Inhalt anzeigen▾
- Wozu Social Media Richtlinien dienen
- Eigenes Regelwerk aufbauen
- Die neun Pflichtbausteine
- Zweck und Kanäle zuerst bestimmen
- Aus der Tabelle ein Arbeitsdokument machen
- Rollen, Tonalität und Freigaben
- Tonalität prüfbar formulieren
- Kommentare beantworten und Krisen steuern
- Krisenkriterien eindeutig bestimmen
- Organische Beiträge und politische Werbung
- Vier Lagen sauber unterscheiden
- Kennzeichnung und Targeting regeln
- Was Behörden und Wahlkämpfe zeigen
- Drei Situationen aus der Praxis
- Kanalwahl mit Kapazität verbinden
- Die Richtlinie verbindlich machen
Ein Kommentar zu einem umstrittenen Beschluss steht seit Stunden unter einem Beitrag, drei Personen haben Zugang zum Kanal, und keine Person weiß, wer antworten darf. Genau in solchen Momenten zeigt sich, ob eine Partei, eine Fraktion oder ein Verband über verbindliche Social Media Richtlinien verfügt oder ob jede Entscheidung einzeln verhandelt wird.
Wozu Social Media Richtlinien dienen
An einem Nachmittag in einer Kreisgeschäftsstelle bedienen drei Personen denselben Kanal. Eine Mitarbeiterin bereitet eine Terminankündigung vor, ein Ehrenamtlicher möchte sofort auf Kritik reagieren, und die Kandidatin fragt, ob ein Foto von einer Veranstaltung ohne weitere Prüfung online gehen kann. Die Fragen wirken alltäglich, sie berühren jedoch Zuständigkeit, Bildrechte, Ton und den Umgang mit personenbezogenen Daten.
Social Media Richtlinien legen vor der Veröffentlichung fest, wer für eine Organisation spricht, welche Beiträge geprüft werden und welche Fristen für Antworten gelten. Sie ordnen außerdem, wann ein kritischer Vorgang als Krise behandelt wird und welche Daten ein Team bei Formularen, Gewinnspielen oder Kampagnen erheben darf. Dadurch bleiben Entscheidungen auch dann nachvollziehbar, wenn die diensthabende Person wechselt.
Eigenes Regelwerk aufbauen
Für die Social Media Kommunikation politischer Parteien gibt es in Deutschland keinen einheitlichen Verhaltenskodex. Eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages von 2024 stellt fest, dass Parteien das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das Datenschutzrecht und das Strafrecht beachten müssen und spezifische, allgemein verbindliche Richtlinien für Parteien fehlen.
Jede Organisation entwickelt ihr Regelwerk deshalb selbst und passt es an ihre Größe, ihre Kanäle und ihre politische Aufgabe an. Eine Bürgermeisterkandidatur mit einem kleinen Team braucht schlanke Verfahren, eine Landtagsfraktion mit mehreren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern braucht zusätzlich Vertretungen, Dienstpläne und ein belastbares Archiv. Beide benötigen klare Antworten auf dieselben Grundfragen.
- Zuständigkeit klären: Wer besitzt die Zugänge, wer schreibt, wer gibt frei und wer spricht in einer Krise.
- Datenschutz ordnen: Welche Hinweise stehen auf den Kanälen und welche Daten werden für Rückmeldungen oder Aktionen verarbeitet.
- Werbung abgrenzen: Wann bleibt ein Beitrag redaktionell und wann beginnt bezahlte politische Werbung.
Die Datenschutz-Grundverordnung bildet für Zielgruppenansprache, Kontaktformulare und Gewinnspiele einen zentralen rechtlichen Maßstab. Ihre Vorgaben gehören in die alltägliche Redaktionsarbeit, beispielsweise in die Prüfung von Fotos, Verteilerlisten und Kampagnenformularen. Wie diese Bausteine mit Themenplanung und Ansprache zusammenwirken, vertieft der Beitrag zur politischen Kommunikation in sozialen Medien.
Eine gute Richtlinie beantwortet die wiederkehrenden Fragen des Alltags so konkret, dass ein Team auch unter Zeitdruck ruhig und einheitlich handeln kann.
Die folgenden Regeln bieten eine fachliche Orientierung für Parteien, Fraktionen, Kandidatinnen und Kandidaten, Verbände und Kommunen. Sie ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall, zum Beispiel bei einer konkreten Anzeige, einem umstrittenen Bild oder einer datenschutzrechtlichen Beschwerde.
Die neun Pflichtbausteine
Beginnen Sie mit einem leeren Dokument und übernehmen Sie die neun Bausteine als Überschriften. Die Tabelle funktioniert wie ein Bauplan: Jede Zeile beschreibt eine Entscheidung, die Ihr Team vor dem ersten neuen Beitrag treffen sollte. Aus der Spalte mit den Festlegungen entsteht später die Gliederung Ihrer Richtlinie, die Spalte mit den Lücken dient als Prüfliste bei der Abnahme.
| Baustein | Was festzulegen ist | Häufige Lücke |
|---|---|---|
| Zweck und Kanäle | Ergänzender Kanal, parallele Website, Impressum, alternative Kontakte | Kanal ersetzt Presse und Website |
| Rollen | Kontoinhaberin oder Kontoinhaber, Redaktion, Freigabe, Krisensprecherin oder Krisensprecher, Vertretung | Mehrere Personen posten ohne Mandat |
| Tonalität | Anrede, Sachlichkeit, Umgang mit Gegnern und Mitgliedern | Ton wechselt mit der diensthabenden Person |
| Freigabe | Alltag, Vier Augen bei Zuspitzung, Pflichtprüfung vor Boosting | Beiträge gehen direkt live |
| Kommentare | Fristen, Antworten, Ausblenden, Löschen, Dokumentation | Kritik bleibt liegen oder wird gelöscht |
| Krise | Erste Stunde, Sprecherin oder Sprecher, Quellenprüfung, Schweigen als bewusste Entscheidung | Hektische Einzelposts |
| Datenschutz | Artikel-13-Hinweise, Formulare, Gewinnspiele, Fanpage-Prüfung | Insights werden als Freibrief verstanden |
| Politische Werbung | Kennzeichnung, Auftraggeber, Zielgruppe, Budget, Einwilligung | Bezahlte Posts sehen aus wie Redaktion |
| Archiv | Motiv, Text, Plattform, Laufzeit, Transparenzhinweis, sieben Jahre | Unterlagen enden mit dem Wahltag |
Zweck und Kanäle zuerst bestimmen
Der erste Baustein steuert alle weiteren Entscheidungen. Halten Sie fest, welche Aufgabe die Kanäle in Ihrer Öffentlichkeitsarbeit erfüllen und welche Inhalte weiterhin über Pressemitteilungen, Website, Newsletter oder persönliche Ansprache laufen. Wichtige Informationen bleiben parallel auf der eigenen Website verfügbar, und jedes Profil verweist sichtbar auf Impressum sowie alternative Kontaktwege.
Diese Ordnung schützt Bürgerinnen und Bürger, die einen Kanal gar nicht nutzen. Sie schützt auch Ihr Team, weil Anfragen zu Einzelfällen an Telefon, E-Mail oder Geschäftsstelle verwiesen werden können. Social Media ergänzt in dieser Logik die eigene Website und die Pressearbeit, und die Website bleibt der verlässliche Ort für vollständige Texte, Dokumente und Kontaktdaten.
Die Kanalwahl folgt Zielgruppe und Pflegekapazität. Das Social-Media-Konzept des Landtags Rheinland-Pfalz zeigt, wie stark sich die Nutzung zwischen Altersgruppen und Plattformen unterscheidet: Jüngere Zielgruppen sind deutlich häufiger täglich erreichbar, und die einzelnen Netzwerke werden in unterschiedlichem Rhythmus genutzt.
Leiten Sie daraus eine begrenzte Auswahl ab. Eine Gemeinde oder ein Kreisverband pflegt lieber zwei Kanäle zuverlässig als fünf Profile mit seltenen Beiträgen und unbeobachteten Kommentaren. Entscheidend sind regelmäßige Inhalte, erreichbare Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie eine personell abgesicherte Moderation. Maximale Interaktion behandelt die Richtlinie dabei bewusst nicht als Qualitätsziel.
Aus der Tabelle ein Arbeitsdokument machen
Füllen Sie zu jedem Baustein zunächst eine halbe Seite aus. Schreiben Sie nur Entscheidungen auf, die eine neue Mitarbeiterin oder ein neuer Ehrenamtlicher ohne Rückfrage anwenden kann. Offene Punkte markieren Sie sichtbar und klären sie mit Vorstand, Fraktionsleitung oder Kampagnenleitung, bevor Zugänge vergeben werden.
Arbeitsregel: Jede allgemeine Formulierung braucht eine Person, eine Frist oder einen Prüfschritt, sonst bleibt sie im Ernstfall wirkungslos.
Bei den Rollen genügt ein Satz zur Verantwortung des Teams nicht. Benennen Sie Kontoinhaberin oder Kontoinhaber, Redaktion, Freigabe und Vertretung mit Namen. Bei den Kommentaren beschreiben Sie Antwortzeiten und Löschgrenzen. Beim Archiv legen Sie Ablageort, Dateiformat und Verantwortlichkeit fest. Beim Baustein Politische Werbung halten Sie fest, wie Ihr Team seit dem 10. Oktober 2025 organische Beiträge von bezahlten Anzeigen trennt. Kennzeichnung, Auftraggeber, Zielgruppe und Budget gehören vor jeder Schaltung in die Prüfung.
Prüfen Sie jeden Baustein anschließend mit einem kurzen Beispiel. Eine Sachfrage zum Sitzungstermin zeigt, ob Fristen und Kontaktwege stimmen. Ein beleidigender Kommentar zeigt, ob Moderation und Dokumentation verständlich beschrieben sind. Ein geplanter bezahlter Beitrag zeigt, ob Kennzeichnung, Zielgruppe und Aufbewahrung vor der Schaltung geklärt werden.
So entsteht aus neun Überschriften ein schlankes Regelwerk, das im Alltag auffindbar bleibt. Kurze Kapitel, eindeutige Zuständigkeiten und konkrete Beispiele führen Ihr Team sicher durch Veröffentlichung, Moderation und Kampagnenarbeit, auch dann, wenn eine akute Lage keine Zeit für lange Grundsatztexte lässt.
Rollen, Tonalität und Freigaben
Unklare Mandate verursachen viele Fehler in der politischen Kommunikation. Eine Person formuliert einen Beitrag, eine zweite verändert den Ton, und eine dritte veröffentlicht ihn ohne Kenntnis der Absprachen. Mit vier Rollen lässt sich diese Unordnung auch in kleinen Teams vermeiden.

- Kontoinhaberin oder Kontoinhaber: Diese Rolle verwaltet Zugänge, Zwei-Faktor-Verfahren und die Liste der Administratorinnen und Administratoren.
- Redaktion: Sie plant Themen, erstellt Texte und bereitet Bilder oder Videos mit Quellenangaben vor.
- Freigabe: Sie prüft Fakten, Bildrechte, Datenschutzfragen und mögliche rechtliche Risiken.
- Krisensprecherin oder Krisensprecher: Diese Person spricht nach außen, sobald ein Vorgang die Organisation unmittelbar betrifft.
Für jede Rolle benennen Sie eine Vertretung. In einer Kandidatur mit nur einer hauptverantwortlichen Person können Rollen zusammenfallen, doch bei Angriffen, personenbezogenen Vorwürfen und bezahlter Reichweite bleibt die Prüfung durch eine zweite Person verbindlich. Dadurch entsteht Zeit für eine sachliche Kontrolle, bevor ein Beitrag öffentlich wird.
Tonalität prüfbar formulieren
Beschreiben Sie den Ton in wenigen Sätzen, die Ihr Team vor jeder Veröffentlichung anwenden kann. Dazu gehören die Sie-Ansprache, kurze Sätze, belegte Zahlen und ein respektvoller Umgang mit politischen Gegnerinnen und Gegnern. Interne Personalfragen, unbelegte Zuspitzungen und herabsetzende Formulierungen bleiben ausgeschlossen.
Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber trennen amtliche Information erkennbar von politischer Wertung. Verbände trennen das Interesse ihrer Mitglieder von einer Parteinahme, sofern ihr Auftrag diese Trennung verlangt. Ein gepflegter Social-Media-Redaktionsplan hilft dabei, Formate, Zuständigkeiten und Freigaben über mehrere Wochen sichtbar zu halten.
Regeln Sie auch private Profile von Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern. Die Richtlinie sollte bestimmen, wie Amtsträgerinnen und Amtsträger auf persönlichen Konten über die Organisation sprechen und welche Inhalte vorab abgestimmt werden. Ohne diese Regel können private Aussagen wie offizielle Positionen wirken, obwohl kein Mandat dafür besteht.
| Stufe | Beitragsart | Prüfung |
|---|---|---|
| Stufe eins | Vorab abgestimmte Formate wie Terminankündigung und Verweis auf die Website | Veröffentlichung nach Abstimmung im Team |
| Stufe zwei | Bilanz, Kritik an anderen, emotionale Kurzvideos | Vier Augen vor Veröffentlichung |
| Stufe drei | Jeder bezahlte Beitrag | Prüfung von Kennzeichnung, Zielgruppe und Archiv vor dem Boosting |
Wer eine Facebook-Fanpage betreibt, klärt vor dem Start Datenschutzhinweise, Moderationsprozesse und die rechtliche Grundlage der Datenverarbeitung. Die Hinweise des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit zu Facebook-Fanpages beschreiben, dass eine gemeinsame Verantwortlichkeit auch bei abgeschalteter Funktion Facebook Insights bestehen kann und der Bescheid vom 17. Februar 2023 gegen die Fanpage der Bundesregierung später in Teilen gerichtlich aufgehoben wurde.
Für die praktische Vertiefung von Strategie und Handwerk steht der Videokurs: Social-Media für Politikerinnen und Politiker zur Verfügung. Er richtet sich an Amtsträgerinnen und Amtsträger, Kandidatinnen und Kandidaten sowie politisch Aktive, die ihre Kanäle bisher neben der übrigen Arbeit betreiben.
Kommentare beantworten und Krisen steuern
Bürgerinnen und Bürger erleben Ihre Richtlinie zuerst in der Kommentarspalte. Dort wird sichtbar, ob Fragen zügig beantwortet werden, Kritik sachlich aufgenommen wird und Grenzüberschreitungen nach einer vorher festgelegten Regel behandelt werden. Drei Antwortlagen reichen für den Alltag aus.

- Sachfragen: Fragen zu Terminen, Zuständigkeiten und Dokumenten erhalten werktags innerhalb von 24 Stunden eine Antwort oder einen Verweis auf Telefon, E-Mail und Website.
- Kritik an einer Position: Antworten Sie einmal sachlich mit Begründung oder Quelle und vermeiden Sie anschließend einen langen Streit im selben Verlauf.
- Rechtsverstöße: Beleidigungen, Gewaltandrohungen und klare Rechtsverstöße werden dokumentiert, gemeldet und nach der beschriebenen Regel ausgeblendet oder gelöscht.
Unbequeme Kritik allein bildet keinen Löschgrund. Die Richtlinie sollte genau beschreiben, welche Inhalte entfernt werden und wer diese Entscheidung trifft. Ein kurzes Moderationsprotokoll mit Datum, Kanal, Zitat und Entscheidung sorgt für spätere Nachvollziehbarkeit.
Krisenkriterien eindeutig bestimmen
Der Übergang von einer lebhaften Debatte zu einer Krise braucht feste Kriterien. Erstens betrifft ein Vorwurf die Organisation oder eine Mandatsträgerin beziehungsweise einen Mandatsträger persönlich. Zweitens kann eine falsche Zahl oder ein ungeprüftes Zitat erheblichen Schaden anrichten. Drittens verstärkt ein geplanter Beitrag Polarisierung, Ausgrenzung oder eine unbelegte Zuspitzung.
Sobald eines dieser Kriterien erfüllt ist, halten Sie die Veröffentlichung an. Prüfen Sie Quellen, kennzeichnen Sie bearbeitete oder synthetische Bilder und lassen Sie emotionalisierende Beiträge nach dem Vier-Augen-Prinzip freigeben. In der ersten Stunde spricht ausschließlich die benannte Krisensprecherin oder der benannte Krisensprecher, während interne Abstimmungen intern bleiben.
Schweigen kann eine bewusste Entscheidung sein, wenn Sie den Zeitpunkt der nächsten Auskunft ankündigen. Ein Satz mit Uhrzeit schafft Orientierung und verhindert, dass einzelne Teammitglieder vorschnell eigene Erklärungen veröffentlichen. Weitere Hinweise zur Vorbereitung finden Sie im Beitrag zur Krisenkommunikation in sozialen Medien.
Hohe Interaktion belegt Aufmerksamkeit, sie belegt noch keine inhaltliche Qualität und keine demokratische Wirkung eines Beitrags.
Seit dem 10. Oktober 2025 trennen die neuen EU-Regeln bezahlte politische Werbung von organischen Beiträgen, wie die Mitteilung der Europäischen Kommission zu den neuen EU-Regeln für politische Werbung beschreibt. Für die tägliche Moderation heißt das: Reichweite und Interaktion sind zwei verschiedene Größen. Ein Beitrag kann viele Reaktionen auslösen und dennoch wenig überprüfbare Information enthalten. Starke Interaktion entsteht häufig gerade dort, wo Empörung die Debatte trägt.
Soziale Medien können politische Beteiligung fördern und zugleich extremistischen Narrativen zusätzliche Reichweite verschaffen. Deshalb spricht diese Verteilung für eine bewusste Kanalentscheidung statt unkritischer Reichweitenjagd. Erzeugt ein Beitrag vor allem Empörung und liefert er kaum überprüfbare Information, ist ein bewusst reduzierter Kanal die bessere Entscheidung.
Organische Beiträge und politische Werbung
Seit dem 10. Oktober 2025 gelten in der Europäischen Union neue Transparenzregeln für politische Werbung auch auf nationaler und lokaler Ebene. Ihre Richtlinie braucht daher eine Entscheidung vor jedem Boosting. Ein allgemeiner Satz zur Kennzeichnung von Werbung beantwortet die entscheidende Frage noch nicht, nämlich ob ein konkreter Beitrag überhaupt als politische Anzeige einzuordnen ist.

| Lage | Kennzeichnung | Freigabe | Archiv |
|---|---|---|---|
| Organischer Beitrag | Keine Anzeigenkennzeichnung | Stufe eins oder zwei nach Thema | Redaktionsplan genügt |
| Informative Behördenkommunikation | Keine, solange unbezahlt und ohne Wahlwerbezweck | Fachliche Prüfung, Website parallel | Wie übrige Öffentlichkeitsarbeit |
| Parteipolitische Kommunikation ohne Budget | Keine Werbekennzeichnung, eigener Ton gilt | Vier Augen bei Zuspitzung | Beitrag und Freigabe kurz dokumentieren |
| Bezahlte politische Werbung | Sichtbar gesamte Laufzeit, Sponsor, Finanzierung, Targeting Hinweis, bei Video Alternative nur mit drei Sekunden Vollbild | Pflichtprüfung vor jedem Boosting inklusive Screenshot der Ausspielparameter | Transparenzbekanntmachung sieben Jahre nach letzter Veröffentlichung |
Vier Lagen sauber unterscheiden
Ein eigener unbezahlter Beitrag einer politischen Organisation fällt nach den Informationen der Bundesnetzagentur zur politischen Werbung nicht automatisch unter sämtliche Werbetransparenzpflichten, während bezahlte Reichweitensteigerung regelmäßig eine rechtliche Prüfung auslöst und relevante Aufzeichnungen grundsätzlich sieben Jahre nach der letzten Veröffentlichung aufbewahrt werden müssen.
Ein Hinweis einer Verwaltung auf Sprechstunde oder Sitzung bleibt redaktionelle Information, solange keine Reichweite gekauft wird und kein Wahlwerbezweck vorliegt. Parteipolitische Kommunikation ohne Budget bleibt organisch, unterliegt jedoch Persönlichkeitsrecht, Strafrecht und den eigenen Tonregeln. Bezahlte politische Werbung zielt mit entgeltlicher Reichweite darauf, Wahlverhalten, Wahlausgang oder Gesetzgebungs- und Regulierungsprozesse zu beeinflussen.
Prüfen Sie deshalb auch scheinbar harmlose Formate. Ein beworbener Veranstaltungsaufruf, ein Imagevideo einer Amtsinhaberin oder eine bezahlte kommunalpolitische Bilanz kann unter die Transparenzregeln fallen. Die Anzeige muss als politische Werbung erkennbar sein, Auftraggeber und Finanzierung nennen und erklären, warum eine Person sie erhält.
Kennzeichnung und Targeting regeln
Bei visuellen Anzeigen bleibt die Kennzeichnung grundsätzlich während der gesamten Laufzeit sichtbar. Die Durchführungsverordnung der Europäischen Union zur Kennzeichnung politischer Anzeigen erlaubt eine Einblendung am Anfang oder Ende nur, wenn sie mindestens drei Sekunden auf dem gesamten Bildschirm erscheint und Hinweis, Sponsorname sowie Link zur Transparenzbekanntmachung durchgehend klar lesbar bleiben.
Personenbezogenes Targeting stellen Sie in der Richtlinie standardmäßig aus. Nach der Pressemitteilung der Berliner Datenschutzaufsicht zu personalisierter politischer Werbung dürfen grundsätzlich nur Daten verwendet werden, die die verantwortliche Stelle selbst bei der betroffenen Person erhoben hat und deren gesonderte Nutzung für politische Werbung ausdrücklich eingewilligt wurde, während Profiling mit besonders sensiblen Daten ausgeschlossen ist.
Verzichten Sie auf Custom Audiences aus gekauften Listen, abgeleiteten Interessen oder Plattformsegmenten mit politischem Bezug. Prüfbare Kampagnen arbeiten mit einer öffentlich beschreibbaren Auswahl nach Region, Amt oder Thema und dokumentieren jeden Anzeigenparameter. Vertiefende Hinweise bietet der Beitrag zur TTPW-Verordnung und politischen Werbung.
Legen Sie für jede Anzeige einen Datensatz mit Motiv, Textversion, Auftraggeber, Budget, Plattform, Laufzeit, Zielgruppe, Datenquelle, Einwilligungsstatus und Freigabe an. Ergänzen Sie einen Screenshot der Ausspielparameter und die finale Anzeige. Ihre Richtlinie benennt außerdem, wer die Unterlagen speichert, welches Format verwendet wird und ab welchem Zeitpunkt die Aufbewahrungsfrist läuft.
Was Behörden und Wahlkämpfe zeigen
Öffentliche Stellen behandeln Social Media vor allem als ergänzenden Informationskanal. Dieses Muster können Parteien, Fraktionen und Verbände eng übernehmen, weil es Erreichbarkeit schafft und zugleich klare Grenzen für sensible Anliegen zieht. Niemand muss einen Einzelfall öffentlich schildern, um eine zuständige Stelle zu erreichen.

Die Datenschutzinformationen der Bundesnetzagentur zu ihren Social-Media-Angeboten begrenzen die Nutzung ihrer Accounts ausdrücklich auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, während Verwaltungsleistungen dort weder angeboten noch bearbeitet oder beantwortet werden und Betroffene nach Artikel 13 DSGVO umfassend über die Verarbeitung personenbezogener Daten zu informieren sind.
Das Social-Media-Konzept des Landtags Rheinland-Pfalz hält relevante Informationen auch auf der Website bereit und verweist auf Impressum sowie alternative Kontaktwege. Für Ihre Organisation folgt daraus eine klare Übertragungsregel: Der öffentliche Kommentarbereich dient der Einordnung und Weiterleitung, vertrauliche Anliegen gehören in geschützte Kontaktwege.
Drei Situationen aus der Praxis
Die folgenden drei Fälle sind fiktiv. Sie bilden typische Lagen nach, für die Ihre Richtlinie Antworten bereithalten sollte, und zeigen, wie die festgelegten Regeln im Alltag zusammenwirken.
Eine Kreisgeschäftsstelle erhält scharfe Kritik an einem Beschluss. Die Redaktion antwortet einmal mit der zentralen Begründung und verlinkt die Sitzungsunterlage auf der Website. Persönliche Vorwürfe gegen Einzelne werden im Verlauf nicht weiter verhandelt, und die Moderation dokumentiert ihre Entscheidung in wenigen Zeilen. Eine kurze, einmalige Einordnung wirkt dabei souveräner als ein langer Schlagabtausch.
Eine Bürgermeisterkandidatur möchte ein gut laufendes organisches Video zusätzlich bewerben. Sobald Budget hinter dem Beitrag steht, wird daraus bezahlte politische Werbung mit allen Pflichten, die der Abschnitt zu organischer und bezahlter Werbung beschreibt. Seit dem 10. Oktober 2025 verlangt die Trennung dieser beiden Beitragsarten besondere Sorgfalt: Das Team hält schriftlich fest, ab welchem Zeitpunkt der Beitrag als Anzeige gilt, damit organische Inhalte und Werbung in der Dokumentation der Kampagne eindeutig unterscheidbar bleiben.
Ein Verband veröffentlicht ein bezahltes Erklärvideo zu einem Gesetzgebungsverfahren. Die Kennzeichnung bleibt während der gesamten Laufzeit sichtbar, personenbezogenes Targeting bleibt deaktiviert, und die Transparenzbekanntmachung liegt im Anzeigenarchiv. Diese Sorgfalt schützt die Glaubwürdigkeit der Botschaft und erleichtert spätere Rückfragen von Plattformen, Mitgliedern oder Medien.
Kanalwahl mit Kapazität verbinden
Im Wahlkampf darf eine Richtlinie TikTok erlauben, wenn Quellenprüfung, Kennzeichnung bearbeiteter Inhalte und Freigabestufe zwei gelten. Sie darf den Kanal ebenso bewusst auslassen, wenn keine Person die Moderation zuverlässig übernimmt. Maßgeblich bleiben Verantwortung und Betreuungskapazität, während reine Interaktionszahlen eine nachgeordnete Rolle spielen. Maximale Interaktion gilt dabei ausdrücklich nicht als Qualitätsziel. Ein Kanal, den Ihr Team verlässlich betreut, trägt mehr zur Glaubwürdigkeit bei als hohe Reichweite ohne feste Zuständigkeit.
Ein Kanal gehört erst dann in die Richtlinie, wenn Redaktion, Moderation und Vertretung für ihn personell besetzt sind.
Kommunen stehen vor einer ähnlichen Abwägung, weil amtliche Information, Neutralität und Bürgeranfragen zusammenkommen. Der Beitrag zu Social Media für Kommunen zeigt, wie Verwaltungen ihre Kanäle an diesen Anforderungen ausrichten können. Für Parteien und Verbände bleibt die behördliche Praxis ein nützlicher Maßstab für Datenschutzhinweise, parallele Websiteinformationen und klare Eskalationsregeln.
Die Richtlinie verbindlich machen
Ein Text in einer Ablage verändert den Alltag noch nicht. Verbindlichkeit entsteht durch einen Beschluss, eine praktische Probe und eine regelmäßige Kontrolle. Drei Schritte führen Ihre Social Media Richtlinien vom Entwurf in die laufende Arbeit.
- Beschließen: Vorstand, Fraktion oder Kampagnenleitung verabschieden die neun Bausteine und benennen Rollen sowie Vertretungen mit Namen.
- Durchspielen: Ihr Team arbeitet an einem Termin die Prüffälle aus den Pflichtbausteinen durch, jeweils mit Antwortfrist, Freigabestufe und Ablage im Archiv.
- Kontrollieren: Die Freigabe prüft einmal im Quartal veröffentlichte Beiträge und eine Anzeige auf Kennzeichnung, Dokumentation und Speicherfrist.
Was in der Probe hakt, ändern Sie unmittelbar im Text, damit Ihr Team im Ernstfall auf eine geprüfte Formulierung zurückgreifen kann. Geben Sie der Richtlinie selbst einen festen Revisionstermin, etwa einmal im Jahr, nach jeder abgeschlossenen Kampagne und immer dann, wenn Plattformen ihre Regeln für bezahlte politische Werbung ändern. Neue Ehrenamtliche lesen Tonalität, Freigaben und Löschgrenzen, bevor sie ein Passwort erhalten.
Vor jedem Wahlkampf lesen Sie die Regeln zu bezahlter Werbung erneut. Motiv, Budget und Zielgruppe wechseln von Kampagne zu Kampagne, die Dokumentationspflicht bleibt bestehen. Als Spezialagentur für politische Kommunikation begleitet creategy Parteien und Fraktionen in ihrer laufenden Öffentlichkeitsarbeit und hilft politischen Akteuren und Organisationen, in kritischen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Wenn Sie Ihre Social Media Richtlinien mit Redaktionsalltag, Kampagnenplanung und Krisenvorbereitung verbinden möchten, unterstützt Sie creategy GmbH bei der passenden Struktur für Ihre Partei, Fraktion, Kandidatur oder Ihren Verband. Nehmen Sie Kontakt auf und besprechen Sie, welche Regeln Ihr Team vor der nächsten Veröffentlichung verbindlich festlegen sollte.

