Social Media Teams.

Jeder Beitrag erhält außerdem einen vollständigen Datensatz. Pflichtfelder sind Veröffentlichungsdatum, Plattform, Format, Thema, Zielgruppe und verantwortliche Person. Ergänzen Sie Einwilligungen, Musik- und Bildrechte sowie den Krisenstatus. Diese Angaben schaffen eine nachvollziehbare Spur, wenn später Fragen zu einer Aussage, einem Motiv oder einer Freigabe auftauchen.

Der Ablauf funktioniert am besten als feste Folge:

  1. Idee erfassen. Die Koordination trägt den Vorschlag in den Themenspeicher ein. So geht eine gute Idee nicht in Einzelchats verloren und das Team kann Themen bündeln.
  2. Entwurf erstellen. Die Redaktion formuliert Einstieg, Kernbotschaft, Beleg und Handlungsaufforderung. Ein vollständiger Entwurf verhindert, dass das Team später über einzelne Textteile entscheiden muss, ohne das Ziel des Beitrags zu kennen.
  3. Aussagen prüfen. Fachverantwortliche kontrollieren die Tatsachenbehauptungen und die verwendeten Belege. Dieser Schritt fängt sachliche Fehler vor der Veröffentlichung ab.
  4. Freigeben. Eine benannte Person mit Entscheidungsrecht prüft Beiträge mit politischer Tragweite. Damit muss das Team im kritischen Moment nicht erst klären, wer überhaupt entscheiden darf.
  5. Veröffentlichen und auswerten. Nach dem Posten prüft das Team Kommentare und Kennzahlen nach 48 Stunden. Es hält fest, ob Rückfragen beantwortet werden müssen und ob die Handlungsaufforderung zum gewünschten Ergebnis führt.

Der Krisenstatus gehört von Anfang an in den Datensatz. Ein laufendes Thema kann sich verändern, und das Team muss erkennen können, wann ein Beitrag nicht mehr nach dem normalen Ablauf bearbeitet werden sollte. Einen Redaktionsplan können Sie mit der Redaktionsplan-Vorlage für Social Media strukturieren. Wichtig ist nicht, welches Werkzeug Sie dafür verwenden, sondern dass Termine, Zuständigkeiten und Freigaben an einem verlässlichen Ort zusammenlaufen.

Krisenkommunikation mit Eskalationsstufen

Vorbereitung entscheidet darüber, ob ein Team in einer angespannten Situation ruhig und nachvollziehbar handelt. Die Stufen in der folgenden Tabelle sind interne Richtwerte, keine wissenschaftlich ermittelten Reaktionszeiten. Passen Sie sie an die verfügbare Besetzung an und klären Sie vorab, wer außerhalb der üblichen Arbeitszeiten erreichbar ist.

StufeAuslöserErste ReaktionEntscheidung
1 geringEinzelkommentar, Tippfehler, MissverständnisInnerhalb eines WerktagsKoordination
2 erhöhtFalschbehauptung in Umlauf, wachsende KommentarwelleInnerhalb von 2 StundenKrisenstab
3 kritischVorwurf gegen eine Person, laufendes Verfahren, Anfragen mehrerer RedaktionenInnerhalb von 1 Stunde mit vorbereiteter StellungnahmeLeitung mit Rechtsberatung

Ein professionelles Team bespricht eine Eskalationsmatrix für Social-Media-Krisen in einem modernen Büro mit Laptops und Notizen.

Für jede Stufe braucht es eine klare Entscheidung darüber, wer den Fall übernimmt und welche Art von Antwort zulässig ist. Bei einem einzelnen Tippfehler reicht oft eine sachliche Korrektur durch die Koordination. Wenn eine Falschbehauptung weitergetragen wird oder eine Kommentarwelle wächst, muss der Krisenstab die Belege bündeln, die Antwort abstimmen und eine verantwortliche Sprecherin oder einen Sprecher benennen. Bei Vorwürfen gegen eine Person oder einem laufenden Verfahren entscheidet die Leitung mit rechtlicher Beratung.

Der Vertrauensengpass ist politisch relevant: Im Reuters Institute Digital News Report 2026 steht einer regelmäßigen Nutzung sozialer Medien als Nachrichtenkanal ein niedriges Vertrauen in Nachrichten auf diesen Plattformen gegenüber. Mehr Sichtbarkeit allein löst diesen Konflikt nicht. Teams müssen nachvollziehbar zeigen, worauf sie eine Behauptung stützen, welche Unsicherheiten bleiben und wie sie mit Fehlern umgehen.

Eine Korrektur sollte im selben Kanal erscheinen wie die fehlerhafte Aussage. Verweisen Sie auf den ursprünglichen Beitrag, benennen Sie die falsche Angabe und nennen Sie die richtige Information samt Beleg. Wird der Beitrag kommentarlos gelöscht, kann das den Eindruck einer Vertuschung verstärken, während eine sichtbare Korrektur den Vorgang nachvollziehbar macht.

Legen Sie für wahrscheinliche Fälle vorbereitete Grundgerüste an, etwa für einen sachlichen Fehler, eine falsche Behauptung über die Organisation oder eine Medienanfrage. Das Team passt diese Vorlagen an den konkreten Sachverhalt an, statt unter Zeitdruck bei null zu beginnen. Eine Checkliste für Krisenkommunikation hilft, Zuständigkeiten, Belege und erste Maßnahmen vorab zu ordnen. Üben Sie die Stufen außerdem einmal anhand eines fiktiven Falls. So weiß die benannte Leitung, wann sie den Krisenstab einberuft, und die Moderation kennt die Grenze ihrer eigenen Entscheidungsbefugnis.

Erfolg messen statt Reichweite zählen

Jede Kennzahl braucht eine Beziehung zu einem Wirkungsziel. Impressionen können zeigen, ob ein Beitrag sichtbar wurde. Sie belegen weder, dass Menschen die Botschaft verstanden haben, noch dass sie sich anmelden, eine Aussage überprüfen oder Kontakt aufnehmen. Die Kennzahlentabelle trennt deshalb Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit, Dialog und Mobilisierung.

WirkungszielKennzahlQuelleLesart
SichtbarkeitReichweite und ImpressionenPlattformstatistikNur Kontext, kein Erfolgsbeleg
AufmerksamkeitAbschlussquote und durchschnittliche WiedergabedauerVideoanalyseZeigt, ob Inhalte bis zum Ende tragen
DialogQualifizierte Interaktionen je BeitragKommentare und AntwortenAnteil inhaltlicher Rückfragen statt Reaktionen
WeiterverbreitungGeteilte Inhalte und WeiterleitungenPlattformstatistikHinweis auf Glaubwürdigkeit der Aussage
MobilisierungVeranstaltungsanmeldungen und UnterstützerkontakteAnmeldeformular und KontaktlisteAm nächsten am politischen Ziel
VertrauenAnteil öffentlich korrigierter Fehler und belegter RückfragenRedaktionsprotokollHinweis auf Verfahrenstreue, wenn Korrekturen im selben Kanal erscheinen

Die Produktionsmenge darf das Team nicht mit Wirkung verwechseln. Eine Analyse der politischen Kommunikation im deutschen Bundestagswahlkampf 2025 untersuchte 3.699 Beiträge von Parteien und Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten während der vierwöchigen heißen Wahlkampfphase. Instagram stellte mit 1.784 Beiträgen den größten Anteil, vor Facebook mit 1.132 und TikTok mit 783 Beiträgen, wie die Analyse zum Bundestagswahlkampf 2025 berichtet. Die Menge zeigt, wie viel auf den Plattformen veröffentlicht wurde, aber nicht, ob Beiträge Menschen überzeugt oder mobilisiert haben.

Für Kurzvideos sollte das Team deshalb mindestens Wiedergabestarts, Abschlussquote, durchschnittliche Wiedergabedauer, Interaktionsrate, geteilte Inhalte und qualifizierte Folgeaktionen erfassen. Letztere sind Handlungen, die sich einem konkreten politischen Ziel zuordnen lassen, etwa eine Veranstaltungsanmeldung oder ein Kontakt von Unterstützenden. Ein Content-Datensatz mit Veröffentlichungsdatum, Plattform, Format, Thema, Zielgruppe, Verantwortlichen, Einwilligungen, Musik- und Bildrechten sowie Krisenstatus erleichtert den Vergleich.

Ein Beispiel: Ein Verband veröffentlicht ein Erklärvideo auf YouTube. Das Video erzielt wenig Reichweite, aber viele der erreichten Personen sehen es bis zum Ende; außerdem kommen Webinar-Anmeldungen über den Beitrag. Das Team sollte das Format nicht allein wegen niedriger Impressionen einstellen. Wenn die Anmeldungen zum Ziel passen, erfüllt das Video eine wertvolle Aufgabe.

Prüfen Sie Kennzahlen monatlich, getrennt nach Plattform und Zielgruppe. Dann lässt sich erkennen, ob ein Format an der richtigen Stelle wirkt oder ob ein anderes Angebot besser passt. A/B-Tests helfen, wenn das Team jeweils eine Variable verändert, etwa den Einstiegssatz, die Videolänge oder die Handlungsaufforderung. Ändert es alles zugleich, kann es aus dem Ergebnis nicht ableiten, welche Änderung ausschlaggebend war.

Die Auswertung kann außerdem unterscheiden, ob ein Beitrag nur Aufmerksamkeit erzeugt oder eine begründete Auseinandersetzung ermöglicht. Fragen Sie, welche Rückfragen kamen, ob das Team sie mit Belegen beantworten konnte und ob Korrekturen sichtbar dokumentiert wurden. Für eine geordnete politische Öffentlichkeitsarbeit bietet der Beitrag zu politischer Öffentlichkeitsarbeit weitere Orientierung.

Das Handbuch im Team einführen

Ein Handbuch nützt erst, wenn das Team es im Arbeitsalltag verwendet. Führen Sie es schrittweise ein, damit Ziele, Zuständigkeiten und Freigaben nicht gleichzeitig neu verhandelt werden müssen.

  1. Woche eins: Prüfen Sie Zielgruppen und Kanäle. Streichen Sie Konten, für die niemand zuverlässig Inhalte erstellen und Kommentare moderieren kann.
  2. Woche zwei: Legen Sie Wirkungsziele, Kernbotschaft und Themenspeicher fest. Das gibt der Redaktion eine gemeinsame inhaltliche Grundlage.
  3. Woche drei: Benennen Sie Koordination, Freigabeperson, Moderation und Krisenstab schriftlich. So weiß jede Person, wer im Alltag und im Ernstfall entscheidet.
  4. Woche vier: Starten Sie den Redaktionsplan für acht Wochen, inklusive Pflichtschema und Freigabeprozess. Üben Sie die Eskalationsstufen an einem fiktiven Fall, bevor ein echter Vorfall eintritt.

Wenn ein Kanal bereits läuft, beginnen Sie mit der Verantwortungsprüfung. Dort lassen sich vermeidbare Fehler bei Absender, Tatsachenbehauptungen, Bildrechten und Freigaben früh abfangen. Danach wertet das Team die ersten Beiträge anhand seiner Kennzahlentabelle aus und entscheidet, was angepasst werden muss.


creategy GmbH begleitet Parteien und Fraktionen in ihrer laufenden Öffentlichkeitsarbeit und unterstützt politische Teams dabei, Zuständigkeiten, Inhalte und Krisenabläufe in eine umsetzbare Arbeitsweise zu bringen. Im kostenlosen Erstgespräch klärt creategy, ob das Mentoring passt, und empfiehlt bei Nichtpassen eine andere passende Leistung oder gar nichts. Wenn Sie Ihr Social-Media-Handbuch für den politischen Alltag aufsetzen oder schärfen möchten, nehmen Sie Kontakt mit creategy GmbH auf.

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Simon Mai

Über die Autorin / den Autor

Simon Mai

Simon Mai ist Geschäftsführer der Spezialagentur creategy. Zuvor war er im Bundestag und EU-Parlament tätig. Er hat bereits über 200 Wahlkämpfe begleitet.

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