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- Was Netiquette in sozialen Medien regelt
- Grundregeln nach Situation
- Verbindlichkeit im eigenen Team
- Warum respektvolle Kommunikation politisch zählt
- Vertrauen durch erkennbare Maßstäbe
- Dauerhafte Verantwortung
- Hassrede, Kritik und Desinformation unterscheiden
- Fallarten und ihre Erkennungsmerkmale
- Behauptungen sorgfältig prüfen
- Wie Moderationsentscheidungen ablaufen
- Vom Fund zur Entscheidung
- Begründung und Meldeweg
- Konflikte im Kommentarbereich sachlich führen
- Den Gesprächsverlauf steuern
- Vor dem Absenden prüfen
- Teamregeln für Konten und eingebettete Inhalte
- Einbindungen bewusst freigeben
- Mindestregeln für Accounts und Einbindungen
- Die eigene Kommentarordnung festlegen
- Mit überschaubarem Aufwand beginnen
Es ist spät, unter Ihrem Beitrag zur kommunalen Haushaltsdebatte kommen weiter Kommentare hinzu. Eine Bürgerin fragt nach den Kosten, jemand unterstellt Ihrer Fraktion Täuschung, ein anderer greift den Kandidaten persönlich an. Sie müssen entscheiden, was eine Antwort verdient und wo Sie eingreifen, möglichst ohne aus einer angespannten Diskussion einen Streit über Zensur zu machen.
Eine brauchbare Social-Media-Netiquette hilft genau dabei. Für jede Regel brauchen Sie ein erkennbares Kriterium, eine nachvollziehbare Begründung und eine Dokumentation Ihrer Entscheidung. So können auch wechselnde Teammitglieder einen Kanal verlässlich betreuen.
Was Netiquette in sozialen Medien regelt
Netiquette beschreibt die Umgangsregeln, nach denen Menschen in sozialen Medien veröffentlichen, kommentieren, teilen und widersprechen. Sie legt fest, welchen Ton Sie erwarten, wie Sie mit unbelegten Aussagen umgehen und wann die Redaktion eingreift. Ebenso wichtig sind die eigenen Pflichten: Fragen beantworten, Fehler korrigieren und angekündigte Erreichbarkeit einhalten.
Für den Alltag hilft eine einfache Unterscheidung: Was verlangt eine inhaltliche Antwort, was eine Moderationsmaßnahme? Wer beides vermischt, diskutiert womöglich ausführlich mit einem Angreifer, während eine berechtigte Bürgerfrage unbeantwortet bleibt.
Grundregeln nach Situation
| Situation | Angemessene Reaktion | Zu vermeiden |
|---|---|---|
| Sachliche Kritik an einem Beitrag | Inhaltlich antworten und eine Quelle nennen | Pauschale Abwertung der Person |
| Persönlicher Angriff | Sachlich bleiben und den Verstoß moderieren | Gegenangriff im Ton des Angreifers |
| Falsche Tatsachenbehauptung | Korrektur mit Primärquelle | Wiederholung der falschen Behauptung in der eigenen Überschrift |
| Frage nach Zuständigkeit | Verweis auf die zuständige Stelle mit Kontakt | Unbeantwortet lassen |
| Lob oder Zustimmung | Kurz danken, ohne Eigenwerbung | Eigene Werbung unter fremden Beiträgen |
| Drohung oder Hassrede | Sichern, melden und Sicherheitsprozess auslösen | Inhaltliche Debatte über die Aussage |
Die Tabelle ist ein Ausgangspunkt für Ihre Kommentarordnung. Ergänzen Sie den konkreten Kanalzweck: Auf einem Gemeindeprofil müssen beispielsweise Fragen zur Verwaltung Platz haben, während unter einem Fachbeitrag eines Verbands ein Themenbezug sinnvoll sein kann. Formulieren Sie diesen Bezug so, dass auch eine kritische Person vorher erkennen kann, was zulässig ist.
Belegbarkeit braucht ebenfalls eine alltagstaugliche Grenze. Eine Meinung benötigt keinen Quellenapparat. Wer dagegen behauptet, der Gemeinderat habe einen bestimmten Beschluss gefasst, sollte den Beschluss benennen können. Die Redaktion muss dieselbe Sorgfalt auf ihre eigenen Veröffentlichungen anwenden.
Verbindlichkeit im eigenen Team
Legen Sie fest, wann der Kanal betreut wird und wie offene Fragen intern weitergegeben werden. Eine sofortige Eingangsbestätigung hilft wenig, wenn anschließend niemand die Fachantwort organisiert. Veröffentlichen Sie lieber realistische Betreuungszeiten und benennen Sie intern eine Vertretung.
Plattformrichtlinien geben einen allgemeinen Rahmen vor. Ihre eigene Kommentarordnung präzisiert, wie Sie innerhalb dieses Rahmens handeln. Politische und kommunale Kanäle brauchen dafür besonders belastbare Kriterien, weil Verantwortliche gleichzeitig Kritik aushalten und Beteiligte vor Herabwürdigung schützen müssen.
Warum respektvolle Kommunikation politisch zählt
Eine Bürgerversammlung verträgt scharfe Fragen zur Finanzplanung, deutlichen Widerspruch und Unmut über einen Beschluss. Wenn einzelne Besucherinnen und Besucher andere persönlich einschüchtern, verändert sich die Lage: Die Versammlungsleitung muss eingreifen, damit weitere Menschen überhaupt zu Wort kommen. Im Kommentarbereich tragen die Kanalverantwortlichen eine vergleichbare Verantwortung.
Im ersten Quartal 2023 nahmen 27 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer, rund 15,8 Millionen Menschen zwischen 16 und 74 Jahren, Hassrede auf Webseiten oder in sozialen Medien wahr; 79 Prozent derjenigen, die Hassrede wahrgenommen hatten, nannten politische oder gesellschaftliche Ansichten als Angriffspunkt, berichtet der Sozialbericht 2024. Für politische Accounts gehört die Unterscheidung zwischen Positionskritik und persönlicher Herabsetzung deshalb zum täglichen Kommunikationshandwerk.
Maßstab für die Moderation: Würden Sie denselben Kommentar auch dann beanstanden, wenn er die politische Gegenseite angreift?
Vertrauen durch erkennbare Maßstäbe
Der Info-Monitor 2025 der Medienanstalten befragte 3.040 deutschsprachige Internetnutzende ab 14 Jahren; die Mehrheit bewertete den Umgang sozialer Netzwerke mit Beleidigungen, Bedrohungen, Hassrede und Desinformation als unzureichend, und mehr als vier von fünf Befragten hielten soziale Netzwerke für weniger oder überhaupt nicht vertrauenswürdig. Ein einzelner politischer Kanal kann dieses Misstrauen kaum auflösen. Seine Verantwortlichen können jedoch verständlich machen, nach welchen Maßstäben sie selbst handeln.
Verschwindet ein kritischer Kommentar ohne Erklärung, können Außenstehende den Eingriff kaum beurteilen. Bleibt eine offensichtliche Herabwürdigung stehen, müssen Betroffene wiederum bezweifeln, ob die veröffentlichten Regeln gelten. Eine kurze, sachliche Begründung macht den Unterschied zwischen inhaltlichem Widerspruch und einem Regelverstoß erkennbar.
Dauerhafte Verantwortung
In der forsa-Erhebung der Landesanstalt für Medien NRW stieg der Anteil der Befragten, die Hassrede im Internet bereits gesehen hatten, von 65 Prozent 2016 auf 78 Prozent 2024; sehr häufige Begegnungen nahmen von 8 auf 14 Prozent zu. Moderation sollte daher auch zwischen Wahlkämpfen organisiert bleiben.
Für politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft zählt, ob Menschen ihre Gegenposition vorbringen können, ohne persönliche Angriffe hinnehmen zu müssen. Parteien und Fraktionen dürfen entschieden für ihre Ziele werben. Kommunale Verwaltungen müssen ihre besondere Rolle berücksichtigen und Kritik an Verwaltungshandeln ebenso sorgfältig behandeln wie zustimmende Beiträge.
Hassrede, Kritik und Desinformation unterscheiden
Ein Kommentar beginnt mit Kritik am Haushaltsentwurf und endet mit einer Bemerkung über den Charakter des Bürgermeisters. Genau solche Mischfälle verlangen Sorgfalt. Prüfen Sie getrennt, welche Aussage die Entscheidung betrifft und welche die Person angreift.
Die folgende Darstellung veranschaulicht die Einordnung im Arbeitsalltag.

Fallarten und ihre Erkennungsmerkmale
Die Beispiele dienen der Einordnung, nicht als abschließende rechtliche Bewertung.
| Fallart | Erkennungsmerkmal | Beispiel |
|---|---|---|
| Sachkritik | Bezug auf Position, Entscheidung oder Aussage | Der Haushaltsentwurf setzt die falschen Prioritäten |
| Persönlicher Angriff | Bezug auf Person, Aussehen oder Charakter | Der Kandidat ist für dieses Amt völlig ungeeignet als Mensch |
| Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit | Pauschale Abwertung einer Gruppe | Pauschale Zuschreibung gegen eine Religionsgemeinschaft |
| Unbelegte Behauptung | Keine Quelle, begrenzte Reichweite | Ein Gerücht über angebliche Schließungen im Ortsteil |
| Viral verbreitete Falschinformation | Hohe Reichweite und Weiterverbreitung in Gruppen | Eine erfundene Zitatgrafik eines Politikers |
| Manipulierter Inhalt | Verdacht auf Deepfake oder bearbeitetes Material | Ein Video mit verändertem Wortlaut |
| Drohung | Konkrete Gewaltandrohung gegen eine Person | Ankündigung, eine Kandidatin aufzusuchen, verbunden mit einer Gewaltandrohung |
Harte Sachkritik bleibt sichtbar, selbst wenn sie zugespitzt oder politisch unangenehm ist. Auch die Aussage, jemand sei fachlich ungeeignet, kann eine zulässige Bewertung seiner Amtsführung sein. Beim persönlichen Angriff müssen Sie deshalb den Wortlaut und den Zusammenhang prüfen, statt allein auf ein negatives Urteil zu reagieren.
Bei gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geht es um die pauschale Herabsetzung von Menschen aufgrund zugeschriebener Merkmale. Diskutieren Sie solche Aussagen nicht wie einen gewöhnlichen Sachbeitrag. Für die praktische Einordnung von Hate Speech in sozialen Medien sollten Ihre Regeln typische Angriffsmuster benennen, ohne diskriminierende Formulierungen unnötig zu reproduzieren.
Behauptungen sorgfältig prüfen
Eine unbelegte Aussage ist noch keine nachgewiesene Falschinformation. Bitten Sie zunächst um den Beleg und prüfen Sie die zuständige Primärquelle, etwa eine Ratsvorlage oder die veröffentlichte Stellungnahme einer Behörde. Ohne Anhaltspunkte für eine Täuschungsabsicht sollten Sie zudem niemandem vorsätzliche Desinformation unterstellen.
Eine Bitkom-Research-Erhebung unter 1.006 Personen ab 16 Jahren beschreibt regelmäßige Begegnungen vieler Menschen mit Desinformation und Deepfakes in sozialen Netzwerken, Messengern und Videoplattformen. Bei einem lokalen Gerücht genügt häufig eine knappe Klarstellung am Fundort. Verbreitet sich eine Falschinformation bereits stark, veröffentlichen Sie eine gut auffindbare Korrektur, deren Überschrift mit der belegten Tatsache beginnt.
Bei verdächtigem Bildmaterial prüfen Sie Ursprung, vollständige Aufnahme und Veröffentlichungszusammenhang intern. Kennzeichnen Sie offene Fragen ausdrücklich, statt einen Manipulationsverdacht als Befund auszugeben.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts nahmen im ersten Quartal 2025 rund 19,6 Millionen Internetnutzende zwischen 16 und 74 Jahren, entsprechend 34 Prozent, Hassrede wahr; 85 Prozent dieser Personen nannten politische oder gesellschaftliche Ansichten als Angriffspunkt. Für Grenzfälle braucht Ihr Team deshalb einen festen Prüfweg. Eindeutige Gewaltandrohungen dürfen dagegen nicht auf eine gewöhnliche Redaktionsfreigabe warten.
Wie Moderationsentscheidungen ablaufen
Eine Moderationsentscheidung muss auch für die Vertretung verständlich sein. Halten Sie deshalb Fund, Prüfung, Maßnahme und Begründung in einer gemeinsamen Fallliste fest. Dafür genügt eine zugriffsgeschützte Tabelle oder ein geeignetes Redaktionssystem mit klar geregelten Berechtigungen.
Die Prozessübersicht zeigt die Arbeitsfolge vom gesicherten Inhalt bis zum dokumentierten Ergebnis.

Vom Fund zur Entscheidung
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Inhalt sichern. Den Inhalt mit Datum, Uhrzeit und Link sichern, bevor er entfernt wird. Erfassen Sie auch den nötigen Gesprächszusammenhang, damit ein einzelner Satz später nicht falsch eingeordnet wird.
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Kategorie prüfen. Einordnung als Hassrede, Kritik oder Desinformation anhand des Bezugs prüfen. Bewerten Sie zugleich die Dringlichkeit: Eine konkrete Drohung geht unmittelbar an die benannte Sicherheitsverantwortung, bei akuter Gefahr an die Polizei.
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Entscheidung abwägen. Die Moderationsregel auf den gesicherten Inhalt anwenden. Prüfen Sie, ob eine Antwort, ein Hinweis oder ein Eingriff angemessen ist; bei einem Grenzfall entscheidet eine weitere autorisierte Person mit.
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Maßnahme festlegen. Löschen, kennzeichnen oder stehen lassen als klare Entscheidung darstellen. Ergänzen Sie je nach Plattform und Verstoß das Ausblenden, eine Meldung oder die rechtliche Prüfung einer Strafanzeige.
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Entscheidung dokumentieren. Die Entscheidung mit Begründung festhalten. Notieren Sie Anlass, verletzte Regel, Zeitpunkt, verantwortliche Person und Reaktion sowie gegebenenfalls die Weitergabe an Leitung oder Behörden.
Angenommen, ein Kommentator veröffentlicht wiederholt dieselbe Beleidigung unter einem Haushaltsbeitrag. Sie sichern den neuen Kommentar, gleichen ihn mit dem bisherigen Vorgang ab und blenden ihn nach der veröffentlichten Wiederholungsregel aus. Im Protokoll steht der konkrete Verstoß, nicht eine Bewertung der politischen Haltung des Verfassers.
Dokumentieren Sie so, dass eine unbeteiligte Kollegin die Entscheidung anhand des Inhalts und der Regel nachvollziehen kann.
Begründung und Meldeweg
Eine Antwortvorlage sollte den Eingriff benennen und die betreffende Regel erklären. Verzichten Sie dabei auf eine erneute Wiedergabe der Beleidigung. Geben Sie außerdem an, über welchen Kontakt eine Überprüfung der Entscheidung angefragt werden kann.
Die Bundesnetzagentur erläutert zum Digital Services Act Transparenzpflichten für Vermittlungsdienste, darunter Angaben zu Moderationsverfahren sowie Begründungen und Rechtsgrundlagen von Entscheidungen und gegebenenfalls zum Einsatz automatisierter Werkzeuge. Daraus folgt keine pauschale Gleichstellung politischer Kanalbetreiber mit Plattformen. Als organisatorischer Maßstab ist diese Nachvollziehbarkeit für Ihr Social-Media-Community-Management dennoch sinnvoll.
Laut der Hate-Speech-Befragung der Landesanstalt für Medien NRW hatte nur etwa ein Drittel derjenigen, die Hassrede wahrgenommen hatten, bereits einen entsprechenden Kommentar oder dessen Verfasser beim Portal gemeldet. Verlassen Sie sich daher nicht allein auf Hinweise aus der Community. Veröffentlichen Sie einen Moderationshinweis mit Kategorien wie Beleidigung, Bedrohung, Diskriminierung, Veröffentlichung persönlicher Daten und wiederholtem Trolling sowie einer erreichbaren Kontaktstelle.
Konflikte im Kommentarbereich sachlich führen
Unter dem Beitrag zur geplanten Sanierung des Bürgerhauses fragt eine Einwohnerin, warum sich das Vorhaben verzögert. Die Redaktion nennt den offenen Planungsschritt und verlinkt die öffentliche Vorlage. Damit hat sie die Sachfrage beantwortet, ohne der Fragestellerin Zustimmung abzuverlangen.
In der nächsten Antwort wird der Ton schärfer: Die Verwaltung habe die Kosten offenbar nicht im Griff. Jetzt hilft eine präzise Abgrenzung zwischen bestätigten Kosten, noch offenen Angeboten und politischer Bewertung. Bedanken Sie sich für einen berechtigten Hinweis, aber vermeiden Sie routinemäßige Dankesformeln, die bei offenkundigem Ärger herablassend wirken können.
Den Gesprächsverlauf steuern
Steigert sich die Nachfrage zur persönlichen Provokation, sollten Sie nicht jedes Schlagwort einzeln widerlegen. Wiederholen Sie die relevante Auskunft knapp und setzen Sie eine Grenze. Eine mögliche Antwort besteht aus diesen Sätzen:
Die aktuelle Kostenschätzung und die noch offenen Planungsschritte finden Sie in der verlinkten Ratsvorlage. Fragen dazu beantworten wir gern; persönliche Angriffe behandeln wir nach unserer Kommentarordnung.
Dieser Ton lässt Raum für eine Rückkehr zur Sache. Er verpflichtet die Redaktion aber nicht dazu, denselben Streit unbegrenzt fortzusetzen. Nach einem klaren Hinweis und erneuten Verstößen setzen Sie die vorgesehene Maßnahme um, statt weitere Warnungen anzukündigen.
Vor dem Absenden prüfen
- Sachfrage erkennen: Gibt es eine konkrete Frage, die ich beantworten kann? Wenn ja, beantworten Sie diese und lassen Sie beiläufige Provokationen unbeachtet, sofern sie keinen eigenständigen Regelverstoß darstellen.
- Eigenen Fehler prüfen: Habe ich etwas falsch oder missverständlich veröffentlicht? Korrigieren Sie den ursprünglichen Beitrag sichtbar und vermerken Sie, was geändert wurde.
- Öffentliche Wirkung bedenken: Würde die Antwort auch passen, wenn eine Journalistin sie wörtlich zitiert? Streichen Sie Spott, Unterstellungen und interne Bemerkungen.
Bei einem eigenen Fehler braucht es keine lange Verteidigung. Benennen Sie die falsche Angabe, ersetzen Sie sie durch die belegte Information und entschuldigen Sie sich, wenn der Fehler andere betroffen hat. Eine stille Änderung nimmt der Leserschaft die Möglichkeit, den Verlauf zu verstehen.
Zum Umgang mit Gefahren sozialer Medien gehört auch der Schutz der Mitarbeitenden. Planen Sie Übergaben und Pausen ein, lassen Sie belastende Fälle an die Leitung weitergeben und führen Sie dienstliche Auseinandersetzungen nicht über private Profile fort. Wer persönlich angegriffen wird, sollte den betreffenden Vorgang an eine Kollegin oder einen Kollegen abgeben können.
Teamregeln für Konten und eingebettete Inhalte
Ein übernommenes Konto kann im Namen Ihrer Fraktion Nachrichten versenden oder Veröffentlichungen verändern. Kommunikationsverantwortung beginnt deshalb bei der Frage, wer überhaupt Zugang hat. Geben Sie Personen nur die Rechte, die sie für ihre Aufgabe benötigen, und halten Sie eine gesicherte Wiederherstellungsmöglichkeit bereit.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschreibt die Zwei-Faktor-Authentisierung als zusätzliche Sicherheitsbarriere neben dem Passwort, etwa durch einen Code auf einem anderen Gerät, ein biometrisches Merkmal oder einen USB-Sicherheitsschlüssel. Verpflichten Sie alle administrierenden Personen zur Aktivierung. Zugriffsrechte ausgeschiedener Teammitglieder werden unmittelbar entzogen, Wiederherstellungscodes geschützt verwahrt.
Einbindungen bewusst freigeben
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit verweist auf § 25 TDDDG, wonach Zugriffe auf Informationen in Endeinrichtungen grundsätzlich eine Einwilligung nach klarer und umfassender Information benötigen, sofern keine gesetzliche Ausnahme greift. Prüfen Sie deshalb bei externen Videos, Karten, Feeds und Analysewerkzeugen, welche technischen Vorgänge die Einbindung auslöst. Nicht erforderliche Zugriffe dürfen Sie nicht durch eine voreingestellte Zustimmung legitimieren.
Eine verlinkte Videoseite kann die praktischere Lösung sein, wenn eine datenschutzgerechte Einbettung nicht eingerichtet ist. Ebenso wenig gehört ein Screenshot mit sichtbaren Telefonnummern aus einer geschlossenen Gruppe in einen öffentlichen Beitrag. Sichern Sie benötigte Belege intern und veröffentlichen Sie personenbezogene Angaben nur mit tragfähiger Rechtsgrundlage.
Mindestregeln für Accounts und Einbindungen
| Bereich | Mindestregel | Kontrolle |
|---|---|---|
| Zugriff | Individuelle Konten für jede administrierende Person | Zugriffsliste bei jedem Personalwechsel prüfen |
| Zwei-Faktor-Authentisierung | Pflicht für alle Konten des Kanals | Aktivierung je Konto dokumentieren |
| Passwörter | Keine Weitergabe über Messenger | Als interne Routine eine Stichprobe im Quartal vorsehen |
| Eingebettete Inhalte | Externe Videos, Karten und Feeds erst nach erforderlicher Einwilligung aktivieren | Vor jeder Veröffentlichung prüfen |
| Personenbezogene Daten | Keine Weitergabe von Telefonnummern oder Screenshots aus geschlossenen Gruppen ohne tragfähige Rechtsgrundlage | Vor jedem Repost prüfen |
| Antwortbefugnis | Nur autorisierte Personen posten oder antworten | Freigabeliste im Team führen |
Die Freigabeliste sollte zwischen Veröffentlichen, Antworten, Moderieren und Zugriffsverwaltung unterscheiden. Nicht jede Person, die eine Grafik einstellt, benötigt die Befugnis, weitere Administratorinnen und Administratoren hinzuzufügen. Verankern Sie diese Zuständigkeiten in Ihren Social-Media-Guidelines, damit sie auch bei Urlaub und Personalwechsel gelten.
Die eigene Kommentarordnung festlegen
Veröffentlichen Sie Ihre Kommentarordnung, bevor der nächste kontroverse Beitrag online geht. Eine kurze, verständliche Fassung ist für die Öffentlichkeit hilfreicher als ein umfangreiches internes Regelwerk. Die detaillierten Abläufe, Zuständigkeiten und Dokumentationsfelder bleiben im Redaktionshandbuch.
Für den Start brauchen Sie konkrete Entscheidungen:
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Beiträge und Grenzen benennen. Halten Sie fest, dass Fragen, Widerspruch und harte Sachkritik willkommen sind. Nennen Sie Beleidigungen, Drohungen, diskriminierende Angriffe und die Wiederholung bereits entfernter Inhalte als Verstöße, ergänzt um ein verhältnismäßiges Sanktionsschema.
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Rollen verbindlich vergeben. Bestimmen Sie, wer ausblenden oder löschen darf, wer Grenzfälle freigibt und wer eine rechtliche Prüfung oder Strafanzeige veranlasst. Hinterlegen Sie auch eine Vertretung.
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Die Umsetzung kontrollieren. Erfassen Sie den Anteil beantworteter sachlicher Fragen, die mediane Reaktionszeit, ausgeblendete oder gelöschte Beiträge nach Kategorie, Wiederholungsverstöße und den Anteil dokumentierter Entscheidungen. Diese Übersicht dient der internen Prüfung, nicht einem Wettbewerb um möglichst viele Eingriffe.
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Die Regeln auffindbar machen. Verlinken Sie die Ordnung im Profil und hinterlegen Sie sie dort, wo neue Besucherinnen und Besucher sie finden. Benennen Sie einen Kontakt für Rückfragen zur Moderation.
Mit überschaubarem Aufwand beginnen
Prüfen Sie als interne Routine im Quartal, welche Fälle unklar blieben und ob Vertretungen dieselben Maßstäbe angewandt haben. Eine hohe Zahl entfernter Kommentare ist für sich genommen kein Qualitätsbeleg. Entscheidend ist, ob Sie berechtigte Kritik beantwortet und tatsächliche Verstöße konsistent behandelt haben.
Wir bei creategy helfen Gemeinden, so zu kommunizieren, wie es die Zeit verlangt, sowie Verbänden, Branchenorganisationen und NGOs, ihre politischen Ziele mit der richtigen Kommunikation zu erreichen. Dazu gehört eine Sprache, die Widerspruch aushält und Grenzen verständlich begründet.
Schreiben Sie diese Woche die zulässigen Beiträge und Verbote auf und benennen Sie die freigabeberechtigte Person. Lassen Sie das Team nächste Woche typische Grenzfälle gemeinsam einordnen und veröffentlichen Sie anschließend die abgestimmte Ordnung.
creategy GmbH unterstützt politische Organisationen und Kommunen bei laufender Kommunikation, Social-Media-Betreuung und Krisenvorbereitung. Wenn Sie Ihre Netiquette mit klaren Zuständigkeiten und einem belastbaren Moderationsablauf verbinden möchten, besuchen Sie creategy GmbH und besprechen Sie den konkreten Unterstützungsbedarf Ihres Teams.

