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Blog 15 Min. Lesezeit02. November 2026

Social Media Guidelines für Parteien und Kommunen

Social Media Guidelines für Parteien und Kommunen: Zuständigkeiten, Standards, Moderation, Datenschutz und Krisenplan. Mit Bausteinen zum Übernehmen.

Simon Mai

Von

Simon Mai

Social Media Guidelines für Parteien und Kommunen
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Um 23 Uhr veröffentlicht Ihr Kreisverband ein Video. Die politische Aussage ist zugespitzt, eine abgebildete Person hat Rückfragen, und im Team weiß niemand, wer den Beitrag freigegeben hat. Die Kommunikationsleitung ist nicht erreichbar, während bereits Kommentare eingehen.

Solche Situationen brauchen vorher vereinbarte Entscheidungen: Wer darf veröffentlichen? Wer stoppt einen Beitrag? Wer antwortet außerhalb der Bürozeiten? Social Media Guidelines werden belastbar, wenn jede Regel eine verantwortliche Person, einen Nachweis und eine Frist erhält.

Die Bausteine einer Richtlinie auf einen Blick

Vor dem ersten Beitrag muss ein Team drei Dinge klären: Welche Konten umfasst die Richtlinie? Wer trägt jede Regel? Und woran lässt sich später prüfen, ob sie eingehalten wurde? Eine Richtlinie wird damit zum auditierbaren Prozess: Zu jeder Vorgabe gehören eine zuständige Person, ein Ablageort für den Nachweis und eine Frist.

Bausteine einer Social-Media-Richtlinie

BausteinLeitfrageBeispielregel
GeltungsbereichWelche Konten, Personen und Kanäle fallen darunter?Alle offiziellen Kanäle und einbezogenen Mandatsträger-Profile sind erfasst
ZuständigkeitenWer veröffentlicht, wer gibt frei?Jeder Beitrag hat eine namentlich benannte freigebende Person
AbsenderkennungWer spricht gerade?Persönliche Profile sind als solche erkennbar
RedaktionsplanWie oft und auf welchem Kanal?Die Frequenz je Kanal ist im Wochenplan festgelegt
Kennzeichnung bezahlter InhalteIst der Beitrag eine Anzeige?Jede Anzeige trägt Sponsorangabe und Kennzeichnung
DatenschutzWelche Daten entstehen und wohin fließen sie?Keine Zielgruppen aus sensiblen Merkmalen
ModerationWas bleibt stehen, was wird entfernt?Löschungen erfolgen nach veröffentlichten Kriterien und werden protokolliert
KrisenfälleWelche Schritte und Nachweise sind vorgesehen?Lagebild und Entscheidungsweg werden dokumentiert; die Fristen stehen im Krisenablauf
Schulung und ÜberprüfungWer kennt die Regeln und wann werden sie geprüft?Beschäftigte werden geschult; die Richtlinie wird regelmäßig überprüft

Die Tabelle ist ein Arbeitsraster, kein Ersatz für konkrete Verfahren. Für jeden Eintrag sollte die Richtlinie festhalten, wo Freigaben, Moderationsentscheidungen oder Änderungen dokumentiert werden und bis wann die Prüfung erfolgt. Bei Krisenfällen gehören die genauen Reaktionsfristen in den dafür vorgesehenen Ablauf.

Die Beispielregeln sind interne Vereinbarungen. Mandatsträger-Profile werden nur durch ausdrückliche Absprache einbezogen. Ein privates Konto wird dadurch nicht automatisch zum Organisationskanal. Gerade bei Social Media für Kommunen muss erkennbar sein, ob Verwaltung, Amtsinhaberin oder Amtsinhaber oder eine politische Gruppierung spricht.

Grafische Darstellung der Bausteine für Social-Media-Richtlinien, um Probleme bei der Veröffentlichung von Inhalten zu vermeiden.

Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2024 nutzten 60 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren soziale Medien mindestens einmal pro Woche. Für Teams, die mehrere Kanäle bespielen, heißt das: Absender, Freigaben und Dokumentation müssen auch dann nachvollziehbar bleiben, wenn verschiedene Personen Beiträge erstellen.

Prüffrage: Gibt es für jede Regel eine verantwortliche Person, einen Ablageort für den Nachweis und einen Termin zur Überprüfung?

Beginnen Sie mit Lücken, die den laufenden Betrieb gefährden: fehlende Kontozugänge, ungeklärte Vertretungen oder Beiträge ohne nachvollziehbare Freigabe. Gestaltungsdetails lassen sich später präzisieren. Die Zuständigkeit für einen Kanal sollte von Anfang an dokumentiert sein.

Zuständigkeiten und Freigaben festlegen

Alle schreiben, niemand entscheidet verbindlich. Dagegen hilft eine klare Vier-Augen-Regel: Eine Person erstellt den Beitrag, eine andere prüft und genehmigt die konkrete Veröffentlichungsversion. Die Zustimmung zu einer ersten Textidee reicht nicht für ein später verändertes Video.

Rollen und Freigabebefugnisse

RolleAufgabeDarf freigebenVertretung
KommunikationsleitungGesamtverantwortung für Kanäle und RichtlinieJa, für alle Beiträge im eigenen ZuständigkeitsbereichStellvertretende Leitung
RedaktionPlanung, Texte, BildmaterialVeröffentlichung nur nach FreigabeZweite Redaktionsperson
Community-ManagementAntworten, Moderation, ProtokollNur Moderationsentscheidungen nach KriterienSchichtleitung
Mandatsträgerinnen und MandatsträgerPersönliche Beiträge, StellungnahmenJa, für eigene Profile nach AbstimmungBenannte Vertretung im Team
Rechtliche PrüfungBotschaft, Anzeigen, ZielgruppenlogikJa, rechtliche Freigabe bei Anzeigen und AngriffenExterne Kanzlei oder Rechtsabteilung
DatenschutzbeauftragteKanal-Matrix, Speicherfristen, KanalstartDatenschutzfachliche Prüfung bei Kanalstart und neuen WerkzeugenVertretung laut Bestellung

Die Kommunikationsleitung trägt die organisatorische Verantwortung. Die Redaktion bereitet veröffentlichungsfähige Inhalte vor; das Community-Management entscheidet innerhalb der beschlossenen Moderationsregeln. Mandatsträgerinnen und Mandatsträger stimmen organisationsbezogene Aussagen ab, ohne persönliche und offizielle Kommunikation zu vermischen.

Die rechtliche Prüfung bewertet Anzeigen und rechtlich heikle Angriffe. Datenschutzbeauftragte beraten und kontrollieren unabhängig. Die Entscheidung über den Betrieb eines Kanals bleibt bei der verantwortlichen Organisation, auch wenn intern eine datenschutzfachliche Prüfung als verbindlicher Freigabeschritt vorgesehen ist.

Kanalstart bewusst entscheiden

Der BfDI und die Datenschutzkonferenz bewerten den datenschutzkonformen Betrieb von Facebook-Fanpages derzeit als nicht möglich; deaktivierte Analysefunktionen beseitigen die gemeinsame Verantwortlichkeit nicht. Eine ausgefüllte Checkliste ersetzt deshalb keine tragfähige Kanalentscheidung.

Führen Sie für jede Plattform eine Kanal-Matrix mit Zweck, Datenflüssen, Analysefunktionen, Zugriffsrechten und der Person, die Datenschutz- oder Sicherheitsvorfälle bearbeitet. Ergänzen Sie Informationspflichten, Speicherfristen und einen kontrollierbaren alternativen Informationsweg.

Den Veröffentlichungsablauf können Sie in einer Social-Media-Redaktionsplan-Vorlage abbilden. Hinterlegen Sie dort Freigabestatus und Vertretung, statt Zustimmungen über private Nachrichten zu verteilen.

Bei Abwesenheit entscheidet die namentlich benannte Vertretung mit denselben vereinbarten Befugnissen. Für Krisen übernimmt ein vorab benannter Krisenstab die Koordination. Niemand sollte erst während eines Vorfalls herausfinden müssen, ob er entscheiden darf.

Redaktionelle Standards für Absender, Ton und Barrierefreiheit

Ein Beitrag beginnt mit der Frage, wer spricht. Der Styleguide der Bundesregierung behandelt Social Media als eigenes Regelungsfeld und verbindet einheitliche Absenderkennung mit Vertrauen in Profile und Inhalte; für Kampagnenprofile sieht er die erkennbare zuständige Behörde vor und verlangt beschreibende Alternativtexte für Bilder und Grafiken.

Übertragen Sie dieses Prinzip auf Ihre Organisation: Profilname, Beschreibung und Gestaltung müssen zusammenpassen. Bei einer Kampagne sollte der verantwortliche Träger auch dann erkennbar bleiben, wenn Nutzerinnen und Nutzer nur den einzelnen Beitrag sehen.

Eine Frau im Büro betrachtet Unterlagen mit Social-Media-Profilgrafiken, während ihre Kollegen im Hintergrund an Laptops arbeiten.

Einen Beitrag veröffentlichungsreif machen

Bearbeiten Sie Barrierefreiheit bereits beim Entwurf. Ein Alternativtext beschreibt die relevante Bildaussage. Enthält eine Grafik eine wichtige Frist, muss diese Information auch ohne das Bild verständlich sein. Videos erhalten geprüfte Untertitel, Gestaltungsvorlagen verbindliche Schriftgrößen und gut lesbare Kontraste.

Für den Ton gilt: sachlich beim Thema, persönlich bei eigenen Haltungen, respektvoll gegenüber anderen Menschen. Eine Redaktion kann einen Haushaltsvorschlag als unzureichend bewerten und die Gründe nennen. Eine pauschale Abwertung der politischen Gegner ersetzt diese Begründung nicht.

Jede Plattform braucht eigene Formatvorgaben für Bildgröße, Videolänge und Untertitel. Legen Sie außerdem realistisch besetzte Reaktionszeiten fest. Als interne Vereinbarung bieten sich Antworten innerhalb von 24 Stunden an Werktagen und während betreuter Veranstaltungen innerhalb von zwei Stunden an. Diese Zeiten gehören in den Redaktionsplan; das Community-Protokoll zeigt, ob die personelle Besetzung dafür reicht.

Fehler sichtbar berichtigen

Korrigieren Sie sachliche Fehler am ursprünglichen Beitrag oder durch einen eindeutig zugeordneten Kommentar, mit Datum und verständlicher Erklärung. Stillschweigendes Löschen lässt Rückfragen offen. Bei veröffentlichten personenbezogenen Daten oder anderen akuten Rechtsverletzungen kann dagegen eine sofortige Entfernung erforderlich sein; sichern Sie den Vorgang intern.

Vor der Veröffentlichung prüft die Redaktion:

  • Absender: Organisation, Amt oder persönliche Position sind erkennbar.
  • Zugänglichkeit: Alternativtext und Untertitel sind vorhanden und geprüft.
  • Belege: Zitate, Bildrechte und Tatsachenangaben sind kontrolliert.
  • Freigabe: Die genehmigte Fassung ist dokumentiert.

Für die handwerkliche Einarbeitung verbindet der Videokurs: Social-Media für Politikerinnen und Politiker politische Strategie mit der praktischen Einrichtung von Seiten sowie der Erstellung von Videos und Grafiken. Interne Zuständigkeiten und organisationsspezifische Vorlagen muss das Team ergänzend selbst verbindlich festlegen.

Kennzeichnung bezahlter Inhalte und Datenschutz

Vor einer Buchung muss das Team klären, ob ein Beitrag politische Werbung ist. Seit dem 10. Oktober 2025 gilt die EU-Verordnung 2024/900 vollständig. Sie erfasst politische Anzeigen auch auf regionaler und lokaler Ebene, wie die Zusammenfassung auf EUR-Lex erläutert.

Ein persönlicher politischer Standpunkt und eine bezahlte Kampagnenanzeige sind unterschiedlich einzuordnen. Die Entscheidung gehört deshalb in den Auftrag, nicht erst in den letzten Veröffentlichungsschritt. Weisen Sie eine verantwortliche Person zu, dokumentieren Sie die Prüfung und halten Sie die Frist für die Freigabe fest.

Empfohlene Felder im Kampagnenregister

FeldWas eingetragen wirdNachweis
Politische BotschaftInhalt und Kennzeichnung als politische WerbungScreenshot der ausgespielten Anzeige
AuftraggeberName der Organisation oder PersonVertrag oder Auftragsbestätigung
ZahlerZahlende Person oder StelleRechnung oder Zahlungsbeleg
ZeitraumStart und Ende der AusspielungPlattform-Auswertung
BudgetGeplante und tatsächliche GesamtkostenRechnung und Buchungsübersicht
PlattformAusspielkanalLink zur Anzeige im Werbearchiv, sofern vorhanden
ZielgruppenparameterGewählte Kriterien ohne sensible MerkmaleExport der Targeting-Einstellungen
DatenquelleHerkunft jeder Custom AudienceHerkunfts- und Einwilligungsnachweis sowie Löschdatum
FreigabepersonName der freigebenden PersonProtokoll der rechtlichen Prüfung

Das Register ist ein interner Kontrollstandard, keine Liste gesetzlich vorgeschriebener Einzelfelder. Es macht die Entscheidung nachvollziehbar. Legen Sie vor dem Start Entwurf und Vorschau ab. Nach der Ausspielung ergänzt die Redaktion den Nachweis der tatsächlich veröffentlichten Anzeige.

Zielgruppen und Daten getrennt prüfen

Die Unterrichtung des Bundestags zu politischer Werbung beschreibt Kennzeichnungs-, Sponsoren- und Transparenzangaben sowie das Verbot, beim Targeting sensible Daten zu nutzen. Daraus folgen konkrete Prüfschritte:

  • Sensible Merkmale ausschließen: Zielgruppen nicht anhand von Gesundheitsdaten, ethnischer Herkunft, Religion oder Gewerkschaftszugehörigkeit bilden.
  • Kontaktlisten kontrollieren: Für jede Custom Audience, also eine aus vorhandenen Kontakten gebildete Zielgruppe, Herkunft, Einwilligung und Löschbarkeit prüfen.
  • Einstellungen sichern: Die tatsächlich ausgewählten Kriterien dokumentieren, nicht nur die geplanten.

Beim Speichern oder Auslesen von Informationen auf Endgeräten kann zusätzlich § 25 TDDDG gelten. Grundsätzlich ist dafür eine vorherige informierte Einwilligung erforderlich; der BfDI zu sozialen Medien erläutert die Regelung. Gesetzliche Ausnahmen sind gesondert zu prüfen.

Eine zusammengefasste Reichweitenzahl zeigt nicht, welche personenbezogenen Daten das System zuvor verarbeitet hat. Nutzen Sie dafür die Kanal-Matrix aus dem Abschnitt zu Zuständigkeiten und Freigaben, um die relevanten Datenflüsse und Zugriffe zuzuordnen. Die Anbieterkennzeichnung im Impressum auf Instagram ist eine separate Pflicht und entbindet nicht von der Datenprüfung.

Freigaberegel: Prüfen Sie zuerst Botschaft und Zielgruppenlogik rechtlich. Danach kontrolliert die Redaktion Kennzeichnung, Sponsorenangabe und Ablage der Nachweise auf der Plattform.

Jede Anzeige braucht vor dem Start einen vollständigen Registereintrag. Fehlt ein Nachweis, bleibt die Buchung gesperrt.

Moderation, die Bürgernähe nicht verspielt

Darf eine Kommune einen aggressiven Kommentar löschen? Aggressivität allein ist kein ausreichendes Kriterium. Eine Moderationsentscheidung braucht veröffentlichte, rechtlich geprüfte Maßstäbe und muss zum konkreten Verstoß passen.

Ein empörter Kommentar über eine Straßensperrung kann zulässige Kritik enthalten. Wer ihn wegen seines unangenehmen Tons entfernt, riskiert, berechtigte Fragen zu unterdrücken. Umgekehrt müssen Beschäftigte und andere Diskussionsteilnehmerinnen und Diskussionsteilnehmer persönliche Angriffe nicht schutzlos hinnehmen.

Moderationsentscheidungen nach Fallart

FallEntscheidungDokumentation
Sachliche KritikBleibt sichtbar, Antwort in der SacheKeine Protokollpflicht nach diesem internen Schema
Harte, aber zulässige KritikBleibt sichtbar, Antwort ohne GegenangriffKurznotiz im Moderationslog
BeleidigungAusblenden oder löschen nach veröffentlichten KriterienBegründung, Zeitpunkt und Zuständigkeit
DrohungSofort sichern, Leitung informieren, Meldung prüfenScreenshot mit Datum und Link
Nachweislich falsche WahlaussageSachlich korrigieren mit Quelle, nicht kommentarlos löschenAntwort und Quelle archivieren
Spam und sachfremde BeiträgeLöschen nach NetiquetteKurzprotokoll mit Kriterium

Das Schema dient der internen Entscheidung, nicht der abschließenden rechtlichen Bewertung jedes Grenzfalls. Besonders bei kommunalen Konten sollte die rechtliche Prüfung beteiligt werden, wenn eine Löschung oder Kontosperre wegen politischer Äußerungen erwogen wird.

Eine öffentliche Moderationscharta

Veröffentlichen Sie eine kurze Charta mit zulässigen Diskussionsformen, Löschkriterien und einem Kontaktweg für Beschwerden. Beschreiben Sie auch, wer strittige Entscheidungen überprüft. Eine Beschwerde sollte möglichst eine andere Person bearbeiten als die ursprüngliche Löschung.

Anonyme Accounts erhalten sachliche Antworten nach denselben inhaltlichen Maßstäben. Ein unbekannter Name rechtfertigt für sich genommen keine Entfernung. Bei personenbezogenen Anliegen verweist das Community-Management auf einen geeigneten geschützten Kontaktweg.

In der repräsentativen forsa-Erhebung vom Januar 2025 meinten 87 Prozent, politische Desinformation spalte die Gesellschaft; zugleich hielten 41 Prozent Meldungen von Desinformation bei Plattformen für wirksam, berichtet die Landesanstalt für Medien NRW. Für die eigene Moderation spricht das für nachvollziehbare Entscheidungen statt eines pauschalen Vertrauens auf Plattformmeldungen.

Eine unbequeme Frage bleibt eine Bürgerfrage. Prüfen Sie den konkreten Regelverstoß, bevor Sie über die Entfernung entscheiden.

Das Löschprotokoll enthält Begründung, Zeitpunkt, zuständige Person und Widerspruchsweg. Speichern Sie nur die für Nachvollziehbarkeit und Bearbeitung erforderlichen Informationen und begrenzen Sie den Zugriff. Eine öffentlich zugängliche Sammlung problematischer Kommentare würde Betroffene unnötig erneut exponieren.

Für ein tragfähiges Social-Media-Community-Management braucht das Team außerdem Übergaben: Welche Frage ist offen, welche Aussage muss die Fachabteilung prüfen, welcher Account wurde bereits verwarnt? So antwortet die nächste Schicht auf Grundlage des Vorgangs und muss die Diskussion nicht neu bewerten.

Desinformation und Krisenfälle in den ersten Stunden

Ein Screenshot liegt vor, das Video ist noch nicht geprüft. Sichern Sie zuerst den Original-Link, den Accountnamen, den Zeitstempel und verfügbare Originaldateien. Verbreiten Sie das Material nicht über die eigenen Kanäle. Legen Sie in der Richtlinie fest, wer die Prüfung übernimmt, wer entscheiden darf und welche Nachweise für jede Entscheidung dokumentiert werden.

In einer repräsentativen Befragung vom Januar 2025 hielten 47 Prozent der deutschen Wahlberechtigten Deepfakes für eine Gefahr im Bundestagswahlkampf. Zugleich gaben nur 37 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer an, Informationen vor dem Teilen zu überprüfen, berichtet Bitkom. Ein Krisenablauf muss daher auch ungeprüfte Weiterverbreitung berücksichtigen.

Eine Infografik zur Bewältigung von Desinformation und Krisenfällen in den ersten Stunden einer Wahl.

Die Lage sichern und bewerten

In den ersten 30 Minuten erfasst das Community-Management den Vorgang und alarmiert die Krisenleitung. Das Zeitfenster ist ein internes Arbeitsziel. Die Redaktion prüft die Herkunft, die früheste auffindbare Veröffentlichung und den Zusammenhang der Aufnahme. Bildfehler oder unpassende Mundbewegungen sind Hinweise, aber kein belastbarer Echtheitsnachweis. Die abgebildete Person wird über einen bekannten Kontaktweg erreicht.

Bis 60 Minuten entscheidet ein benanntes Vier-Augen-Team aus Kommunikationsleitung und rechtlicher Prüfung über das weitere Vorgehen. Die Krisenleitung bewertet Verbreitung, mögliche Schäden und Dringlichkeit. Bei konkreten Drohungen oder Datenschutzverletzungen erfolgt die Eskalation sofort, nicht erst nach Ablauf des Zeitfensters.

Mögliche Schritte sind interne Beobachtung, eine Plattformmeldung, eine direkte Auskunft an Anfragende oder eine öffentliche Klarstellung. Eine Dementierung über den eigenen reichweitenstarken Kanal kann einem wenig verbreiteten Video zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen. Halten Sie deshalb auch fest, wer die Entscheidung gegen eine öffentliche Reaktion trifft und wann sie erneut geprüft wird.

Abgestimmt kommunizieren

Bis 180 Minuten veröffentlicht die zuständige Sprecherin oder der zuständige Sprecher eine freigegebene Stellungnahme, sofern sie nach der Bewertung erforderlich ist. Sie nennt gesicherte Tatsachen, den aktuellen Prüfstand und den offiziellen Informationskanal. Ungeklärte Punkte bleiben offen.

Hinterlegen Sie Antwortvorlagen für Prüfhinweise, Klarstellungen und Medienanfragen. Definieren Sie Eskalationsstufen für Rechtsprüfung, Sicherheitsverantwortliche und Krisenleitung. Legen Sie außerdem Kennzeichnungsregeln für eigene synthetische oder KI-bearbeitete Inhalte fest. Für jede Entscheidung gehören verantwortliche Person, Zeitpunkt, Begründung und nächste Prüfung zum Nachweis.

Die Richtigstellung sollte die Falschbehauptung nicht unnötig wiederholen oder das manipulierte Video erneut ausspielen. Eine begründete Entscheidung, vorerst nicht öffentlich zu reagieren, ist ebenfalls ein dokumentierter Schritt im Umgang mit Social-Media-Gefahren.

Nach dem Vorfall prüft die Krisenleitung mit dem Team, ob die Kontaktkette funktionierte, ob Zugänge oder Befugnisse fehlten und welche Vorlage unbrauchbar war. Jede beschlossene Verbesserung erhält eine verantwortliche Person und einen Termin.

Die Richtlinie verbindlich einführen

Eine unterschriebene Richtlinie hilft wenig, wenn das Team weiter über private Nachrichten freigibt und Passwörter in alten Übergabedokumenten sucht. Führen Sie die Regeln deshalb mit konkreten Arbeitsergebnissen ein. Die folgenden Fristen sind ein möglicher interner Einführungsplan, keine gesetzlichen Vorgaben.

Ein Prozessdiagramm mit fünf Schritten zur verbindlichen Einführung von Social Media Richtlinien im Unternehmen.

Einführung mit überprüfbaren Ergebnissen

  1. Bestandsaufnahme innerhalb von zwei Wochen. Die Kommunikationsleitung erfasst alle Kanäle, Konten und Personen mit Zugriff. Als Nachweis dient eine aktuelle Kontenliste mit administrativer Verantwortung, Wiederherstellungswegen und offenen Zugriffsproblemen. Verwaiste Berechtigungen werden zur Entfernung vorgemerkt und anschließend kontrolliert.

  2. Rollen und Kanal-Matrix innerhalb von vier Wochen. Die oder der Datenschutzbeauftragte koordiniert die datenschutzfachliche Aufnahme; die Kommunikationsleitung bestätigt Zuständigkeiten und Vertretungen. Dokumentiert werden die benannten Personen, ihre Befugnisse und offene Kanalentscheidungen. Zustimmungen zum Kanalbetrieb erteilt die verantwortliche Leitung.

  3. Redaktionelle Vorlagen innerhalb von vier Wochen. Die Redaktion erstellt verbindliche Muster für Absenderkennung, Alternativtexte und Fehlerkorrekturen. Ein vollständig bearbeiteter Musterbeitrag dient als Test: Kann eine Vertretung damit ohne mündliche Zusatzinformationen veröffentlichen? Unklare Felder werden vor der Einführung überarbeitet.

  4. Kampagnenregister innerhalb von sechs Wochen. Die rechtliche Prüfung verantwortet Aufbau und Probelauf des Anzeigenprozesses. Das Team bearbeitet eine Testanzeige vom Auftrag bis zur dokumentierten Ausspielungskontrolle. Fehlende Nachweise und unklare Übergaben werden im Testprotokoll festgehalten und behoben.

  5. Moderationscharta innerhalb von vier Wochen. Das Community-Management veröffentlicht die freigegebenen Kriterien und richtet den Beschwerdeweg ein. Löschungen werden ab sofort dokumentiert. Als Nachweis dienen die veröffentlichte Charta, ein zugriffsgeschütztes Protokoll und eine erfolgreiche Testbeschwerde.

  6. Krisenkarte und Schulung innerhalb von acht Wochen. Krisenstab und Personalverantwortung machen die Kontaktkette und die vorgesehenen Zeitfenster allen Zugangsberechtigten zugänglich. Die Krisenkarte liegt auch ausgedruckt bereit. Alle Beschäftigten werden geschult; Personen mit Kontozugriff bearbeiten zusätzlich einen Übungsfall, dessen Entscheidungen protokolliert werden.

  7. Wirksamkeit nach drei Monaten prüfen. Die Kommunikationsleitung kontrolliert ausgewählte Beiträge, Anzeigenvorgänge und Moderationsentscheidungen. Sie hält fest, welche Regeln eingehalten wurden und wo Änderungen nötig sind. Für jede Korrektur werden erneut eine Person und ein Termin benannt; anschließend geht die Richtlinie in die regelmäßige Überprüfung über.

Den Aufwand begrenzen

Für die Ablage genügt anfangs ein zugriffsgeschützter gemeinsamer Ordner mit klar benannten Vorlagen und einer gepflegten Vorgangsliste. Entscheidend ist, dass Beschäftigte den gültigen Stand erkennen und erledigte Prüfungen belegen können. Ein zusätzliches Werkzeug lohnt sich erst, wenn die vorhandene Ablage Freigaben oder Übergaben nicht zuverlässig unterstützt.

Lassen Sie die Leitung das Regelwerk ausdrücklich beschließen und stellen Sie die dafür benötigte Arbeitszeit bereit. Wer verbindliche Antwortzeiten fordert, muss auch die Besetzung ermöglichen. Die erste Überprüfung sollte deshalb ebenso nach Überlastung wie nach Regelverstößen fragen.

Wir bei creategy unterstützen Gemeinden sowie Verbände, Branchenorganisationen und NGOs mit passender politischer Kommunikation, klaren Kommunikationsrahmen und Krisenvorbereitung. Welche Regel fixieren Sie diese Woche zuerst schriftlich, einschließlich verantwortlicher Person, Nachweis und Frist?


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Simon Mai

Über die Autorin / den Autor

Simon Mai

Simon Mai ist Geschäftsführer der Spezialagentur creategy. Zuvor war er im Bundestag und EU-Parlament tätig. Er hat bereits über 200 Wahlkämpfe begleitet.

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